Unzensiert aus dem texanischen Todestrakt

 

Clinton schreibt circa einmal die Woche Berichte über das Leben im Todestrakt. Darin wird deutlich welchen Belastungen die Gefangenen ausgesetzt sind und wie sie von den Vollzugsbeamten behandelt werden.
Vor Clinton schrieben bereits Paul Colella und Richard Cartwright für "Uncensored". Paul Colellas Strafe wurde schließlich in lebenslänglich umgewandelt, Richard Cartwright wurde im Mai 2005 hingerichtet. Danach hat nun Clinton begonnen regelmäßig über sein Leben zu berichten. Auf dieser Seite sind seine Berichte und die Berichte anderer Gefangener und Familienangehöriger auf deutsch übersetzt nachzulesen. Die englischen Originale können auf www.1prison.com/newuncensored.html nachgelesen werden.

 

Dieser Bericht wurde von Clinton Young und Robert Shields verfasst, die zur Zeit im Todestrakt von Texas inhaftiert sind.

Unzensiert aus dem texanischen Todestrakt von Clinton Young

22. Mai 2005

Ich grüße alle!
Heute ist der 22. Mai. Es ist gerade 1.06 Uhr.
Ich hatte die Absicht mich hinzusetzen, und die Ereignisse des gesamten Wochenendes niederzuschreiben.
Richard wurde am 19. Mai hingerichtet. Ich sah ihn während der Besuchszeit einige Tage vor seinem Termin. Ich habe mich kurz mit ihm unterhalten.
Wisst ihr, während ich hier sitze und schreibe kommt mir nichts in den Sinn, über das ich schreiben könnte. Ich meine, es ist als ob er immer noch unter uns ist.
Im Gefängnis sind wir so isoliert und wir werden nicht darüber informiert ob jemand einen Hinrichtungstermin bekommt oder ob jemand stirbt oder nicht. Wir müssen es von den Leuten draußen erfahren.
Es gab Zeiten in denen ich mich mit Leuten unterhalten habe und diese mich fragten wo eine bestimmte Person untergebracht ist.
Ich sagte zu ihnen: “Mann, sie haben diesen Kerl vor etwa 3 Monaten umgebracht.”
Die Antwort war: “Kein Scheiß? Verdammt, ich wusste nicht mal davon.“
Das wird alles sehr sauber und still erledigt. Und dazu kommt, dass Texas so viele umbringt, dass es keine sonderlich große Bedeutung für die Gesellschaft hat. So stellen es zumindest die Medien dar. Die „Vertrautheit sorgt für Erleichterung.“
Ich habe bemerkt, dass es auf der Titelseite der USA Today zu lesen ist, wenn sie einen Typen in Neuengland umbringen wollen. Also wenn es kein wichtiger Fall in Texas ist, dann wird nicht mal in anderen Staaten der USA darüber berichtet.
Ich habe Richards Mutter während eines Besuches umherlaufen sehen. Ich habe mich gefragt, was ihr im Kopf herumgeht. Ich habe mich auch gefragt wie meine Mutter mit meiner Hinrichtung umgehen würde.
Ich fühle mit Richards Familie.
Ich kannte ihn nicht besonders gut. Als ich das erste Mal neben ihn in den F-Trakt auf Stufe 3 verlegt wurde, habe ich während der ersten paar Stunden nicht mit ihm gesprochen, da mir vom Pfefferspray alles brannte.
Er fragte mich, ob ich einen Artikel für “Unzensiert“ über die Anwendung von Gewalt schreiben möchte. Das war der entscheidende Satz für den Beginn unserer Konversation.
Wir gingen gemeinsam zum Hofgang. Wir waren aber in unterschiedlichen Käfigen untergebracht, da die Insassen im Todestrakt keinen direkten Kontakt miteinander haben dürfen.
Wir unterhielten uns über unsere Heimatstädte, Familien, Autos, Frauen, unsere unterschiedliche Kindheit und wie wir den Unterdrückungen des TYC (Anmerkung der Übersetzerin: Jugendgefängnis) widerstanden.
Durch diese Gespräche realisierten wir, dass wir vieles gemeinsam hatten. Zwei Wochen später erhielt er dann seinen Hinrichtungstermin.
Wir hatten uns in diesen zwei Wochen viel unterhalten. Ich sagte zu dem Typen in der Zelle neben mir: „Das war’s. Ich rede mit keinem anderen mehr. Jedes Mal wenn ich beginne mich mit jemand richtig gut zu verstehen, erhält derjenige seinen Hinrichtungstermin.“ Es geschieht tatsächlich so oft, dass es ein Teil unseres Lebens hier geworden ist.
Der Kerl in der Zelle neben mir fragte mich vor kurzem, ob sie Wolfe umgebracht hätten. Ich sagte ihm: „Ja, am 18. haben sie ihn umgebracht.“
Seine Antwort war: „Verdammt, ich wusste nicht mal, dass er einen Termin hatte.“ Er hatte einen Artikel über das Ganze in der Zeitung gesehen.
Es sieht aus, als ob alles schlimmer wird. Am 17. März wurde ein Artikel über einen größeren Fonds für Pflichtverteidiger herausgebracht! In dem Artikel wurde erwähnt, dass vormalige Staatsanwälte, die über KEINERLEI Erfahrung als Verteidiger verfügen, sich qualifizieren könnten, um Todesstrafefälle zu verteidigen.
Das ist so, als ob die Person, die dich erschossen hat dich gleich wiederbelebt! Sie wurden Staatsanwälte, weil sie bestrafen wollten.
Friedrich Nietzsche stellte fest: “Misstraue all jenen, deren Impuls zu bestrafen stark ist!”
Der Vorsitzende des Hauses des Kommittees der Rechtswissenschaften, Terry Keel stellte vor kurzem fest, dass die Gesetzesvorlage 265 die texanischen Standards „zu den besten der Nation in Bezug auf die Qualifikationen“ machen würde. Dieser Entwurf erlaubt es Staatsanwälten Mordfälle zu verteidigen.
Nun, auf die letzten seiner Worte muss man seine Aufmerksamkeit richten: “in Bezug auf die Qualifikation!” Ja, sie werden qualifiziert sein, aber damit hat sich’s dann auch! Qualifiziert um Texas zu helfen uns schneller zu töten!
Es gibt hier einen Typ, ich werde seinen Namen nicht erwähnen, da ich seine Erlaubnis dazu nicht habe, aber der Staatsanwalt in seinem Fall hatte während der Verhandlung Amphetamine eingenommen und flog auf! Er dröhnte sich während der Verhandlungspausen zu!!!
Zu anderen Neuigkeiten. Eine eventuell fälschliche Hinrichtung hat für einige Aufmerksamkeit gesorgt. Cameron Willingham, wurde am 17. Februar 2004 hingerichtet, da er ein Feuer gelegt haben soll, durch das seine drei Kinder umkamen. Nach neuen forensischen Beweisen sieht es nun so aus, als ob das Feuer ein Unfall war. Derselbe Beweis, der Ernest Willis nach 17 Jahren im Todestrakt zur Freiheit verhalf. Aber Willis wurde freigesprochen, nachdem Cameron hingerichtet wurde. Ich vermute mal, dass der Staat sich ausrechnete, dass er erst einen kriegen muss, bevor einer frei gelassen wird.
Nun ja, zurück zu Richard. Alle die versuchten ihm zu helfen – Gebt nicht auf. Er würde es wollen, dass ihr alle fortfahrt zu Kämpfen. Eure Stärke ergibt sich durch eure Zahl.
Ich werde nun so oft wie möglich Berichte veröffentlichen. Mein Fall liegt immer noch beim Staatsgericht. Es wurde noch nichts darüber entschieden. So habe ich noch eine Menge zu schreiben. Ich werde Informationen über meinen Fall, den Todestrakt usw. veröffentlichen. Fast dasselbe, das auch Richard tat. Aber ich werde mich auch anderen Themen widmen.
Der nächste Artikel wird über die Familie der Opfer in dem Fall berichten, der mich in den Todestrakt brachte. Ebenso möchte ich auf den emotionalen Einfluss eingehen, den es auf mich hatte sie zu sehen und zu wissen, dass sie denken, dass ich für den Tod ihrer Geliebten verantwortlich bin.
Ich war in diesem Fall nicht derjenige, der geschossen hat und kann diese Tatsache auch belegen. Ich werde auch Lügendetektor Tests veröffentlichen, die zeigen, dass der Mitangeklagte log. Weitere Aussagen von Leuten belegen, dass sich der Mitangeklagte damit rühmte mit einem Mord davonzukommen.
Ich werde diesen Bericht zu Ende bringen.
Nutz den Schmerz, um das Feuer anzuheizen, das in uns brennt.
Steht gerade, lasst nie nach und gebt nie auf.
Clinton Young #999447
Polunsky Unit
3872 F.M. 350 South
Livingston, TX 77351
USA

 

Von Robert Shields, #999166:
„Richard bat mich die Ereignisse des 19. Mai niederzuschreiben. Hier sind sie:
19. Mai – der Tag des Mordes 2005

8.05 Uhr
Rich Cartwright geht los, um seine Geliebten zum wirklich letzten Mal zu besuchen. Er sieht bemerkenswert ruhig aus.

8.20 Uhr
Ich habe gerade in den Nachrichten gehört, dass Bryan Wolfe tatsächlich letzte Nacht vom texanischen Staat ermordet wurde.

11.57 Uhr
Es erscheint einem unchristlich das zu tun, aber ich steige in mein Fenster hinauf, um zu versuchen noch einen letzten Blick auf den Mann zu werfen, den ich, seit wir gemeinsam im Arbeitsprogramm im Jahr ’98 waren, als meinen Freund bezeichne.

12.01 Uhr
Der Todeswagen kommt an!
Ich bin ein wenig überrascht keine Wärter und nur 5 Sensenmänner zu sehen, die sich in ihrer grauen Kleidung versammeln. Auch KEINE Anzeichen des Handschüttel-Wettbewerbs! Was geht hier eigentlich vor?

12.03 Uhr
Der Beamte Hill, der für das Eigentum der Gefangenen zuständig ist, bringt Richs Eigentum und Kleidung. Ich tippe, dass ich die Friedhofsprozession verpasste, als die Armee in den grauen Anzügen Rich vom Besuchsgebäude hinüber begleitete. Er muss sich bereits im Gebäude 12 befinden, in dem er für eine sichere Fahrt nach Huntsville gefesselt wird.

12.05 Uhr
Ms. Hill kommt heraus und schüttelt ihren Kopf, während sie Chi-towns Kreuz in ihrer Hand baumeln lässt. Er muss es während des Besuchs getragen haben. Darüber werden sie nicht glücklich sein, da bin ich mir sicher. Ich denke, dass er durchsucht wurde, bevor er hier raus ging.

12.08 Uhr
Richard kommt heraus und steht dort stolz; er hält seinen (kahlen) Kopf aufrecht, aber er sieht nicht so glücklich aus. Als er in den Van steigt, schaut er hinüber zu uns an unseren kleinen Fenstern und wackelt mit seiner Zunge. Im Grunde bedeutet er uns, dass er sich, was auch immer passiert, nicht von ihnen unterdrücken lassen wird und dass wir uns auch nicht unterdrücken lassen sollen.

12.10 Uhr
Die Sensenmänner in ihren grauen Anzügen klettern zurück in ihren Todeswagen und fahren davon ohne ihre Sicherheitsgurte anzulegen. SCHLECHT! Ich weiß, dass Richard seinen Gurt anlegen wollte, nachdem er Mr. Bible hier drin herumhinken sah. Mr. Bible hatte Verletzungen erlitten, als er unangeschnallt in einem Van des TDCJ verunglückte.


Die Zukunft ist ungewiss, aber 18 Uhr wird zu schnell für uns alle da sein. Ich hoffe immer noch fest, dass Richard ein Wunder geschieht. Wir können nur abwarten.
Tja, ich habe gerade die Nachrichten gehört und weiß nicht, was ich sagen soll. Sogar mit meiner pessimistischen Einstellung hatte ich es erwartet, aber es zu hören traf mich hart. Ruhe in Frieden, Richard Michael. Wir werden dich vermissen. Meine Beileidsbekundungen gelten all jenen, die für Rich, seine Familie, Freunde und Geliebten da waren. Ich weiß, dass ihm all eure Liebe, Gebete und Unterstützung halfen das alles durchzustehen. Er sprach mehr von euch und von Gott als über seine Situation. Bleibt stark und lasst eure Köpfe nicht hängen, so dass er das Lächeln auf euren Gesichtern sehen kann. Ich bin mir sicher, dass er, wann immer er nicht damit beschäftigt ist den Ententanz zu tanzen, auf euch alle herabblicken wird.
Ich glaube dass der Großteil von euch nicht realisiert, was sie in den letzten Monaten gelesen haben. Ich zweifle stark, dass man so etwas irgendwo anders finden wird. Nicht viele Männer im Gefängnis haben den Mut sich so zu öffnen, ihre Seele zu enthüllen und jedem eine Chance zu geben und ihn und jeden, den er liebt zu beurteilen.
Er hat sich geöffnet, so dass ihr seine tiefsten Gedanken sehen konntet. Viele von den Kerlen haben ihn als verrückt oder ähnliches bezeichnet, da sie der ganze Lebensstil im Gefängnis so abgehärtet hat, dass sie nicht einmal verstehen können, wie er denkt und fühlt. Ich kann mir nicht vorstellen wieviel Kraft es braucht, um der Welt den mentalen und emotionalen Aufruhr aufzuzeigen, in dem er sich befand.
Ich habe gesehen wie schwer diese letzten paar Tage für ihn waren. Ich weiß, wieviel ihm eure Unterstützung bedeutet hat, die ihm half diese schwere Zeit zu bewältigen. Es ist schwer genug mit dieser Situation fertig zu werden, ohne sich so nach außen zu öffnen. Aber sich für alle Arten von Kritik innerhalb und außerhalb dieser Mauern zu öffnen – ich weiß wirklich nicht, wie er das geschafft hat.
Jeder befindet sich in diesem Achterbahn-Wagen, den wir Leben nennen, aber ich ringe in diesem Moment damit. Während ich hier auf diesem Bett sitze und versuche die Gedanken und Emotionen, die verworren in meinem Kopf umhergeistern, zu sortieren. Das ist nicht das erste Mal, dass ich hilflos in dieser Zelle sitze, während ein Freund, jemand mit dem ich mich unterhalten habe, mit dem ich gegessen habe, mich gestritten und gemeinsam gelacht habe, fortgebracht wurde, um vom texanischen Staat umgebracht zu werden. Man würde denken es wird einfacher, aber das wird es nicht. Ruhe in Frieden, Rich.

Hier ist ein Gedicht. Richard wollte, dass ich es euch zukommen lasse:

Dies ist kein Leben
Jeder Atemzug, den ich nehme,
Ist ein Schritt hin zu einem
Verfrühten Tod
Die Schreie, die aus meinem Innern 
Hervorquellen sind
Genug um mich wieder und wieder
Total im Arsch zu fühlen
Ich muss es schaffen hier raus zu kommen
Es gibt so viel, das ich
Schaffen möchte,
Bevor ich mein Ende erreiche
So warte ich auf diesen
Chemischen Giftcocktail
So weit entfernt, aber
Ich komme wieder zurück
Ich fühle die Nadel,
Die in meinen Arm eindringt
Schmerz, der zum Befehl wurde
Ich muss das Schicksal akzeptieren
Die Hinrichtung lässt meinen Atem stocken
Ein überstürzter, gewundener Tod
Ein Blutbad im Paradies
Für immer schlafen...

(zum Seitenanfang)

 

Dieser Bericht wurde von Clinton Young verfasst, der zur Zeit im Todestrakt von Texas inhaftiert ist.

Unzensiert aus dem texanischen Todestrakt von Clinton Young

26. Mai 2005

Ich grüße alle!
Ich erhielt einen Brief von Suzanne. Ich konnte ihren Schmerz durch ihre Worte spüren. Es gibt soviel, das ich über Richard schreiben oder sagen könnte. Ich weiß nur nicht, was ich sagen soll.
Ich fühle, dass ich etwas schreiben muss, aber ich kann die Worte nicht finden.
Ich habe einen Artikel über seine Hinrichtung gelesen. Darüber zu lesen machte diesen Mord so real. Ich meine ich weiß, dass er hingerichtet wurde, aber ich hatte die Tatsache noch nicht voll erfasst. Wir leben so isoliert - wenn jemand hingerichtet wird ist es so, als ob es nie geschehen sei. Bis man darüber in der Zeitung liest.
Ich befinde mich auf Stufe 2, daher konnte ich nicht die Radio-Nachrichten über seine Hinrichtung hören. Ich musste die Vollzugsbeamten fragen.
Eine Sache an Richards Berichten ist seine Fähigkeit bescheiden zu sein. Nicht viele sind dazu in der Lage. Ich habe die Gewohnheit alles für mich zu behalten, nun ja, zu einem gewissen Teil.
Richards Familie, Suzanne und viele andere haben Richard kennengelernt. „Den Mann hinter der Maske!“ Die Masken, die die Stereotypen im Todestrakt darstellen sollen, müssen zur Zeit viel Schmerz ertragen.
Es wurde einmal gesagt, dass ein sterbender Mann mehr zu einer Last für die Überlebenden wird, als zu einer Last für sich selbst. Sein Schmerz ist vorbei. Jetzt müssen wir unseren Schmerz bewältigen.
In dem Zeitungsartikel über Richards Tod wurde die Familie der Opfer zitiert. Sie sagte: „Nun wissen wir wenigstens, dass er niemand anderen mehr verletzt.“ Die Familie der Opfer in meinem Prozess sagte dasselbe. Meine Frage ist: „Was ist mit den Mitangeklagten, die nicht in den Todestrakt kamen, da sie den Staatsanwälten halfen?“
Der Artikel erwähnte, dass einer der Kerle, der vermutlich mit Richard unterwegs war, die Kehle des Opfers durchtrennt hatte. Dieser Mitangeklagte ist nicht im Todestrakt! Er bekam 50 Jahre! Also bewegt er sich unter den normalen Gefangenen und könnte noch dazu in ca. 15 Jahren entlassen werden. Wer würde behaupten, dass er nie wieder jemanden verletzen würde?
Ein Mitangeklagter in meinem Fall GAB ZU das Opfer erschossen zu haben. Als eine Belohnung für seine Zeugenaussage gegen mich erhielt er lediglich 15 Jahre! In drei Jahren kann er nach Hause gehen. Er bekam nicht mal die 15 Jahre für einen Mord. Also kam er tatsächlich mit einem Mord ungeschoren davon. Er kam das erste Mal durch, warum sollte er es nicht ein weiteres Mal versuchen!
Der einzige Grund weshalb die Staatsanwälte mich verurteilen wollten, ist meine Vergangenheit. Von allen involvierten Personen hatte ich die schlimmste Vergangenheit. Nichts wirklich Schlimmes. Einige Dinge sehen schlimm aus, da sie abgestempelt sind.
In der Tat hatte ich zehnmal so viele Leute, die aussagten, dass ich ein guter Mensch bin, wie die Staatsanwaltschaft Leute vorweisen konnte, die aussagten, dass ich ein schlechter Mensch bin. Deshalb mussten sie die Leute dazu bringen zu lügen! Denn in meinem ganzen Leben ließen sich nur 3 Leute finden, die aussagten, dass ich gefährlich sei.

Einer war ein Lehrer, der mich für gewöhnlich vor der ganzen Klasse „dumm“ nannte, da ich Probleme mit dem Buchstabieren hatte! Oh, übrigens, ich war in der ERSTEN KLASSE!
Der zweite war ein Sozialarbeiter von der TYC (Texas Youth Commission) (Anmerkung der Übersetzerin: Jugendgefängnis), der aussagte, dass ich ihn angriff, als er einen Kampf unterbrechen wollte. Nun wäre er ein guter Zeuge für die Staatsanwaltschaft. Das einzige Problem ist, dass ich der Strafe entging! Andere Insassen und „Vollzugsbeamte“, die den gesamten Kampf beobachtet hatten, sagten aus, dass ich ihn nicht schlug. Daher hat der Direktor der TYC-Einrichtung diese Anklage fallen lassen.
Nummer 3 war eine andere Mitarbeiterin der TYC, die aussagte, dass ich sie schlug, als sie einen Kampf unterbrach. Sie sagte das zwar im Prozess aus, aber in ihrem Bericht über den Zwischenfall erwähnte sie NICHT, dass sie angegriffen wurde. Mein Anwalt konnte den Bericht nicht auffinden und so war es ihr möglich zu lügen. Jedoch bin ich nun im Besitz dieses Berichts und kann beweisen, dass sie eine Lügnerin ist. Sie mochte mich wirklich nicht, da ich mich während meiner Zeit in der TYC nicht sonderlich gut an Autorität und Regeln hielt.
Dann war da noch ein Neurologe, der für die Staatsanwaltschaft aussagte, dass ADHS (das ich bereits mein ganzes Leben habe) keine strafmindernder Grund ist.
Einige Ärzte stimmen darin überein, aber wollt ihr wissen, was das größte Problem mit dem Arzt ist, der nicht daran glaubte? Die Telefonnummer zu seinem Büro ist 1-800-###-2343, was sich mit 1-800-$$$-ADHD (Anmerkung der Übersetzerin: ADHS) übersetzen lässt! Er behandelte ADHS und verschrieb Medikamente, obwohl er ADHS, als er in meinem Prozess aussagte nicht als strafmindernd bezeichnete.
So kann ich nun also feststellen, dass jeder Zeuge, der von der Staatsanwaltschaft hervorgebracht wurde, ein Lügner ist oder Gründe hat zu lügen.
Meine Ex-Freundin sagte aus, dass ich sie geschlagen hätte. Als sie das im Zeugenstand aussagte, meinte ich zu meinem Anwalt: „Mann, ich schwöre, dass ich dieses Mädchen nie geschlagen habe.“ Sie hat vor kurzem eine Erklärung für das Gericht niedergeschrieben, dass sie die Staatsanwälte gezwungen hätten zu lügen! Sie ist eine der vier Personen, die eine Erklärung schrieben, dass sie angewiesen wurden zu lügen und sich nicht an meinen Verteidiger zu wenden.

Einer der wichtigsten Punkte, außer dass ich nicht des Mordes schuldig war, war es für mich der Familie der Opfer während meiner Verhandlung zu zeigen, dass ich nicht derjenige war, der ihre Geliebten umbrachte. Die Staatsanwälte erlaubten unter den Beweisen ein Foto des Opfers Samuel Petrey und seiner Enkelin. Ich habe nur zweimal wirklich während meines Prozesses geweint. Das erste Mal als meine kleine Schwester für mich aussagte und dann als sie dieses Bild zeigten.
Ich sagte zu meinem Anwalt: “Ich habe diesen Mann nicht umgebracht.” Seine Antwort war: „Ich weiß, aber wir müssen es diesen 12 Leuten klar machen.“
Ich glaube wir hatten keinen Erfolg!
Nun mögen sich die Leute vielleicht fragen: “Nun, aber warum haben sie dich dann verurteilt?” So wie jeder denkt, dass jeder im Todestrakt von Texas jemanden umgebracht hat.
Das ist so nicht richtig. Texas hat ein Gesetz, das das „Gesetz der Beteiligung“ genannt wird, was bedeutet, dass eine Person für schuldig befunden werden kann, wenn sie an einer Straftat beteiligt war. Es ist also ein Gesetz, das einen dafür bestraft, wenn man mit einem Gesetzlosen unterwegs ist. (Ride with an outlaw, die with an outlaw)
Um jedoch die Todesstrafe anzuwenden, muss der Staatsanwalt beweisen, dass der Angeklagte vorausahnt, dass ein Mensch sein Leben lassen muss und/oder plant, dass ein Mord geschieht.
Die Mitangeklagten in dem Prozess, der dazu führte, dass ich mich heute im Todestrakt befinde, sagten aus, dass ich derjenige war, der geschossen hatte. Jedoch sagen die Beweise etwas anderes. Hinzu kommt, dass die Mitangeklagten in beiden Morden sich damit rühmten mit einem Mord davon zu kommen und durch einen Lügendetektor-Test fielen.
Es gibt im gesamten Fall nicht einen Fingerabdruck von mir. Mein gesamter Prozess war ein Marionetten-Theater.
Samuel Petreys Frau und seine beiden Söhne waren während des gesamten Prozesses anwesend. Zunächst war es mir unangenehm, dass sie tatsächlich dachten ich sei derjenige, der geschossen hat, dann wurde ich wütend. Mein Gedanke war: „wie zur Hölle können sie sagen, dass ich es war und dass sie denken, dass ich es war, wenn sie noch nicht einmal dabei waren?“
Ich wusste, dass der Staatsanwalt ihre Köpfe voll Propaganda gepumpt hatte. Ich hatte gehofft, dass sie am Ende der Verhandlung realisieren würden, dass die Staatsanwälte voller Mist waren.
Aber kurz vor dem Ende, als Mrs Petrey darüber aussagte, wie sie als Opfer litt, erklärte sie, dass sie mir die Todesstrafe wünscht, so dass ich nie wieder jemanden verletzen kann.
In der Tat bekam Mark Ray, der zugab das Opfer erschossen zu haben, nur 15 Jahre und David Page, der damit herumposaunte, dass er mit Mord davongekommen war, nur 35 Jahre. Keiner von ihnen erhielt eine Haftstrafe für Mord!
Ich habe in meiner Verhandlung nicht ausgesagt. Ich wollte zwar, aber mein Anwalt flehte mich an es nicht zu tun. Ein Angestellter beim Gericht, mit dem ich eng befreundet wurde und der an meinem Fall arbeitete, flehte mich an, es zu unterlassen. Sie waren besorgt, dass die Staatsanwälte meine Worte verdrehen würden und/oder mich verwirren würden und mich so der Jury in einem negativen Licht zu präsentieren würden.
Ich bereue es nun, dass ich nicht für mich selbst gesprochen habe. Sollte ich einen neuen Prozess bekommen, werde ich zu meinen Gunsten aussagen.
Als ich die Todesstrafe erhielt, schrie die Frau des Opfers “Gott sei Dank” und meine Mutter schrie „nein“ und brach zusammen.
Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf ging, war: “Warum dankt sie Gott dafür, dass diese Leute mir sagen, dass sie mich umbringen werden?
In der Tat benutzen Leute Religion immer für ihre eigenen persönlichen Vorstellungen. Es wurde einmal festgestellt: „ein Mann wird für die Religion zanken, für sie schreiben, für sie kämpfen, für sie sterben; alles außer für sie zu leben.“
Ich wünschte ich könnte mit Mrs. Petrey für einige Stunden sprechen, obwohl ich glaube, dass es nichts bringen würde. Sie hat sehr viel Ärger und ungewollte Gefühle in sich, die sie auf irgendjemand projezieren muss. Ich bin das einfachste Ziel. Wenn es ihr hilft damit klar zu kommen, ist es in Ordnung.
Ich möchte mich für eine Weile hinter die Mauern des Todestrakts begeben. Von der Zelle aus, in der ich mich befinde, kann ich den Hof und die Hälfte des Kontrollpostens sehen. Die Trakte sind als Achteck geformt mit einer Wand in der Mitte.
Ein Typ befand sich im Hof, der zuvor einen Herzanfall und eine Herz-OP hatte. Ich unterhielt mich mit einem Kumpel, der sich im Aufenthaltsraum befand. Ich schaute auf den Hof (er kann durch große Glasscheiben gesehen werden, so dass der Kontrollposten den ganzen Hof überblicken kann). Ich sah, dass der Typ sich an die Brust griff und sich nach vorne beugte.
Ich sagte zu dem Kerl im Aufenthaltsraum: “Hey, schau mal raus Kumpel. Versuch die Aufmerksamkeit des Kontrollpostens zu bekommen. Ole Cat sieht aus als ob er im Hof wieder einen Herzanfall hat.“
Nach ca. 2 Minuten schreien schaut sie schließlich nach draußen und befiehlt dann einem Beamten nach ihm zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt liegt er bereits am Boden!
Ein Seargent kommt und lässt die Beamten die Ärzte anrufen.
15 Minuten nachdem ich sah wie er sich an die Brust fasste, erscheinen endlich die Ärzte. Sie laufen rum und haben eine nette Zeit.
Die Beamten hatten ein Auge auf den Typ und redeten mit ihm. Wenn er also gestorben wäre, wären die einzig Schuldigen die Ärzte gewesen. Sie arbeiten für die UTMB (University of Texas Medical Branch in Galveston, Texas) (Anm. der Übersetzerin: Medizinische Universität in Galveston, Texas).
Die Beamten der TDCJ hielten die Bestimmungen ein, also kann man sie nicht beschuldigen. Es regte mich auf wie langsam die Ärzte liefen!
Ich weiß nicht, wie es dem Typ jetzt geht. Es sind etwa 5 ½ Stunden vergangen, seit er ging und er ist noch nicht zurückgekommen. Aber ich habe gehört, dass er lebt und er wieder gesund wird. Aber nicht dank der Ärzte!
Ich muss noch bemerken, dass die Qualität des Essens besser ist, seit eine neue Verwaltung für den Todestrakt der Polunsky Unit eingesetzt wurde! Das Essen hatte eine Zeit lang gestunken! Ich meine so stark, dass es mich dazu gebracht hätte zu würgen, wenn ich versucht hätte es zu essen!
Wir bekommen immer noch kein Steak, aber Gefängnis-Essen. Es ist viel besser geworden.
Captain Wickersham ist jetzt weg.
Seit er weg ist, haben sich die Dinge zum Großteil beruhigt. Das trifft auch auf Wärter Jones zu, der ein kompleter Idiot war.
Ich war im F-Trakt auf Stufe 3, als ich eines Tages mit ihm sprach. Mitten in der Unterhaltung sagte ich zu ihm: „Sie sind wirklich dümmer als sie aussehen, huh?“ Seine Antwort war: „Was bedeutet das?“
Ich sagte ihm: “Sie müssen dumm sein, wenn Sie denken, dass ich auf irgendetwas von dem Mist reinfalle über den Sie reden.“ (er warf mit harmlosen Drohungen um sich).
Dann lief er weg.

Ich sehe es folgendermaßen: Ich bin hier, um zu sterben. Ich erwarte wirklich voll und ganz zu sterben. Die Umgebung ist hier so erdrückend, dass der Tod mir als das geringere Übel erscheint, wenn ich ihn mit dem Leben in diesem Höllenloch vergleiche. Diese Leute können mir nichts antun das mir wirklich etwas ausmachen würde, außer mich umzubringen. Ich habe den Großteil meiner Zeit hier auf Stufe 2 und 3 verbracht. Das muss man durchgemacht haben, um mich überhaupt halb zu verstehen.
Ich glaube, dass niemand diesen Ort wirklich verstehen kann. Warum sie es tun, was sie tun und warum die Gerichte so blutdurstig sind.
Dennoch bin ich froh, dass sich schließlich jemand zu der bemerkenswerten Entscheidung durchgerungen hat, Captain Wickersham und Wärter Jones zu entlassen.
Nun, ich denke ich habe für heute genug abgedeckt. Ich werde für heute Schluss machen.
Clinton Young
#999447
Polunsky Unit
3872 F.M. 350 S.
Livingston, TX 77351

Ich habe vor kurzem Richards letzte Unzensiert-Berichte und einen Brief von Suzanne erhalten. Der Brief beinhaltet hasserfüllte e-mails von Beamten, die im TDCJ arbeiten.
Es sieht so aus, als ob die Schweine auch ihre Meinung loswerden wollen.
Nicht alle Beschäftigten der TDCJ sind Schweine! Ein Vollzugsbeamter macht seine Arbeit professionell und geht, nachdem er seine Schicht beendet hat, nach Hause zu seiner Familie. Er arbeitet nur, um seine Familie über die Runden zu bringen. Ich respektiere das!
Schweine sind die Mitarbeiter, die treibende Kräfte in der Mordmaschine darstellen. Sie nehmen den Mist persönlich und senden hasserfüllte e-mails und anderen feigen Mist. Sie wollen schlecht über Richard und seine Kumpel sprechen, mich eingeschlossen.
Richard war ein MANN! Er stand gerade für die Dinge, an die er glaubte. Er weigerte sich aufzugeben.
Ich habe eine gewisse „Veränderung“ im Verhalten einiger Beamten bemerkt, seit ich damit begonnen habe Berichte zu verfassen.
Ich möchte für mich eine Veränderung bewirken und ich mag Streit! Ich bin hier um zu sterben! Ich möchte keine lebenslange Haftstrafe. Das bedeutet also, dass nichts was ich hier mache irgendeinen Einfluss auf mich haben wird.
Ich kämpfe nur gegen meine Verurteilung! Aber wegen des „Gesetzes der Beteiligung“ habe ich nicht viel Hoffnung. Ich habe insoweit eine Chance, dass ich beweisen kann, dass ich niemand erschossen habe und ich kann beweisen, dass ich keinen fairen Prozess hatte! Aber ich werde fortfahren zu leben, als wenn ich sterben müsste.
Suzanne macht nur das, woran sie glaubt! Also warum sendet man ihr hasserfüllte e-mails? Komm rüber zu mir und erklär mir was du denkst! Erzähl denen, mit denen ich mich verbinde, was du denkst. Wir erzählen dir immer alles, richtig?
“Von Memmen und Männern!”
Menschen haben die Möglichkeit zu fliehen oder sich zu stellen, wenn sie sich bestimmte Situationen gegenüber sehen. Ich kann nicht schnell genug rennen!
Ich sage dies nur einmal zu dem Schwein, das kleine Spiele mit denen spielt, die versuchen mir zu helfen und mit anderen Verurteilten im Todestrakt. Wenn du spielen möchtest, wir können spielen. Aber das nächste Mal werden es nicht nur zwei Leute sein, die sich nicht mehr mögen! Die Verbindungen sind geknüpft und die Drohungen gegeben. Also wenn du dich an mir dafür rächen möchtest, dass ich diese Artikel verfasse oder wenn du Suzanne dafür belästigst, dass sie sie veröffentlicht, dann komm her und hol dir deinen Teil ab. Ich werde meinen bekommen.
Ich muss in diesem Stück Scheiße von verdammtem Höllenloch leben, für einen Scheiß, den ich nicht gemacht habe und von dem ich nie wusste, dass er passieren würde! Ich musste die Schreie meiner Mutter hören und sehen, wie sie von meinem Stiefvater und der Anwaltssekretärin zurückgehalten wurde, als ich die Todesstrafe erhielt. Ich musste an ihr vorbeilaufen, als ich aus dem Gerichtssaal geführt wurde und sehen, wie sie versuchte zu mir zu gehen, schreiend und weinend: „Nein, nicht mein Junge!“. Und ich musste den Ausdruck der Niederlage auf dem Gesicht der Person sehen, die so stark ist! Ich muss die Tränen auf ihrem Gesicht sehen, wenn sie mich nach einem Besuch verlässt. Das ist der Schmerz, der meine Wut anheizt. Ich muss nur eine Möglichkeit finden, sie loszuwerden. Kapiert ihr das?
Also, dies richtet sich an das Schwein, das gerne Spiele spielt: Wenn du mit deiner Frau und/oder deinen Kindern sprichst und sie dich fragen: „Daddy, was hast du heute gemacht?“ Oder „Schatz, wie war die Arbeit?“ möchte ich, dass du ehrlich bist und sagst „nun, ich ging zur Arbeit und spielte kleine kindische Spielchen mit einem Haufen Typen, die darauf warten in dem Staat zu sterben, der davon sprach, dass er sich nicht um Unschuldige kümmert und weiter mehr und mehr Leute umbringt. Und das alles nur, um den Kerlen ihre ganze Hoffnung zu nehmen; alles nur weil ich eine Uniform tragen darf und ca.
30.000$ im Jahr gezahlt bekomme, wenn ich Glück habe.“ Das macht nicht viel Sinn, stimmt’s?
Nein, macht es nicht. Ich werde meine Wut durch das Schreiben los. Lass es uns in Frieden regeln. Du lebst dein Leben, lass mich das leben, was von meinem noch übrig ist.
Ich bin es müde dabei zusehen zu müssen, wie Leute, die mir gute Freunde wurden, vom Staat umgebracht werden!
Der einzige Grund, weshalb ich nicht aufgebe zu kämpfen, sind meine Frau, meine Freunde, meine kleine Schwester und meine Mutter. Das war’s auch schon. Mein ganzes Leben war fast nichts außer Schmerz! Es scheint, als ob ich eine Gemeinheit erhalten habe! Wenn ich sie nicht hätte, würde ich mich einen Dreck darum kümmern, ob es so ausgeht, oder anders. Der Tod ist nur das nächste große Abenteuer!

Ich behandle die Leute mit Respekt und ich bitte sie darum mich ebenfalls so zu behandeln. Ich bin zur Zeit einfach nur wütend , aber mir sind einige Dinge klar geworden. Das zu lesen, was Richards Familie schrieb, gab mir eine Art Stoß und direkt nachdem ich das gelesen hatte, las ich über dumme Schweine, die hier arbeiten.
Da wurden mir einige Dinge klar! Richard bat mich darum ehrlich zu sein, also bin ich es auch. Mein Ärger kommt von Herzen. Jeden Tag wenn ich aufwache frage ich mich: „Warum versuche ich’s überhaupt? Warum sich nicht einfach ergeben?“ Wenn mich die Leute wie ein eingesperrtes Tier behandeln – warum sollte ich mich nicht wie eines verhalten?
Ich bin hier, um zu sterben. Diese Leute versuchen mich zu ermorden! Was würdet ihr machen, wenn euch jemand versuchen würde euch umzubringen?
Würdet ihr euch widersetzen oder euch unterwerfen? Ich neigte dazu zu glauben: „Na ja, die Wärter sind nicht die, die es letztendlich machen.“ Aber wenn sie so fühlen und wenn sie sich so verhalten, sind sie dann nicht genauso schuldig wie der Rest, der versucht mich umzubringen? Ja, sind sie!
Hinzu kommt noch, um das Ganze zu toppen, dass ich eine Sperre auf meinem Konto habe, die vom Gericht angeordnet wurde. So kann ich mir nicht mal Dinge zur Verpflegung kaufen!
Also habe ich keinerlei Grund anständig zu sein und/oder diesen dummen, unterdrückenden Regeln Folge zu leisten! Ich habe bereits zu meiner Frau gesagt: „Ich werde so lang chillen, wie sie es mir erlauben.“Ich liebe dieses Mädchen bis in den Tod! Sie sagte mir, dass sie mit mir durch dick und dünn gehen würde.
Ich werde zu verbittert. Ich muss ein paar Bücher anschauen um aus dieser Hölle, die ich mein zuhause nenne, zu flüchten. Ich bin weg.
Clinton Young
Polunsky Unit Todestrakt

 

Von Suzanne:
Am ersten Juni 2005 erhielt ich zum letzten Mal besagte Emails. Daher habe ich, wie versprochen, meine Anmerkung von Richs letztem Unzensiert-Bericht entfernt. Danke.
Dies hat Margherita an Irene geschrieben und wir dürfen es lesen:
Verona, Italien 1. Juni 2005
Liebste Irene,
Zwei Wochen sind seit diesen schrecklichen Tagen vergangen. Und nur eine Woche seit ich zurück in Italien bin. Heute habe ich wieder begonnen zu arbeiten. Aber die Ereignisse haben mein Leben verändert, für immer...
Am Tag vor meinem Abflug habe ich den letzten „Unzensiert“-Artikel von Richard Cartwright auf der Mailingliste gefunden. Ich habe ihn ausgedruckt und ich wollte dich wissen lassen, dass es meine Lektüre während des gesamten Fluges war! Und während ich las, kam der Schmerz in mir hoch. In der Tat habe ich so viel Schmerz und Leid in meinem Innersten erfahren müssen, aber es war mir nicht voll bewusst, aufgrund dieses kalten und grausamen Todesrituals. Jetzt geht es mir besser, da ich in der Lage bin meine Gefühle zuzulassen und dem Schmerz Raum zu lassen. Ich möchte ihn bis zum letzten Tropfen auskosten.
Ich habe meinen Seelenverwandten verloren. Bryan starb vor zwei Wochen auf diese unmenschliche Weise unter dem Kreuz in der Todeskammer.
In diesen schrecklichen Momenten, wie Richard schrieb, fingen mich Irenes Arme auf und ich fühlte mich wie in der Umarmung meiner Mutter. Danke Irene, ich bin dir dankbar für deinen mütterlichen Trost. Wir haben viele Stunden gemeinsam im Besuchsraum zugebracht und ich habe all deine Liebe und deine Unterstützung für mich und Bryans Familie gespürt, als wärst du meine eigene Mutter. Du hast an diesem Abend außerhalb der Walls Unit (Anmerkung der Übersetzerin: Gebäude in Huntsville, in dem die Hinrichtungen stattfinden) auf mich gewartet und hast, ohne deinem eigenen tiefen Schmerz Beachtung zu schenken, die Stärke gefunden meinen zu lindern... Auch möchte ich Layne und Diane danken und Richards Freunden, die ich in diesen Tagen traf. Danke an Irene Wilcox, die wirklich so freundlich zu mir war. Nicht nur in diesen Tagen, sondern auch während all meiner vorigen Besuche.
Ich werde Richard ewig dankbar sein für seine Berichte, da sie es mir ermöglichten Bryans letzte Momente zu erfassen, trotz der Tatsache, dass ich mich auf der anderen Seite des Besuchsraums befand.
Ich hoffe, dass all dies eines Tages aufhören wird. Vielleicht sind wir in diesem Moment alle zu müde um zu kämpfen, aber wir müssen es tun!
Ich werde weiterhin für euch alle und für alle Leute, die sich immer noch im Todestrakt befinden, beten.
Ich möchte allen meinen texanischen Freunden für ihre Liebe und ihre so starke Unterstützung danken... Alte und neue Freunde: Sie sind so zahlreich! Ihr seid alle tief in meinem Herzen, für immer!
Herzliche Grüße, Margherita
Bryan Wolfes Freundin

(zum Seitenanfang)

Unzensiert aus dem texanischen Todestrakt von Clinton Young

28. Mai bis 2. Juni 2005

Ich grüße alle!
Im letzten Unzensiert-Artikel, den ich schrieb, drehte es sich um so ziemlich alles. Ich wurde ein wenig ärgerlich, als ich herausfand, dass TDCJ Wärter hasserfüllte e-mails an Suzanne bezüglich Richard schickten. Die Hauptsache, die mich stocksauer werden ließ, war die Tatsache, dass dies zeigte, dass die Wärter ihren Job mit heim nehmen, was uns zeigt, dass sie der Ansicht sind, dass sie Texas helfen uns umzubringen! Das lässt die Sache also persönlich werden.
Vor einiger Zeit kam ich von einem Besuch zurück. Die weibliche Wärterin, die mich begleitete, fragte mich: „Warum hassen Sie uns alle?“
Ich antwortete ihr: „Zuerst einmal hassen nicht alle Insassen Sie alle. Einige denken auch, dass sie Beamte sind!“ Sie lachte wegen der Wahrheit meiner Aussage.
Ich sagte: “Aber so ist es ernsthaft. Wir sind hier um zu sterben. Wenn es Zeit wird in die Walls Unit (Anmerkung der Übersetzerin: Huntsville) zu gehen, um umgebracht zu werden und Ihr Vorgesetzter befiehlt ihnen dabei zu helfen mich in den Van zu setzen, werden Sie helfen.“
Ihre Antwort war: “Zunächst einmal befehlen sie mir nie dabei zu helfen und wenn sie es tun würden, würde ich es nicht machen. Ich arbeite nur hier.“
Ich sagte zu ihr: “Ich erinnere mich an Ihre Worte!”
In der Tat ist es das, worauf es ankommt. Die Beamten werden klein beigeben und sich unterstützen. Ihr Motto, nach dem die Meisten handeln, ist: „Wir passen auf uns selbst auf.“
Genauso sollten die Verurteilten nacheinander schauen und sich gegenseitig unterstützen. Traurigerweise ist dies nicht immer der Fall.
Es gab Zeiten in denen sich Beamte an einem Verurteilten gerächt haben, indem sie ihn schlugen, wenn dieser einen Beamten angegriffen hatte. Aber das geschah nicht immer und es ist selten, dass sich die Beamten auf diese Weise rächen.
Die meisten Menschen verstehen nicht, wie sich das Leben hinter diesen Mauern abspielt. Im Gefängnis gilt der Grundsatz, dass „nur die Starken überleben“. Sogar einige Beamte gehören zu Anhängern dieser Ideologie.
Einige Leute verstehen nicht, warum ich, Richard und einige andere uns von der „guten“ Pfefferspray-Einheit einsprühen lassen und uns von ihnen umrennen lassen. Ich meine sie haben einen Schild und Schutzanzüge, Helme und Polster! Es ist also nicht so, dass die Beamten so stark verletzt werden können. Es ist ein Zeichen des Widerstandes und auch ein Zeichen, dass wir die sinnlose Unterdrückung nicht akzeptieren werden.
Einer der Kerle hier fragte mich: “ Mann, warum machst du den verrückten Mist?” Das war, als ich viermal mit Pfefferspray eingesprüht worden war, mit einer Menge von insgesamt ½ Kilogramm.
Meine Antwort war: „Nun ja, ich kann nicht Fallschirmspringen oder Bungee-jumpen!“ Um mal den Witz beiseite zu lassen: Es ist keinen Pfifferling wert! Es gibt eine große Chance, dass der Gefangene verletzt wird. Es gibt einen Metall-Schreibtisch, eine Metall-Liege und die Toilette. Dazu kommt, dass im Durchschnitt 2358 kg Männer auf eine Person losgehen. Wenn also eine Person von diesem Gewicht gegen einen metallenen Schreibtisch gedrückt wird, kann das in ernsten Verletzungen enden!
Das bedeutet, dass wir keine Angst haben uns in Extreme zu begeben, um für etwas zu kämpfen und dass wir keine Angst davor haben uns zu widersetzen. Zum Teufel, mein biologischer Vater schlug für gewöhnlich mit Brettern auf mich ein. Also habe ich verdammt gewiss keine Angst davor geschlagen oder mit Pfefferspray eingesprüht zu werden. Ich behandle andere so wie sie mich behandeln.
Es gibt hier eine Menge schwachsinniger Regelungen. Eine davon ist, dass das Gesicht rasiert sein muss. Meine Meinung ist, dass ich hier bin, um zu sterben. Warum zur Hölle machen sie sich über meine Rasur Gedanken?!
Sie sagen aus Sicherheitsgründen! Ha! Der wirkliche Grund ist, dass sie die absolute Kontrolle behalten wollen.
In anderen Todestrakten der USA dürfen die Verurteilten ihre Haare und Bärte wachsen lassen. Einige andere Todestraktinsassen haben die Erlaubnis Kontaktbesuche von ihren Geliebten zu bekommen.
Texas hat den einzigen Todestrakt der Vereinigten Staaten, der über keinen Fernseher verfügt.
Wir können ein Radio haben. Wir hatten viele Problem mit dem Empfang, so dass Major Nelson die Antennen befestigen ließ, und lauter solche netten Dinge.
Ich habe den Großteil meiner Zeit auf Stufe 2 und 3 verbracht, so dass ich fast nie ein Radio hatte. Nur Stufe 1 hat die Erlaubnis ein Radio zu bekommen. So war mir der Empfang nicht sonderlich wichtig. Ich habe es hauptsächlich nur deshalb erwähnt, weil ich Major Nelson dafür danken wollte, dass er die Antennen für die befestigen ließ, die Wert darauf legen, Radio hören zu können.
Wenn ich sie auch fertig mache, wenn sie etwas falsch machen, so lobe ich sie doch, wenn sie etwas richtig machen!
Ich möchte mich vom Gefängnisleben verabschieden und über einige andere Dinge schreiben, die für mich interessant sind, so dass mich die Leser ein bisschen besser kennenlernen können.
Ich erhalte National Geographic und das Smithsonian Magazine. Die Juni-Ausgabe beider Zeitschriften hatte Tut-Anch-Amun, den früheren Pharao von Ägypten, auf der Titelseite. Die Reportage berichtet darüber, dass sie eine CT von seinem gesamten Körper machten. Sie konstruierten dann ein Modell wie er ausgesehen hat, indem sie die Daten der CT nutzten.
Die Leser können auf http://www.nationalgeographic.com/ngm/0506/feature1/index.html Tut-Anch-Amuns Grab und das Modell, das sie aus der Leiche erschaffen haben, ansehen. Ich weiß nicht, was ihr darüber denkt, aber ich finde das ist ziemlich cool. Ich meine, man kann das Gesicht eines Mannes ansehen, der vor 3.300 Jahren lebte! Das ist eindrucksvoll.
Ich habe mich schon immer für Geschichte und Wissenschaft interessiert. Die Art in der die Gräber und Pyramiden gebaut wurden ist echt faszinierend. Ich wünschte jemand würde sich all die Muehe mit mir machen, wenn ich sterbe!
Ich werde es für heute dabei belassen.

29. Mai 2005
Nun, ich bin wieder zurück. Es ist 3.13 Uhr und der Frühstückswagen wurde gerade in den Trakt geschoben. Ich frage mich, was es wohl heute für uns gibt. Höchstwahrscheinlich Pfannkuchen. Es gibt 4-5mal pro Woche Pfannkuchen! Sie werden ziemlich schnell ziemlich alt!
Wie auch immer, ich habe gerade einen Artikel noch einmal gelesen, der sich in der Ausgabe der USA Today vom 26. Mai 2005 befindet. Auf Seite 4 befindet sich ein Bericht über Priscilla Owens, die Richterin des Supreme Courts von Texas, die beim US Berufungsgericht für den 5. Gerichtsbezirk zuständig ist, der bekannt dafür ist, sehr streng mit der Todesstrafe zu sein.
Der 5. Gerichtsbezirk bekommt Fälle aus Texas, Louisiana und Mississippi. Der Oberste Gerichtshof der USA hat viele der Entscheidungen des 5. Gerichtsbezirks in Mordfällen aufgehoben und festgestellt, dass der 5. Gerichtsbezirk unvorschriftsmäßig handelt.
Seit George W. Bush sie ernannt hat, wurde der 5. Gerichtsbezirk noch viel schlechter! Der Fakt, dass sie durch Bush nominiert wurde, spricht schon ziemlich stark für sich... Obwohl sie über keinen Mordfall entscheidet (dafür gibt es ein anderes Gericht in Texas – der Court of Criminal Appeals (Anmerkung der Übersetzerin: Berufungsgericht für Mordfälle)). Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm...
Ich weiß, dass Richard jede Woche einen Artikel veröffentlicht hat. Mein Fall befindet sich zur Zeit bei den Staatsgerichten. Noch wurde nichts darüber entschieden. Also gibt es nicht soviel zu Schreiben, ohne dass ich mich wiederhole. Ich werde meine Berichte alle zwei Wochen veröffentlichen, aber ich habe auch einige andere Leute, die Artikel veröffentlichen, so dass sie wöchentlich erscheinen werden!
Nun, sie haben gerade das Frühstück serviert und wie vermutet waren es Pfannkuchen! Wir bekommen 3 Pfannkuchen auf einmal und im Durchschnitt 4 mal pro Woche. Also insgesamt 12 Pfannkuchen in der Woche. Das macht 624 Pfannkuchen im Jahr. Da ich seit 2 Jahren und sechs Wochen hier bin bedeutet das, dass ich im Durchschnitt 1.320 Pfannkuchen gegessen habe, seit ich mich im Todestrakt befinde! Ich habe genug von komischen Pfannkuchen. Hoffentlich gibt es zum Mittagessen etwas anderes.
Aufgrund von Budget-Kürzungen bekommen wir nur zweimal in der Woche einen Nachtisch. Es ist die Entscheidung des Gefängniswärters wann diese zwei Tage sind. Wir bekommen den Nachtisch am Samstag und Sonntag.
Ich habe für einige Tage aufgehört zu schreiben.
Es ist jetzt der 2. Juni 2005. Ich bin auf Stufe 1! Nichts um sich darüber zu freuen. Ich bin nur zurück auf Stufe 1, damit ich meine Frau öfter sehen kann und um einige Besuche von Leuten zu bekommen, die mir helfen möchten dem Todestrakt zu entkommen.
Nach einigen Zeitungsartikeln scheint es, als ob Texas eine gute Chance hat lebenslang ohne Aussicht auf Begnadigung als eine Möglichkeit für die Geschworenen zu bekommen. Ich bin mir sicher, dass dies die Anzahl der durchschnittlichen Todesstrafen in Texas drastisch reduzieren wird. Ein Schritt in Richtung Verbesserung.
Ich muss noch einige Briefe abschicken. Ich werde jetzt Schluss machen. Fahrt fort damit den guten Kampf zu führen.
Steht gerade, lasst nie nach und gebt nie auf.
Clinton Young
#999447
Polunsky Unit
3872 FM 350 S.
Livingston, TX 77351
USA
Sie können Clinton Young unter chaos@1prison.com auf englisch und unter Patricia_Krause@freenet.de auf deutsch mailen. Achten Sie darauf Ihre Anschrift zu nennen, wenn Sie eine direkte Antwort erhalten möchten, da die Insassen keinen Zugang zum Internet haben.

(zum Seitenanfang)

 

Unzensiert aus dem texanischen Todestrakt von Clinton Young

10. Juni bis 12. Juni 2005


Ich grüße alle! Es ist der 10. Juni 2005.
Ich muss sagen, dass es hier unten in Süd-Ost Texas ganz schön heiß ist. Wir beginnen uns in diesen Käfigen, die wir unsere Heimat nennen, wirklich wie in der Hölle zu FÜHLEN. Die Sonne sticht auf die hintere Wand meiner Zelle. Während ich das hier schreibe, kann ich also die Hitze spüren, die von der Wand abstrahlt.
Ich bin froh, dass ich wenigstens einen Ventilator habe. Ich bin jetzt seit einer Woche auf Stufe 1. Ein paar Verurteilte, mit denen ich mich verbündet habe, sagen, dass ich einen neuen Rekord für mich gebrochen habe :) Ha! Normal bleibe ich nicht lange auf Stufe 1.
Ich habe einen Besuch von meiner Frau am Montag, den 6. Juni 2005 bekommen. Ich hatte 13 Tage keinen Brief mehr von ihr bekommen. Das hat mich gestresst!!! Ich hätte damit umgehen können, wenn sie mich wegen jemand anderem verlassen hätte, so lange sie glücklich ist. Aber ich hätte nicht damit umgehen können, wenn ihr etwas passiert wäre. Das ist einer meiner größten Ängste. Nun noch mehr, da ich mich gut mit ihrer Tochter verstehe. Es macht das Leben im Todestrakt wegen der Emotionen noch viel schwerer, aber ich würde sie gegen nichts in der Welt austauschen.
Ich konnte auch einen meiner engsten Freunde sehen, der sich mit mir im Todestrakt befindet. Einer der wenigen Leute, die ich wirklich einen Freund nennen würde. Nun ja, er ist mehr wie ein Bruder. Er ist in einem anderen Trakt als ich untergebracht. So war ich froh ihn auch zu sehen.
Um zu zeigen wie klein die Welt ist: Die Person, die kam um ihn zu besuchen, war mit dem Cousin meiner Frau verheiratet! Diese Welt ist zu klein.
Nun ja, genug darüber.
Ich habe einige Leute, mit denen ich mich gut verstehe Richards Artikel lesen lassen, sowie auch einige, die ich nicht wirklich kenne und die Leute denen ich schreibe. Ich war ziemlich überrascht über die emotionalen Auswirkungen, die sie auf sie hatten. Einer der Jungs kannte Richard nicht einmal. Ich hoffe, dass niemand von mir verlangt auf Richards Niveau zu schreiben. Denn er hatte die Fähigkeit bescheiden zu sein und machte in den letzten paar Monaten seit er hier war etwas durch, das keiner verstehen kann, der es nicht selbst durchgemacht hat. Ich möchte das nicht mitmachen müssen.
Es gibt noch etwas zu berichten: Alexander Martinez wurde hingerichtet. Er hat seine Berufung niedergelegt. Also beging er eigentlich Selbstmord. Ich kannte ihn. Nicht allzu gut, aber wir hatten uns einige Male unterhalten.
Für diejenigen, die meine letzten Artikel nicht gelesen haben, als Richard noch diese Berichte schrieb: ich erzählte über die Selbstmorde hier und dass ich eigentlich jede Person kannte, die sich selbst umgebracht hat, indem sie sich erhängte oder die Berufung aufgab.
Ich könnte nie so handeln. Ich kämpfe innerlich zu sehr.
Zunächst machte es mich irgendwie irre, dass sich Menschen so aufgeben können. Aber nachdem ich seit 2 Jahren hier bin, kann ich das voll und ganz verstehen und bin ziemlich überrascht, dass nicht mehr so handeln.
Das Thema Selbstmord bringt mich auf ein anderes Ereignis. Die Kräfte, die hier im Polunsky Todestrakt arbeiten, haben die Hantel aus dem Hof entfernt. Es war eine Hantel mit einem angeschweißten Gewicht auf jeder Seite. Die Hantel befand sich zwischen zwei Schienen, so dass man sie nicht herausnehmen konnte. Nicht viele nutzten die Hantel, da es schwierig war sie zu benutzen, was daher rührte, dass man sich auf den Boden setzen musste und sie sich so nahe an der Wand befand, was es erschwerte sie zu nutzen. Nun ja, nichtsdestotrotz wurde sie aus jedem Hof entfernt. Der Grund dafür, der mir zu Ohren kam, ist die Vorbeugung von Selbstmorden. Ich habe das von einer guten Quelle und es hört sich wie eine dumme Erklärung ab, die dieser Ort geben würde, um etwas wegzunehmen. Ich glaube kaum, dass sich hier irgendjemand umbringen würde, indem er sich ein Gewicht auf den Kopf fallen lässt! Der Grund ist nur, dass sie uns wieder etwas wegnehmen wollten. Das ist alles was sie machen: immer mehr Dinge entfernen.

Ich denke mal, dass sie sich seitdem sie die Antennen für die Radios befestigt haben überlegten, was sie uns dafür wegnehmen könnten.
Sie haben offiziell pornographisches Material verboten, was nicht gut ausgehen wird. Die Vergewaltigungsrate in texanischen Gefängnissen ist bereits hoch. Es wird nur schlimmer werden, da es anscheinend eine Menge Leute ohne Selbstkontrolle gibt. Es gibt eine große Anzahl von Menschen mit lebenslanger Haftstrafe in Texas. Sie haben eigentlich nichts zu verlieren. Das TDCJ macht immer alles auf die härteste und dümmste Weise. Ich tippe mal, dass sie ihre Lösungen auf alles anwenden werden und einfach jeden in eine Isolier-Zelle stecken.
Da ich gerade von Isolier-Zellen spreche, es gab einen guten und langen Artikel über die Unterbringung in Isolier-Zellen in Texas in der USA Today. Er kann in der Zeitung vom 9. Juni 2005 gefunden werden und kann online gelesen werden.
Texas gibt im Grunde genommen zu, dass sie wissen, dass diese Zellen die Menschen verrückt machen und es ihnen erschwert sich nach der Entlassung zurechtzufinden. Aber sie sagen das sei die einfachste Lösung gegen die Gang-Gewalt.
Nun, lasst uns mal darüber nachdenken. Man nimmt ein verärgertes Gang-Mitglied, das bereits Hass in sich hat und sperrt ihn für mehrere Jahre in eine kleine Zelle. Auf diese Weise wird er zu einem verrückten und verärgerten Gang-Mitglied und dann wirft man ihn aus dem Gefängnis in die freie Welt und er muss damit klar kommen. Und wie ich bereits in einem meiner vorigen Artikeln geschrieben habe, die psychologischen Programme in Texas sind keinen Pfifferling wert! Also ist dieses verrückte und verärgerte Gang-Mitglied nun in der Lage frei in den Straßen umherzulaufen und sich Waffen zu besorgen um andere verrückte und verärgerte Gang-Mitglieder zu erschießen, oder wer ihm auch immer sonst im Weg stehen könnte.
Ich war für mehr als 2 ½ Jahre in einem äußerst gewalttätigen Jugendknast untergebracht. Dann haben sie mich einfach gehen lassen. Ich hatte immer noch ein Sicherheitsrisiko von 25, was das höchste war, das es dort gab. Ich bekam Medikamente während ich dort war und dazu kam, dass meine Drogensucht nie Thema war. Als ich rauskam dachte ich, ich könnte damit klar kommen. Aber als die Zeit voranschritt, überforderte mich der Stress. Kleinigkeiten machten mich so wütend, dass ich begann zu weinen! Ich hörte auf meine Medikamente zu nehmen und begann mich selbst zu medizieren – mit dem guten alten Monster Methamphetamin. Ich verwandelte mich in meinen eigenen schlimmsten Feind. Als der Vorfall geschah, der mich in den Todestrakt brachte, plante ich gerade mein Leben zurück in geregelte Bahnen zu lenken. Ich hatte einen Termin ausgemacht, um mich 2 Tage nach meiner Verhaftung einem Mann von der ARMY vorzustellen. Ich habe mich einfach nur auf eine Fahrt begeben, auf die ich lieber verzichtet hätte. Das Verrückte an meinem Fall ist, dass ich zwei der Leute, die Mitangeklagte in meinem Fall sind, die eigentlichen Mörder, nicht einmal mochte und mich mit einem sogar gestritten habe.
Das Erste das mich jeder fragte, der uns alle kannte, war: „Was zur Hölle hast du mit denen gemacht?“ Ich konnte nur antworten: „Wenn ich das nur wüsste.“
Viele Leute haben vielleicht wahrgenommen, dass der Methamphetamin-Konsum in den Vereinigten Staaten angestiegen ist. Es gibt in der Ausgabe der USA Today vom 9. Juni 2005 einen Artikel über Methamphetamin und darüber wie Präsident George W. Bush gerade die öffentlichen Gelder für die Stellen kürzt, die sich hauptsächlich um Methamphetamin und große Drogendealer kümmern. Macht nicht viel Sinn, was? Methamphetamin macht schnell abhängig und verbreitet sich wie eine Feuerfront in den gesamten Vereinigten Staaten, was mehr Gewalt und Verbrechen endet. Aber Präsident Bush möchte die Zuschüsse kürzen, die den Leuten zukommen, die dagegen kämpfen. Er möchte Leuten, die krank sind, erzählen, dass sie kein Gras rauchen dürfen, um ihren Schmerz zu lindern und geißelt Kiffer, aber er kürzt die Zuschüsse, die dazu dienen würden eine Droge zu bekämpfen, die Leute äußerst gewalttätig und paranoid macht.
Und ratet mal, wer den größten Teil des Handels mit Methamphetamin hier in Texas kontrolliert? Diese guten alten verrückten und verärgerten Gang-Mitglieder, die aus ihren Käfigen nach Hause geschickt werden. Also haben wir jetzt eine Menge paranoider, verärgerter Gang-Mitglieder, die den Speed-Handel organisieren. Aber zur Hölle mit ihnen, wir müssen all die gemeinen Kiffer einsperren, die dort draußen rumlaufen. Vielleicht könnten wir sie in Käfige sperren, so dass sie auch verärgerte und verrückte Gang-Mitglieder werden können.
Gott beschütze Amerika!
Nun, genug von diesem Thema. Ich habe in einem meiner letzten Artikel geschrieben, dass das Essen um einiges besser geworden ist. Nun, ich vermute, dass ich mich wohl zu früh gefreut habe. Vor kurzem haben wir einigen Mist bekommen! Ich beginne damit alles aufzuschreiben was wir bekommen, so dass sich die Leser ein Bild davon machen können.

Es gab einen Fall, der vor kurzem in den Nachrichten war. Ein Mann hier in Texas wurd in zwei Punkten des Mordes für schuldig gesprochen und ihm wurden zwei lebenslange Haftstrafen erteilt, da er das Kind seiner Freundin abgetrieben hatte. Sie hatte ihm geholfen und ihn VOLL ermutigt es zu tun. Und ratet mal was: Ihr konnte kein Verbrechen zur Last gelegt werden, da sie ein Recht auf eine Abtreibung hat. Aber ihr Freund muss den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen. Das gute alte texanische Justizsystem! In der Tat hat er es auf echt üble Weise gemacht. Er ist auf ihren Bauch gesprungen. Es macht keinen Sinn, dass er verurteilt wurde und sie keine Strafe erhält. SIE MÜSSEN IMMER JEMANDEN ERWISCHEN!!!!!!!!!!!! Das ist alles, das zählt.
Nun jeder hat seine eigene Meinung wenn es um Abtreibung geht. Ich persönlich bin ein Abtreibungsgegner und habe noch nie jemand ermutigt es zu tun. Aber wer bin ich, wenn ich einer Frau sage was sie mit ihrem Bauch tun soll? Ich denke dass es krank war, wie sie die Abtreibung vorgenommen haben. Alles was sie hätten tun müssen wäre einen Arzt aufzusuchen oder das Kind zu bekommen und es zur Adoption freizugeben.
Es ist ein schwieriges Thema mit dem ich jetzt abschließen werde!
Nun, ich werde für heute mit dem Schreiben aufhören.
Es ist der 12. Juni 2005.
Ich habe all meine Papierstapel durchgesehen und bin auf einen alten Artikel gestoßen, den ich aus einer Zeitung ausgeschnitten habe. Er war in der Zeitung vom Samstag, dem 21. Mai 2005. Der Artikel ist aus Indiana. Ich bin mir sicher, dass er online auf der San Antonio Express-News Webseite unter der Abteilung „Nation“ gelesen werden kann.
Wie auch immer, dieser Artikel handelte von einem kleinen Mädchen, das in Indiana umgebracht wurde. Die Überschrift lautet: „Neuer Verdächtiger im Mordfall des Mädchens aus Indiana belastet“. Nun das Interessante an diesem Artikel ist, dass es Tatsache ist, dass der Mann die Tat zugegeben hat und dass die Polizei herausgefunden  hat, dass er zu 100% überhaupt nichts mit dem Verbrechen zu tun hatte! Sie haben einen DNA-Test durchgeführt und festgestellt, dass ein anderer Mann für den Fall verantwortlich ist. Die Polizei sagte, dass sie nicht verstehen konnte, warum der Mann sich schuldig bekannte.
Dies passiert in der Tat häufig. Es gab über 170 Leute, die absolut unschuldig eines Verbrechens waren, dass sie zugegeben hatten! Einige dieser Leute waren im Todestrakt. Es geschieht häufig bei Verdächtigen, die geistig zurückgeblieben sind. Die meisten Leute, die geistig zurückgeblieben sind, sind darauf erpicht anderen zu gefallen, also werden sie ihre Schuld  bei der Polizei eingestehen, da sie glauben, dass sie das Richtige machen. Hinzu kommt, dass die Polizei sie austrickst indem sie ihnen den größten Mist erzählt: „Wenn du es einfach zugibst und das hier unterschreibst, werden wir dir helfen.“ Ja, hilf dabei deinen Arsch zu braten!!!!
Hier ist ein Typ, der einen echt üblen Fall hat. Er hat das Verbrechen gestanden, durch das er hier herkam. Das einzige Problem ist, dass die Person, die den Mord tatsächlich begangen hat ebenfalls gestanden hat und dafür auch im Gefängnis sitzt. Es gibt keinen Beweis, der ihn in Verbindung mit dem Verbrechen bringt, außer seinem Geständnis. Dies wäre unter normalen Umständen zu akzeptieren, aber dieser Typ ist geistig zurückgeblieben! Er sagte, dass die Polizisten ihn in den Arsch getreten hätten und ihm erzählt hätten, dass sie ihn gehen lassen würden, wenn er ihnen hilft. Er hat jetzt Leute, die versuchen ihm zu helfen, also wird Texas hoffentlich  nicht dazu kommen ihn umzubringen.
Nun zu anderen Neuigkeiten. Wir hatten diese Woche 5mal Pfannkuchen! Es ist jetzt soweit, dass ich Magenkrämpfe bekomme, wenn ich einen Pfannkuchen sehe.
Am letzten Donnerstag bin ich zum Hofgang gegangen. Es gibt eine Menge Vogelnester überhalb der Gitter, die als Dach des Hofes dienen. Es ist also überflüssig zu erwähnen, dass überall auf dem Hof Vogelscheiße liegt und auf dem Trinkbrunnen landet, der sich dort draußen befindet!
Eigentlich sind sie dazu verpflichtet, den Hof jede Woche mit einem Hochdruckstrahler zu säubern, der sich unter dem Kontrollturm befindet. Sie müssen den Trinkbrunnen und die Toilette jeden Tag säubern.
Ich unterhielt mich mit einem meiner Nachbarn darüber wie dreckig der Hof ist. Er sagte, dass sie ihn noch nie gesäubert hätten, seit er in diesen Trakt verlegt wurde. Nun, mit der ganzen Vogelscheiße auf dem Hof stellt es ein Gesundheitsrisiko dar, da Vögel viele Krankheiten und Ungeziefer mit sich herumtragen. Ich werde einen I-60 einbringen, um darum zu bitten, dass der Hof so gereinigt wird, wie es vorgesehen ist. Ich werde ihn am 13. einreichen. Wir werden sehen, wie lange es dauern wird, bis er sauber gemacht wird. Ich meine, es hat nur einen Tag gebraucht, um alle Hanteln zu entfernen, so dass wir sie nicht mehr nutzen konnten, also sollte es auch nur einen Tag brauchen, um den verdammten Hof zu säubern.
Ich habe mich auch mit jemandem unterhalten, der sich im Trakt befand, als ich das letzte Mal mit Pfefferspray vollgesprüht wurde. Er erzählte mir, dass sie den Hof sogar noch nie sauber gemacht hätten!
Noch etwas, das zeigt, wie rückständig diese Menschen sind. Vor einiger Zeit verteilte die Krankenhaus-Abteilung Zettel, auf denen stand, dass Fußpilz ein großes Problem in der Polunsky Unit ist. Also wissen sie, dass es ein Problem darstellt! Das einzige Problem ist, dass sie zwar von dem Problem wissen, aber nichts tun um es zu beseitigen, außer einen Zettel zu verteilen, auf dem nur steht, was schon jeder weiß. Nun das Verrückte daran ist die Tatsache, dass das Gefängnis keine Duschschuhe verteilt. Also wenn die Person kein Geld hat, um sich Duschschuhe zu kaufen, dann muss sie barfuß duschen! Was dafür sorgen wird, dass die Person Fußpilz bekommt!
Das Gefängnis verteilt kein Deo. Es muss gekauft werden. Sie verteilen auch kein Shampoo. Sie geben uns nur ein kleines Stück Seife und einen Puder in der Woche. Sie geben uns auch einen Beutel Scheuermittel. Sie geben uns davon einen in der Woche. Das ist das einzige Hygiene-Material, das das Gefängnis ausgibt.
Wenn ein Verurteilter mit mehr als 5 Stück Staats-Seife erwischt wird, kann er ein Disziplinar-Verfahren angehängt bekommen! Und die Leute wundern sich, warum die Infektionen mit Staphylokokken so außer Kontrolle geraten, genauso wie die Infektionen mit Hepatitis C. Das TDCJ bekommt eine Menge Geld. Ich weiß nicht, wo sie es alles hinstecken, aber es geht verdammt sicher nicht uns zu!
Zum Eigentum des Gefängnisses zählt ein Haus. Es ist für den Leiter der Institution. Es wurde mit dem Geld der texanischen Steuerzahler gebaut. Es ist ein nettes Häuschen! Seit ich hier bin, hat noch nicht eine Person darin gewohnt!! Also wurden die Steuergelder alle verschwendet.

Wir können samstags nicht mal Post bekommen, nicht einmal die Briefe von unseren Anwälten, aber das TDCJ hat Häuser für 80.000$, die einfach leer stehen. Sie haben wegen Budget-Kürzungen aufgehört uns samstags Post zu verteilen! Der Direktor des TDCJ verdient sicher mehr als 100.000$ im Jahr. Ich denke so um die 140.000$. Die Beamten, die die eigentliche Arbeit machen, erhalten nur ca. 1.500$ im Monat, aber wir bekommen nicht mal unsere Briefe am Samstag! Sie haben einige Angestellte der Post-Abteilung außer Dienst gestellt. Es wird sich nicht verbessern.
Karen, ich habe deine e-mail bekommen. Danke. Ich werde versuchen das Beste zu erreichen, das ich kann, aber ich werde nie in der Lage sein Richards Niveau zu erreichen. Hoffentlich können wir das mit einigen Ideen, die ich habe, noch vergrößern. Wenn Suzanne es schafft mit meinem spastischen Schreibstil und meinen militanten Gedanken zurechtzukommen. : )
Wir müssen alle noch mehr Leute zusammen bekommen, um diesen Kampf gegen die Mordmaschine zu kämpfen.
Es ist jetzt 5.50 Uhr, ich werde jetzt also mit dem Schreiben aufhören.
Nutzt den Schmerz, um das Feuer anzufachen.
Steht gerade, lasst nie nach und gebt nie auf.
Clinton Young
#999447
Polunsky Unit Death Camp
3872 FM 350 S.
Livingston, TX 77351
USA

Von Robert Shields #999166
„7. Juni, der neunte Mordtag des Jahres 2005
8.15 Uhr
Alexander Martinez geht, um den letzten 4-stündigen Besuch mit seinen Geliebten zu verbringen.
11.58 Uhr
Der Todeswagen kommt an.
12 Uhr
Alexander erscheint nach seinem Besuch, von nur 3 Männern begleitet. Nicht einmal ein Vorgesetzter in Sicht. Er geht rüber zu Gebäude 12.
12.03 Uhr
Der erste Aufseher erscheint und beginnt mit dem Hände schütteln.
12.05 Uhr
Ein anderer Aufseher taucht plötzlich mit einigen weiteren silbernen Autos auf.
12.07 Uhr
Sergeant Thompson bringt Alexanders Eigentum und Sachen heraus und stopft alles respektlos in den Wagen.
12.08 Uhr
Aufseher Jones, der nicht einmal mehr in dieser Einrichtung arbeitet, erscheint. Die grau angezogenen Sensenmänner haben sich so schnell vermehrt - es ist erstaunlich. Jetzt sieht es langsam so aus, wie die Show, die es ist. Sergeants, Lieutenants, Captains und Aufseher, oh Gott!
12.12 Uhr
Alexander kommt gefesselt aus Gebäude 12 und klettert in den Wagen. Er wirft einen Blick über das Dach und wirft uns allen an den Fenstern ein Riesen-Lächeln zu, dann schaut er über seine Schulter zurück, um allen, die um ihn herumstehen, zuzulächeln!
12.14 Uhr
Der Todeswagen fährt davon und die Hand-Schüttler zerstreuen sich sofort.
Bevor ich hierherkam und Alexander traf, hätte ich nie ergründen können, warum jemand freiwillig sterben will. Es machte mich stocksauer, da ich kratzte und biss, um am Leben zu bleiben und einige Typen ihr Leben einfach aufgeben.
Es war als wollte ich sagen: Hey, gebt mir die Jahre, die ihr einfach wegwerft. Aber so funktioniert’s eben nicht.
Nachdem ich Alexander getroffen und mit ihm gesprochen hatte, kam ich zu einer anderen Ansicht. Ich war immer noch nicht damit einverstanden, dass man dem Staat dabei hilft einen umzubringen, aber ich konnte zumindest verstehen, warum er so handelte.
Etwas, wovon ich nie dachte, dass ich es verstehen könnte. Es ist seine Entscheidung warum und weshalb er so handelte, aber größtenteils beruhte seine Entscheidung darauf, dass er mehr als sein halbes Leben in dieser Fünf-Sterne-Unterkunft zugebracht hatte, die uns das TDCJ zur Verfügung stellt, und er einfach genug davon hatte.
Für einen 30-jährigen Mann bedeutet das eine Menge Staatsessen. Es ist eigentlich wie bei jemandem, der todkrank ist. Sie wissen, dass sie sterben müssen und möchten einfach nicht mehr leiden. Wo Krankenhäuser Medikamente und moderne Technologie anwenden, um dein Leben zu verlängern, benutzt Texas die Farce eines Rechtssystems. Es unterscheidet sich eigentlich nicht so sehr. Es braucht Überlebenswillen, um fortzufahren einen eigentlich schon verlorenen Kampf zu führen, aber es braucht eine Menge Mut, um sich damit abzufinden.
Ich kannte ihn nicht sehr lange, aber er war ein Mann, der zu seinen Überzeugungen stand und der sehr echt war, mit einem sehr großen Herzen.

Ich weiß, dass er von vielen sehr vermisst werden wird und hoffe, dass sie es schaffen ihre Köpfe nicht hängen zu lassen und nicht aufgeben zu kämpfen. Ruhe in Frieden, Alexander Martinez.“

Die letzten Worte
Von: Alexander Martinez
Texanischer Todestrakt
“Ich wollte über einige Dinge sprechen, da ich über vieles nachdenken muss und ich, wie jeder weiß, dieser Hinrichtung zustimmte. Ich habe dem Staat zugestimmt mir das Leben zu nehmen. Ich verlange von niemandem mich zu bemitleiden oder dass jemand versucht mich zu retten, denn ich habe bemerkt, dass sich viele von euch so fühlen, dass es ihre Pflicht ist sich einzumischen und zu versuchen die Entscheidung eines Mannes zu ändern... seine Entscheidung zu sterben.
Zuerst möchte ich denen danken, die mir ihre Freundschaft angeboten haben und nicht nur versuchen meine Meinung zu ihrem eigenen Vorteil zu ändern. Ich weiß, dass einige nicht akzeptieren konnten wer ich war und auch die Art, wie ich mit Dingen umging, meine Art so forsch zu sein. Ich konnte mich nicht anders verhalten und ich möchte nicht, dass ihr denkt, dass es euer Fehler war dass eine Freundschaft verpasst wurde, denn es war nicht euer Fehler. Ich möchte mich nur mit jenen umgeben, die so denken wie ich und nicht jeder denkt wie ich. Wir sind alle auf unsere eigene Weise einzigartig.
Am meisten möchte ich allen danken, die zu ihren Worten, ihren Gedanken und Taten standen. Ich muss euch hier nicht nennen, da ihr wisst wer gemeint ist und was ihr mir bedeutet habt. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich euch getroffen habe und ich glaube, dass ich nie in meinem Leben jemanden wie euch getroffen hätte, wenn ich nicht hier wäre. Ich liebe euch sehr und hoffe, dass ihr nach meiner Entscheidung eure Freundschaft anderen anbietet, die sich in denselben Umständen wie ich befinden. Wie ich bereits zuvor sagte, ich werde nie sterben, so lange ihr mich in euren Herzen habt, das ist der Ort, an dem ich immer leben werde und wenn ihr mit anderen teilt, was ihr in eurem Herzen tragt, wird ein Teil von mir dadurch weiterleben und was ich von euch in meinem Herzen trage, wird während meiner Reise durch dieses Universum, auf meiner Heimreise, weiterleben... das endet nie.
Ich habe es nie bereut, dass ich verheiratet war, denn sie ist eine wundervolle Frau, die mich geistig unterstützt hat, indem sie mich verstand und andere Perspektiven sah. Wenn sie nicht gewesen wäre, wäre ich psychisch schlecht dran gewesen. Ich muss zugeben, dass ich sehr glücklich bin, dass ich sie in meinem Leben habe!!! Sie wusste über alles Bescheid, das ich getan hatte, und über alles das ich hatte und über jeden, der in meinem Leben eine Rolle spielte. Sie ist die einzige Frau, die ich je kennengelernt habe, die mir bedingungslose Liebe entgegenbrachte und mir stets beiseite stand. Ich muss sie erwähnen: Ailsa Freeman Martinez.
Ich würde auch gerne meiner Freundin danken, die jahrelang ein Teil meines Lebens war und ich würde auch sie gerne erwähnen, aber wegen einiger Umstände ist es wohl das Beste das zu unterlassen. Aber auch wenn es in unserer Kommunikation einige Jahre eine Lücke gab, hat sie nie mein Herz verlassen und hat mir auch eine Menge über die Liebe beigebracht, dass man in seinem Leben mehr als einen Menschen innig lieben kann. Jeder von uns erfüllt andere Bedürfnisse und ruft andere Gefühle und Wärme hervor.
Ich möchte meiner Schwägerin danken, die mir durch dick und dünn zur Seite stand, gleich was sie für Probleme und Verhandlungen hatte, blieb sie hier und bot mir jede Unterstützung an. Ich kann mir nicht vorstellen in ihrer Haut zu stecken und mit allem so fertig zu werden, wie sie das konnte!!! Sie ist eine bewundernswerte Frau, die mein Herz so stark berührt hat, auf eine Weise, wie es keine anderer kann. Ihre Tapferkeit, ihre Reife, ihre Hingabe und Ausdauer das zu erreichen, was sie erreichen will... Laure Martinez.
Ich werde nun über einige Dinge sprechen, über die ich nicht gesprochen hätte, als ich noch am Leben war, da ich wusste, dass es eine Auswirkung auf meinen Fall und andere Leben haben würde, was nicht sein muss. Ich möchte über meinen Fall sprechen, damit andere wissen, was passiert ist und meine Situation verstehen können.
Zunächst, wie jeder weiß, war ich im Gefängnis für einen Fall, der sich zutrug, als ich 17 Jahre alt war – am 3. Juni 1994. Ich wurde des versuchten Mordes für schuldig gesprochen und ich wusste nicht über das Gesetz Bescheid (wer würde das schon im Alter von 17) und wollte rauskommen. Ich stimmte den 7 Jahren zu. Ich blieb  insgesamt 6 ½ Jahre im Gefängnis und als ich herauskam dauerte es nur einige Wochen bevor mir dieser Fall zur Last gelegt wurde.
Was passierte war, dass ich eigentlich eine Freundin treffen wollte, die den Freitag mit mir verbringen wollte. Ihr Bruder wurde krank und musste ins Krankenhaus und sie blieb bei ihm. Ich hatte alles andere abgesagt, da ich davon ausging, dass ich die Zeit mit ihr verbringen würde. Aber da dies nun nicht mehr der Fall war, blieb ich zu Hause und jeder, den ich anrief war beschäftigt oder hatte anderes vor und so war es mir langweilig und ich rief bei diesem Begleit-Service an. Ich machte ein Geschäft mit ihnen und diese Frau kam vorbei. Ich stimmte am Telefon 300$ zu, aber als ich sie sah war ich nicht der Ansicht, dass sie 300$ wert ist. Sie nahm Drogen und war verwirrt. Ich hatte trotzdem Sex mit ihr und danach gerieten die Dinge außer Kontrolle. Sie wollte ihr Geld  und ich sagte zu ihr, dass sie keine 300$ bekommen würde. Ich versuchte einen Deal mit ihr zu machen, aber sie wollte mir nicht zuhören, wurde laut und begann mich zu beschimpfen und mich alles Mögliche zu nennen. Ich habe das in all den Jahren niemand erlaubt ohne darauf reagiert zu haben und im Gefängnis geht es nur um Respekt und wenn der Mann neben dir dich nicht respektiert, dann bedeutest du nichts für ihn. Ich weiß nicht, was ich in diesem Moment dachte oder was mir durch den Kopf ging, aber alles geschah so schnell, dass das Nächste was ich weiß war, dass ich sehr wütend wurde und dann war ich mit dem Messer über ihr. Ich konnte nicht glauben, was ich getan hatte und das alles in meinem Haus – das brachte mich aus dem Konzept. Ich nahm alles, was ihr gehörte und warf alles weg, außer dem Geld, das sie bei sich hatte. Es waren etwa 150$ und eine Halskette, die ich später genauso wegwarf. Aber wer würde 150$ wegwerfen? Das war das einzige, das ich behielt. Ich entsorgte das Opfer in einem kleinen Feld und führte mein normales Leben weiter. Ich konnte einige Tage lang nicht schlafen und schämte mich dafür, was ich getan hatte. Ich weiß, dass einige Leute einige sehr schlimme Dinge in ihrem Leben getan haben und dass vielleicht niemand darüber Bescheid wusste, aber sie haben sich gestellt und im Prozess wird der Öffentlichkeit alles gezeigt und nicht nur der Familie und den Freunden. Es ist das schlimmste Gefühl, das jemand haben kann. Ich wollte mich am liebsten in ein Loch verkriechen und dort sterben. Es gab keine Rechtfertigung für das, was ich getan hatte.
Das einzige worüber ich nachdachte war, dass sie mich bald erwischen würden und ich wollte die Ereignisse nicht für mich behalten. Ich wollte nicht der Mörder einer Frau sein, die mir nie etwas getan hatte. Ich habe einfach impulsiv gehandelt. Viele Frauen haben mich verletzt und ich wollte mich an ihnen nicht rächen. Meine Mutter (die Mutter, die mich adoptierte) war eine Frau, die mich in meinem ganzen Leben verletzte, sowohl psychisch als auch physisch. Ich muss zugeben, dass ich froh war, als sich meine Eltern scheiden ließen, da ich nicht mehr mit ihr zusammen sein musste, aber dann änderte sich alles als mein Vater wieder heiratete. Der einzige Grund weshalb ich das hier erwähne ist, dass meine Stiefmutter mir dasselbe wie meine Mutter, die mich adoptierte, antat und sie versuchte und brachte es zu dieser Zeit irgendwie fertig meine Familie von mir zu trennen, von meinen Schwestern, meinem Bruder und meinem Vater. Wir sind nicht so eng miteinander. Die Familie, die meinem Vater etwas bedeutet, ist die, die er jetzt mit meiner Stiefmutter aufgebaut hat. Ich versuchte ihr zu vergeben und alles zu vergessen, aber ich konnte es nicht und als die Geschichte mit dieser Frau passierte, muss ich zugeben, dass Rachegedanken in mir kochten und ich Pläne entwickelte sie auch zu erwischen. Ich gebe zu, dass alles, das mit ihr passierte, seit vielen Jahren geplant war und als alles kaputt ging und ich über alles nachdachte, verlor ich das Gefühl von Mitleid und Vergebung. Die Wut überkam mich und es gab kein Zurück mehr. Als ich über alles nachdachte, das sie mir angetan hatte und das wozu sie meinen Dad angestiftet hatte mir anzutun, machte mich noch wütender und das ist etwas, das die Leute verstehen müssen. Ja, ich bin ein menschliches Wesen, das liebt und sich um andere Sorgen macht aber wenn ich wütend werde, ist nichts anderes mehr wichtig und ich denke nicht mehr logisch. Es endete damit, dass ich auf meine Stiefmutter einstach und sie nur überlebte, da meine kleine Stiefschwester sich dazwischen stellte und mir sagte ich solle aufhören!!! Ich weiß, dass meine Stiefmutter heute tot wäre, wenn meine kleine Schwester sich nicht eingemischt hätte, denn ich hätte meine Stiefmutter nicht vor den Augen meiner Schwester umgebracht. Ich verließ das Haus, aber ich wusste, dass sie mich kannten und dass ich bald geschnappt werden würde. Ich ging zu meinem Cousin und wollte einfach nur nachdenken und mir darüber klar werden, was ich machen werde und meine Tante und mein Onkel waren dort und sie baten mich die Polizei anzurufen und mich zu stellen. Ich wollte dies zu der Zeit aber nicht machen und sie flehten mich an, da sie keine Probleme bekommen wollten, da sie mich nicht verraten wollten. Ich erlaubte ihnen anzurufen und sie riefen an. So wurde ich verhaftet. In der Polizeidienststelle von La Port gab ich sogar den Mord zu, den ich einige Wochen zuvor begangen hatte. Ich wollte alles geklärt haben.
In diesem Artikel von der Times, den ein Reporter mit dem Namen Nathan Thornburgh geschrieben hat und der vom 18. April 2005 datiert ist, mit dem Titel „Wenn ein Mörder sterben möchte: „Freiwillige“ im Todestrakt bitten um ihre eigene schelle Hinrichtung, sollte ihnen der Staat den Gefallen erweisen?“ Ich ermutige euch alle diesen Artikel zu lesen und zu sehen, was über meinen Fall gesagt wird. Vor allem das über das Beeindrucken von Mafia-Mitgliedern von MexiKan, das nicht stimmt. Auch habe ich damit nicht vor den Polizisten geprahlt. Alles andere, das in diesem Artikel über mich ausgesagt wurde ist nahezu korrekt. Ich sehe, dass sie sich kein richtiges Bild von dem gemacht haben, über den sie schreiben. Die Beweise zeigen was zu der Zeit meiner Verhaftung geschah und warum ich verhaftet wurde und es geschah 3 Wochen bevor ich wegen des Mordes in Haft war. Ich habe es nicht mit Absicht getan und ich stimme darin überein, dass ich während meiner Reise zu meinem Schicksal und meiner Bestimmung so viel Kontrolle über mich erlangen möchte wie möglich. Viele Typen geben ihre Berufungen auf, da sie Aufmerksamkeit erregen wollen und hoffen einige Brieffreunde zu finden, die sie bemitleiden werden und ihnen versprechen alles für sie zu tun. Dies war überhaupt nicht der Fall! Ich habe nicht einmal irgendjemandem hier drin über meine Absicht erzählt, ausgenommen ein paar Jungs, mit denen ich befreundet war. Ich habe nicht alles über eine Webseite hinausposaunt oder etwas ähnliches… jeder fand es heraus, da die Anti-Todesstrafe-Gruppen alles auf ihre Seiten schreiben und es jedem mitteilten. Übrigens mag die MexiKan-Mafia Organisation keine Leute, die Frauen verletzt haben, ganz besonders ihre eigenen Leute. Es würde ihnen in der Gefängniswelt einen schlechten Namen verschaffen.

Nun über meine Situation in diesem Fall habe ich alles, was ich euch erzählt habe auch meinem Mitgefangenen erzählt. Sie waren nicht glücklich über das, was ich entschied, aber verstanden, dass Mist eben passiert. Dieses bestimmte Individuum, den ich als meinen Freund bezeichnete, erwarteten 25 Jahre Haft, da er schon häufig schwere Verbrechen begangen hatte und es gab keine Möglichkeit, eine geringere Strafe zu erwirken. Er machte einen Deal mit dem Staatsanwalt, um gegen mich auszusagen. Um im Zeugenstand das zu sagen, was sie hören wollten. Als Gegenleistung würde er NUR 2 Jahre erhalten!!! Auch würden sie die Anschuldigungen fallen lassen. Der Staatsanwalt würde zu seinem Richter gehen und zu seinen Gunsten aussagen, dass er gegen ein anderes Mitglied ausgesagt hat und geholfen hat mich zu überführen und zum Tode zu verurteilen. Ich dachte zunächst, dass sie das mit den Mitgliedern machen, die sie loswerden wollen. Ich hatte keine Möglichkeit irgendetwas zu meinen Gunsten auszusagen. Ich habe noch nie gehört, dass so etwas passiert ist, aber alles passiert einmal zum ersten Mal. Ich wusste, dass ich kein Stück davon mehr ertragen wollte und jetzt befindet sich in meiner Anklageschrift eine eidesstattliche Erklärung, in der dieses Individuum, derselbe, der sagte, dass ich ihm gegenüber zugegeben hätte, dass ich einen sexuellen Übergriff und einen Raub begangen habe, jetzt sagt, dass ich diese Frau aus Wut umgebracht habe, was ich die ganze Zeit behauptet habe. Ihr könnt das in Gerichtsakten lesen, die meine Anwälte archiviert haben. Nicht nur, dass es Zeugen gab oder Aussagen von Personen, die Dinge im Zeugenstand aussagten, da sie ihr Erarbeitetes schützen wollten. Ich verstand, warum sie so aussagten, wie sie aussagten und ich habe mit mehreren Zeugen gesprochen, die für den Staat aussagten und ich werfe ihnen nichts vor. Sie haben mich darum gebeten, dass ich ihnen für das was sie getan haben vergebe, und ich verstehe, dass sie etwas Wertvolleres als ich zu verlieren habe, obwohl es mein Leben ist. Der Grund, warum ich so fühle ist, dass ich viele Chancen in meinem Leben bekommen habe mich zu bessern und etwas aus meinem Leben zu machen, aber ich tat es nicht. Ich kann nicht sagen, dass ich in meinem Leben keine Chancen erhalten habe. Ich habe sogar mit jemandem im Gericht gesprochen und ich kann ihre Sichtweise auf den Fall verstehen und ich habe gesagt, dass ich keinen Hass gegen sie verspüre, für das was entschieden wurde. Ich glaubte es wären Leute, die nicht antworten würden und ihr wisst, wen ich meine. Ich weiß wie es zu diesem Fall und zu dieser Verurteilung kam. Ob ich glaube, dass ich es verdient habe? Ja, das glaube ich! Mein ganzes Leben lang habe ich diejenigen verletzt, die mich liebten, die für mich da waren und mir versuchten dabei zu helfen ein Leben dort draußen zu führen und alles was ich tat, war sie in die Hand zu beißen. Ich wendete mich gegen sie und benutzte sie. Meine Adoptionsfamilie hat mich schon lange aufgegeben und meine Freunde wollten nichts mehr von mir wissen. Ich kann es nicht verstehen, dass ich noch einige Leute habe. Warum? Ich weiß, dass es teilweise schwierig ist mit mir klarzukommen, aber sie sind dageblieben und auch wenn sie meine Entscheidung nicht völlig nachvollziehen können, respektieren sie sie doch. Die, die mich kennen, wissen, dass ich entweder alles oder nichts habe!! Wenn du mein Freund bist, dann kannst du mich nicht einige Monate wegstoßen und dich dann wieder melden, wenn du gerade Lust dazu hast. Du musst im Gedächtnis behalten, dass ich mein ganzes Leben so behandelt wurde und ich zu mir selbst sagte, dass ich der Erschaffer meiner Welt und Realität bin. Ich werde es niemandem mehr erlauben mir so ein Gefühl zu verschaffen. Ich habe euch weggestoßen und dies ist der Grund. Ihr wisst, wer gemeint ist.

Ich möchte am meisten, dass mich die Leute kennen und verstehen und was ich mir am meisten wünschte war, meine Mutter zu finden. Meine wirkliche Mutter. Ich weiß nicht wo sie ist oder ob sie wirklich tot ist, wie meine Adoptionsmutter behauptete. All die Jahre haben sie (meine Adoptionsfamilie) mir nichts über meine wirklichen Eltern erzählt, außer dass meine Mutter drogenabhängig war und sie sich nicht um mich kümmern konnte. Als ich etwas 19 war, sagte mein Vater zu mir, dass ich einen Bruder und eine Schwester hätte. Ich fragte ihn wo meine Mutter sei. Er gab mir keine Antwort. Da ich mich vor meiner Hinrichtung anstrengte, das Verhältnis zu meiner Adoptionsmutter zu kitten, sagte sie mir bei einem Besuch, dass meine wahre Mutter an einer Überdosis gestorben sei und dass sie tot war, seit ich ein kleiner Junge war. Warum konnten sie mir das nicht erzählen, als ich sie so oft danach fragte wer meine wirkliche Mutter sei? Ich habe nach ihr gesucht und Behörden angeschrieben, aber niemand wusste etwas. Ich werde sterben ohne etwas herausgefunden zu haben und das war das, was ich immer wollte: meine Mutter finden. Wenn sie tot sein sollte, was ich langsam glaube, dann habe ich keine Mission mehr zu erfüllen. Ich frage mich, warum sie nicht versucht hat mich zu finden, falls sie noch am Leben war. Ich frage mich, ob sie jemals an mich denkt. Ich habe mich mein ganzes Leben lang gefragt wo sie ist und am Ende meines Lebens finde ich heraus, dass sie tot ist? So sieht es aus. Ich möchte nicht den Rest meines Lebens im Gefängnis zubringen. Ich möchte einfach nicht in einer Welt existieren, in der sich niemand darum kümmert was dir passiert und überhaupt: Ich glaube nicht, dass der Tod das Ende der Existenz ist. Ich glaube, dass wir weiterleben und ich hoffe, dass Gott auf mich warten wird, meiner Seele Gnade walten lässt, wenn es zum Tag des Jüngsten Gerichts kommt. Ich kann nur darum bitten, dass mir für alles vergeben wird, das ich getan habe und stelle mich dem, was kommt.
Ich hoffe, dass wenn meine wahre Mutter noch lebt und meine adoptierten Eltern mich all die Jahre angelogen haben, dass sie vielleicht diese letzte Erklärung finden wird, so dass sie weiß, dass ich nach ihr gesucht habe, sie aber nicht finden konnte. Ich wurde am 16. Juni 1976 um etwa 1 Uhr morgens in Houston, Texas im St. Joseph-Krankenhaus geboren. Ich möchte, dass du weißt, dass ich dich nicht dafür hasse, dass du mich weggegeben hast. Ich glaube fest daran, dass alles aus einem bestimmten Grund passierte und ich vergebe dir. Du brauchst dich nicht für irgendetwas entschuldigen. Ich weiß, dass ich nun zum ersten Mal verstehe, warum Dinge im Leben passieren und ich mich nur bemühen kann ein besserer Mensch zu sein. Und obwohl ich meinen letzten Atemzug mache, bedeutet das nicht, dass ich dich nicht finden werde, denn sogar im Tod werde ich nach dir suchen!!!
Noch einmal möchte ich all jenen danken, die mir wirklich zur Seite standen und wahre Freunde wurden. Meine Geliebten und die, die mir am nächsten stehen – wir werden uns eines Tages an einem viel besseren Ort und zu einer besseren Zeit treffen. Es wird keine Trauer, keinen Schmerz und keine verlorene Familie geben.
 Herzlichst, ein verurteilter Mann
 hingerichtet am 7. Juni 2005“

Von Suzanne (Anmerkung der Übersetzerin: Suzanne hat die Seite "Uncensored" ins Leben gerufen):
Wie ihr bereits wisst, bin ich gegen die Todesstrafe. Ich bin nun seit 20 Jahren gegen die Todesstrafe. Ich war einmal dafür, bevor ich realisierte, wie das Justizsystem wirklich ist. Selbst wenn das Justizsystem völlig perfekt wäre und keine Unschuldigen ins Gefängnis geschickt werden würde, wäre ich immer noch gegen die Todesstrafe.
Ich schreibe in einigen Foren gegen die Todesstrafe. Ich mache dies, um Unterstützung von anderen zu erhalten, die das Gleiche durchmachen, um etwas anzuregen oder um meine Unterstützung anzubieten, so gut es geht. Gegen die Todesstrafe zu sein macht einen nicht beliebt, besonders hier in Texas und es ist schön im Internet einen Ort zu haben an dem man Leute treffen kann, die an das Gleiche wie ich glauben.
In einem bestimmten Anti-Todesstrafe-Forum gab es einige Vertreter der Befürworter, die Beiträge veröffentlichten und einige dieser Beiträge sind störend. Diese Beiträge lassen alle Befürworter schlecht aussehen, wenn ich es nicht besser wüsste.
Meine Mutter ist für die Todesstrafe, aber sie kritisiert mich wegen meiner Haltung dennoch nicht. Sie versteht mich völlig. Wir geraten nicht ins Debattieren. Sie stellt mir Fragen und sie unterstützt mich in dem, was ich mache. Ihre Sorge gilt nicht Gefängnisthemen, daher unterhalten wir uns auch nicht viel darüber.
Es gibt Fakten und Statistiken, die euch helfen können zu verstehen, weshalb ich gegen die Todesstrafe bin. Eine Seite, auf die ihr gehen könnt, ist www.tcadp.org. Es gibt dort eine Menge statistischer Informationen über die Todesstrafe. Stellt Nachforschungen an. Sucht nach Informationen. Bildet euch eine Meinung.
Bitte denkt nicht, dass ich, wenn ich von Befürwortern spreche, alle damit meine. Die beschuldigten Befürworter wissen, warum ich das erwähne.
Und seid auch bitte darüber im Klaren, dass ich, indem ich dies veröffentliche, KEINE Hass-e-mails, Diskussions-e-mails usw. erhalten möchte...
Wie auch immer...
Eine Sache, die ich stets gefragt werde, ist: „Und was ist mit den Opfern?“ Nun, die Opfer haben mein Mitleid. Ich denke nicht, dass Mord das Richtige ist. Dennoch bin ich gegen Hinrichtungen.
Ich höre immer: “Die Mörder müssen bestraft werden!” Nun, ich glaube an den Sinn von Gefängnissen. Gott sei Dank gibt es Gefängnisse! Nur weil ich kein Befürworter der Todesstrafe bin bedeutet das nicht, dass ich „Mörder“ frei herumlaufen lassen möchte.
Einige sagen auch zu mir, dass Gegner glauben würden, dass 99% der Insassen im Todestrakt unschuldig sind. SO EIN QUATSCH! Ich weiß nicht, wo sie diese Prozentzahl herhaben... Ich nehme das zurück. Jemand hat gesagt, dass fast alle Insassen im Todestrakt behaupten unschuldig zu sein.
Nun, ich muss einiges dazu loswerden. Zunächst einmal haben die meisten Insassen im Todestrakt keine Internet-Seite. Eine andere Sache ist, dass nicht alle Internet-Seiten davon sprechen, dass derjenige unschuldig ist. Einige veröffentlichen, dass sie juristische Hilfe für eine gerechtere Strafe suchen (das ist nicht dasselbe, als wenn sie behaupte, dass sie unschuldig sind... schaut nach). Einige Insassen veröffentlichen nur etwas, um Brieffreunde zu bekommen und das ist es dann auch.
Es bleibt jedoch eine Tatsache, dass unschuldige Menschen im Gefängnis sitzen. Wollt ihr riskieren, dass man eine unschuldige Person hinrichtet, nur dass die Todesstrafe erhalten bleibt? Ich kann’s nicht verstehen. Solch eine Person muss eine Menge Hass in sich haben.
Garantiert gibt’s da draußen eine ganze Menge Lügner. Nicht nur Insassen lügen. Es gibt auch in der freien Welt jede Menge Lügner. Ich habe einige Beispiele von Insassen, die lügen, auf meiner Internet-Seite.
Ich möchte eines klarstellen: Ich weiß, was es bedeutet jemanden, den man liebt, durch einen Mord zu verlieren. Mein bester Freund wurde im Mai 1991 von seinem Nachbarn ermordet, da der ihn dabei beobachtet haben will, wie er Nazi-Flaggen an die Außenseite ihres Zweifamilienhauses gehängt haben soll. Dieser Mann verbüßt eine lebenslange Haftstrafe hier in Texas. Ich habe viele Berührungspunkte damit.
Entschuldigt – ich bin vom Thema abgekommen, aber jetzt bin ich wieder zurück. Ich bin noch lange nicht fertig. Eines, über das ich später noch schreiben möchte, ist der Hass der Befürworter der Todesstrafe.
Ich möchte noch auf eines hinweisen. Die Befürworter sind so hasserfüllt. Sie haben darüber gesprochen, dass sie einigen Todestrakt-Insassen Briefe geschrieben haben, damit diese ihre Berufungen niederlegen. Sie haben sich mit der Behauptung rausgeredet, dass die Briefe nicht „hasserfüllt“ und gottlos seien und sie daher besagte Insassen nicht belästigen würden. Nun, ich habe einige Informationen gefunden, die ich veröffentlicht habe, und sie behaupten trotzdem noch, dass sie niemanden belästigen würden.
Hier einige Ausschnitte aus dem texanischen Strafgesetzbuch, die von Interesse sein dürften:
§ 22.08. BEIHILFE ZUM SELBSTMORD. (a) Eine Person begeht eine Straftat, wenn sie mit Absicht einen anderen darin bestärkt Selbstmord zu begehen oder wenn sie ihm dabei assistiert, ihm hilft oder vorgibt ihm zu helfen.
(b) Eine solche Tat ist ein minderes Delikt solange das Verhalten des Handelnden nicht zu Selbstmord oder dem Versuch des Selbstmordes, der in schweren Verletzungen resultiert, führt. Dann handelt es sich um ein schweres Verbrechen, auf das eine Haftstrafe steht.

§ 42.07. BELÄSTIGUNG. (a) Eine Person begeht eine Straftat, wenn sie in der Absicht zu belästigen, zu ärgern, zu alarmieren, zu missbrauchen, zu quälen oder einen anderen zu behindern Folgendes macht:
(2) Bedrohungen durch das Telefon, durch Anschreiben oder elektronische Kommunikationsmittel in einer Art und Weise aussprechen, die die Person, die die Bedrohung erhält, mit Grund in Angst versetzt körperliche Schäden davonzutragen oder Opfer einer schweren Straftat zu werden. Dies gilt auch, wenn sich die Drohungen gegen ein Mitglied der Familie oder der Wohngemeinschaft oder gegen das Eigentum richten.
Hier sind dann auch noch die Bürgerrechte:
Artikel 18, U.S.C., Abschnitt 241
Verschwörung gegen Bürgerrechte
Nach diesem Gesetz ist es eine Straftat, wenn sich zwei oder mehr Personen verschwören irgendeine Person aus irgendeinem Staat, Territorium oder Distrikt zu verletzen, zu erpressen, zu bedrohen oder einzuschüchtern in Bezug auf jedes Recht oder Privileg, das ihm durch die Verfassung der Vereinigten Staaten gewährleistet wird (oder weil er/sie dasselbe getan hat).
Weiterhin ist es für zwei oder mehr Personen verboten sich getarnt auf die Straße oder auf das Grundstück eines anderen mit der Absicht zu begeben, diesen davon zu hindern seine Rechte frei wahrzunehmen.
Die Bestrafung reicht von einer Geldstrafe bis zu einer Haftstrafe von bis zu 10 Jahren oder beidem und wenn der Tod resultiert oder wenn solche Taten Entführung oder den Versuch zur Entführung, sexuellen Missbrauch oder die Ankündigung zu sexuellem Missbrauch oder die Androhung zu Töten beinhalten, soll die Person zu einer Geldstrafe oder einer Haftstrafe von beliebiger Dauer oder lebenslänglich oder sie kann zum Tode verurteilt werden.
Nun, einige meiner Gefühle haben sich gegenüber den Befürwortern der Todesstrafe geändert, die im CCADP-Forum veröffentlichen, als ich begann das hier zu schreiben. Ich bleibe dabei was ich vorhin gesagt habe, ausgenommen den Aussagen, die ich nicht beendet habe, z.B. eigene Notizen.
Ich muss noch anfügen, dass www.ccadp.org eine Seite mit der Adresse www.ccadp.proboards40.com geschaltet hat, um Familien und Freunde von Todestraktinsassen zu unterstützen. Es gibt dort eine spezielle Diskussionsseite für Befürworter der Todesstrafe, die dort die Möglichkeit erhalten, über Themen mit Gegnern der Todesstrafe, die sich dazu bereit erklären, zu diskutieren. Aber das Forum ist nicht für hasserfüllte Bemerkungen gedacht. Alle anderen Seiten befassen sich nur mit der Unterstützung. Wenn ihr euch für diese Unterstützung interessiert, geht bitte auf www.ccadp.proboards40.com.
Und vergesst nicht auf die Seite http://ccadp.proboards40.com im Forum von www.ccadp.org zu gehen. Ihr müsst euch unter http://ccadp.proboards40.com „For Antis Who Were Once Pro Death Penalty“ registrieren. Die Veröffentlichungen werden in den nächsten paar Monaten in einem der zukünftigen “Uncensored”-Artikel erscheinen.
Danke,
Suzanne

Dies hat Irene Rekitzke über die letzten Tage ihres Sohnes Richard Cartwright verfasst:
Mein Sohn, Richard Cartwright, war ein ganz besonderer Mensch. Er hatte eine gute Seele. Er liebte seine Familie, besonders seine achtjährige Tochter Ricki. Er wollte für sie da sein, so gut er konnte. Richard war des Mordes, für den er sterben musste, nicht schuldig. Ich bin davon mit ganzem Herzen überzeugt, nicht weil er mein Sohn ist, sondern wegen der Beweislage, oder besser gesagt, dem Mangel an Beweisen. Aber dennoch wurde Richard vom texanischen Staat am 19. Mai 2005 hingerichtet.

Der Mangel an Beweisen war verblüffend und Rich wurde wegen der Zeugenaussagen seiner Mitangeklagten verurteilt. Diese beiden erhielten eine Minderung ihrer Strafe, da sie gegen Richard aussagten. Als jedoch einer der Mitangeklagten, Kelly Overstreet seine Zeugenaussage widerrief und kurz bevor Rich hingerichtet wurde zugab, dass er gelogen hatte, behauptete der Staatsanwalt, dass die Aussage von Kelly Overstreet „an sich glaubwürdig“ sei. In der Tat war es die Aussage dieses Mannes, die dazu führte, dass Richard sterben musste.
Weiter gab es keinerlei forensische Beweise, die Richard in Verbindung mit dem Schauplatz des Mordes brachten. Die Fußabdrücke beider Mitangeklagten und des Opfers wurden gefunden, aber kein Fußabdruck von Rich. Die Waffe wurde nie gefunden und es gab kein Blut oder andere Beweise, die Richard mit dem Mord in Verbindung brachten. Er gab zu, sich dort aufgehalten zu haben, den Truck gefahren zu haben. Aber er bestand immer darauf, dass er sich während des Mordes nicht bei den Mitangeklagten und dem Opfer aufgehalten habe. Er sei mit dem Truck abgehauen, als er Waffenschüsse hörte und die beiden Mitangeklagten sagten ihm, dass sie sich dafür noch an ihm rächen würden. Ich vermute, dass dieser Teil ihres Plans wirklich funktioniert hat.
Aber darum geht es nicht. Es geht um die Hinrichtung meines Sohnes. Um 18.16 Uhr, am 19. Mai, wurde er für tot erklärt. Die Welt hat einen mutigen Kämpfer verloren, die Männer im Todestrakt haben einen wirklichen und loyalen Freund verloren, seine Tochter hat ihren wunderbaren Daddy verloren, ich habe den besten Sohn verloren, den eine Mutter sich wünschen kann, seine Schwester hat ihren einzigen Bruder verloren, sein Vater hat seinen einzigen Sohn verloren und seine Freunde haben seine Liebe und Freundschaft verloren. Er war immer für uns da, hat uns während all unserer Lebensabschnitte begleitet, getadelt und geliebt. Bis zum Ende hatte er einen starken Glauben und liebte Gott, seine Freunde, seine Familie und sein Leben. Er hat uns nie verlassen.
Rich hat sich keinen einfachen Weg ausgesucht, und sicher nicht den Weg des geringsten Widerstandes. Im Todestrakt lernte er, dass die Regeln verschieden ausgelegt werden und dass einige Wärter, die dort arbeiten, sie auf eine Art und Weise verdrehen und verbiegen, die sehr grausam ist. Er wollte nicht still erdulden, wie seine Freunde und Mitgefangenen gefoltert und grausam behandelt wurden. Er und Paul Colella, der so etwas wie sein Bruder war, haben viele Berichte über die grausame und unmenschliche Behandlung von Männern im Todestrakt geschrieben. Diese können unter folgendem Link gelesen werden: www.1prison.com/rcuncensored1.html. Ich glaube fest daran, dass die letzte Petition, die zu seinen Gunsten vom Innocence Project der Universität von Houston hervorgebracht wurde, verweigert wurde, da die verantwortlichen Leute, wie Gouverneur Rick Perry, ihn verstummen lassen wollten, da sie ihn als jemanden einschätzten, der Probleme macht. Sie wollten die Todesstrafe anwenden und sie ihrem Wahlprogramm hinzufügen, um wiedergewählt zu werden. Statistiken zeigen, dass ungefähr 80% der Texaner die Todesstrafe befürworten. Als ich diesen Bericht über die letzten Wochen meines Sohnes, Richard Cartwright schreibe, möchte ich, dass alle Texaner, alle Amerikaner wissen, was sie befürworten, wenn sie für die Todesstrafe sind. Wenn es immer noch jemanden gibt, der die Todesstrafe befürwortet, nachdem er das hier gelesen hat, dann wird er wenigstens voll verstehen, was er befürwortet. Ich persönlich bin überzeugt, dass man, wenn man weiß, wie alles vonstatten geht, entsetzt und erschüttert ist.
Ich möchte an dieser Stelle noch etwas hinzufügen. Als mein Sohn in diesen Alptraum geriet, war ich selbst irgendwie eine Befürworterin der Todesstrafe. Ich glaubte auch daran, dass das Justizsystem in unserem Land perfekt funktionieren würde. Ich dachte, dass es einen guten Grund geben muss, wenn ein Mann oder eine Frau verurteilt wird. Ich dachte, dass keine unschuldige Person verurteilt werden würde und dass jeder, der in einem Prozess mitwirkt, sich die Wahrheit als höchstes Ziel und Leitgedanken wünscht. Ich bin jetzt nicht mehr unwissend. Ich verstehe das Meiste von dem, was meinem Sohn passiert ist und ich werde es immer bedauern, dass ich nicht bereits am Anfang wusste, wie das Justizsystem funktioniert. Alles, das ich hier schreibe, kommt von Herzen und wenn irgendetwas, das ich sage so nicht ganz stimmt, geschieht das nicht mit Absicht. Ich werde euch die Wahrheit erzählen, wie ich sie erlebt habe, ohne etwas zu verschweigen. Haltet euch fest, seid aufmerksam und hört zu. Ansonsten könnte meine Geschichte eines Tages zu eurer werden. Euer Sohn oder eure Tochter könnte eines Tages auf einer Liege mit Nadeln in beiden Armen liegen und direkt vor euren Augen den letzten Atemzug machen.
Mein wirklich letzter Besuch alleine bei meinem Sohn findet am Samstag, den 14. Mai statt. Ich habe die Erlaubnis ihn von 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr zu besuchen. Ich fliege morgens von Chicago rüber und fahre vom Flughafen nach Livingston, Texas, wo sich die Todestraktinsassen in der Polunsky Unit befinden.
Ich gehe in das Hauptgebäude der Polunsky Unit und erhalte vom diensthabenden Wärter meine Identifikationskarte. Die Wärter schauen noch einmal nach, ob ich auch auf der Besuchsliste meines Sohnes stehe. Als dies geschehen ist, behält der Wärter meine Identifikationskarte zurück und gibt mir einen grellgelben Anstecker auf dem sich „DR“ und eine Nummer befinden. Diesen muss ich an meinem T-Shirt anbringen. „DR“ steht für „Death Row“ (Todestrakt). Ich fühle mich ein wenig so, wie sich die Juden gefühlt haben müssen, als sie von den Nazis “gekennzeichnet” wurden. Nachdem ich meinen Anstecker angebracht habe, gehe ich durch einen Metalldetektor und passiere zwei Kontrolltüren und ein Kontrolltor. Dabei bewege ich mich zwischen zwei Gitterzäunen, auf denen sich Stacheldraht befindet. Ich bin wieder draußen. Es ist ein langer Gang vom Gebäude der Wärter zum Hauptgebäude. Der Abend ist warm und schwül und der Weg wird von wunderschönen, sehr alten Rosenbüschen und Moosrosen gesäumt. Heute abend denke ich wieder, wie eigenartig es doch ist, solch eine Schönheit inmitten des Todestraktes vorzufinden. Schließlich gehe ich in das Hauptgebäude hinein. Als nächstes muss ich durch zwei weitere Kontrolltüren und befinde mich endlich im Besuchsraum. Ich gebe dem Wärter am Tisch das blaue Papier und mir wird ein Fenster zugewiesen an dem ich mit meinem Sohn sprechen kann.
Bei jedem Fenster befindet sich vor dem Glas ein Metallsims. Das Fenster ist etwa 90 cm breit. Es gibt zwei Telefonhörer, die sich auf beiden Seiten des Fensters befinden. Durch sie kann man sich mit dem Insassen unterhalten. Auf der Besucherseite befindet sich ein Plastikstuhl. Der Insasse auf der anderen Seite der Scheibe hat dasselbe Metallsims aber er sitzt auf einem Metallhocker. Der Insasse ist in einem metallenen Käfig eingeschlossen, der über geschlossene Seiten und eine Tür an der Rückseite verfügt. Oben an der Tür befindet sich ein Metallgitter, unten ist sie geschlossen.
Als ich an der mir zugewiesenen Zelle ankomme, wartet mein Sohn bereits auf mich. Dies passiert nur an Samstagen. An anderen Tagen wartet der Besucher oft 1-2 Stunden bevor der Insasse in den Besuchsraum gebracht wird. Rich lächelt hinter der Scheibe und greift sofort nach dem Hörer. Im Todestrakt kann ein Insasse seinen Besucher nie berühren. Es befindet sich eine dicke Glasscheibe zwischen uns und wir legen beide unsere Hand an das Glas um uns so zu berühren, aber in Wirklichkeit sind wir über unsere Herzen verbunden, nicht über die Berührung des kalten Glases. Wir unterhalten uns zuerst darüber wer zum Besuch nächste Woche kommen wird, seiner letzten Woche. Wir sprechen über seine Berufung und wie sehr wir die Arbeit von Morris Moon vom Texas Defender’s Office und die Arbeit von Jared Tyler vom Innocence Project an der Universität von Houston wert schätzen. Rich erzählt mir, dass Jared Tyler ihn persönlich am Donnerstag der vorigen Woche besucht hat. Jared hat Richard wissen lassen, dass es wahrscheinlich war, dass die Petition zu seinen Gunsten verweigert werden würde. Es gibt da diese Sache, die „verfahrensrechtliche Fehler“ genannt wird, die dem texanischen Staat im Weg steht. Übersetzt bedeutet das (zumindest ist das meine Interpretation von verfahrensrechtlichen Fehlern), dass alle möglichen Gründe für Berufungen vom texanischen Staat beseitigt werden, so dass sie die Männer und Frauen, die sich im Todestrakt befinden, möglichst schnell loswerden können. Beweise können nicht eingebracht werden, egal wie wichtig diese sind.
Rich ist einfach nur dankbar und überrascht, dass Jared sich die Zeit nahm, ihn persönlich zu besuchen. Dies ist er so nicht gewohnt. Seine Anwälte haben ihn nie im Todestrakt besucht. Stattdessen haben sie ihm kurze Briefe zugesandt. Es gibt Ausnahmen und es gibt einige wunderbare Anwälte, die ihr Herz und ihre Seele für diese Fälle und Insassen geben, aber bis zu diesem Zeitpunkt war Richard nicht mit dieser Art von fürsorglichem Rechtsbeistand gesegnet. Rich erzählt mir, dass er Jared Tyler und seine ehrliche und forsche Art wirklich mag. Ich erzähle Rich, dass Tina Church, die diesen Fall als Detektivin bearbeitet und Morris Moor und Jared Tyler beide miteinbrachte, fortfährt hart zu arbeiten und verzweifelt nach etwas sucht, das seinen Fall wieder vor Gericht bringen könnte oder zumindest die Hinrichtung aufschieben könnte. Er sagt mir: „Mom, ich habe mit allem Frieden geschlossen, was auch immer passiert. Ich möchte nicht sterben, aber ich hasse es so zu leben. Und ich möchte keinen 30-tägigen Aufschub. Ich möchte nie, nie wieder, dass du das alles noch einmal mitmachen musst. Ich weiß wie schwer das für dich ist – wie schwer es für euch alle ist. Wenn sie mich umbringen wollen, ist es besser, wenn sie es jetzt tun.“ Ich kann meine Tränen kaum zurückhalten. Rich ist auch am Ende seines Lebens immer noch mehr um andere besorgt, als um sich selbst.
Noch etwas zu Richs Anwälten. Als Richard seinen Hinrichtungstermin erhielt, rief sein Anwalt Michael Gross ihn nicht an oder besuchte ihn. Er rief auch mich nicht an. Stattdessen sandte er mir eine Kopie des Hinrichtungsbefehls mit einem beigefügten Brief, auf dem sich nur ein Satz befand. Rich erhielt denselben Brief mit einer Kopie des Hinrichtungsbefehls. Ich kann mir keine vernichtendere Art denken, wie man vom Hinrichtungstermin seines Sohnes oder seiner Tochter erfahren kann, könnt ihr es? Heute abend sprechen wir über Jack Wilcox, Richs seelsorgerischen Beistand. Jack ist 80 Jahre alt, aber kommt mit seiner Frau Irene jeden Tag zum Gefängnis, um den Todestraktinsassen behilflich zu sein. Und das sind sie in der Tat. Jack und Irene verpflichten sich den Glauben dieser Männer zu festigen und wachsen zu lassen und sie sind in ihrer Arbeit so gewissenhaft. Sie besuchen jeden Tag zwischen 2 und 4 Insassen. Sie geben ihnen eine kurze Pause von ihrem Käfig und ihrer Einsamkeit, sie kaufen ihnen Essen und unterhalten sich einfach nur mit ihnen. Nicht nur über Gott, sondern auch über das, was sie wollen, ihre Bedürfnisse und Hoffnungen. Wenn die Zeit um ist, wissen die Insassen, dass sich jemand sehr um sie sorgt.
Jack hatte erst eine Hüftoperation und Rich erzählt mir, dass Jack ihn am Anfang der Woche besuchen kam. Rich war Jacks erster Besuch, den er machte, als er sich nach der OP zurück im Todestrakt befand. Jack wollte, dass Rich weiß, dass er, was auch immer passieren wird, am 19. zu ihm halten wird, wenn es Zeit wird zu gehen. Jack hatte an diesem Tag keine weiteren Besuche, also ging er danach. Durch diesen Besuch wurde Rich eine schwere Last abgenommen. Er erzählt mir, dass Jack die ganze Zeit bei ihm sein wird. Jack wird ihn trösten und ihn leiten und dann für Richs Familie am Tag der Hinrichtung da sein. Rich freut sich darüber, aber ich bin traurig, da ich mehr darüber nachdenke warum Jack da sein wird, anstatt über den Trost, den er uns sicher allen leisten wird.
Rich erzählt mir auch stolz, dass er letzte Woche getauft wurde. Er sagt, dass er wusste, dass er als Baby getauft wurde, aber das war meine Entscheidung. Diesmal, als Erwachsener, ist es seine Entscheidung. Er bringt mich zum Lachen, als er mir erzählt, wie er beinahe während der Prozedur umgekommen ist. Er sagt, dass sie einen der Wägen nahmen, in dem sie normalerweise die Wäsche einsammeln. Der Wagen hat Taschen aus Segeltuch, aber sie haben ein Einsatzstück aus Plastik darin angebracht und es mit Wasser gefüllt. Sie ließen ihn dann hineinklettern, aber er trug Handschellen. Irgendwie haben sie ihm dann schnell einen Stoß versetzt, irgendetwas drückte ihn auf den Kopf, er konnte nicht mehr stehen, tauchte unter, kam prustend wieder hoch und war sich nicht sicher, dass er es überleben würde. Aber am Ende war er getauft und er fühlt sich deshalb fantastisch. Ich lächle, als ich daran denken muss, wie er prustet und sich nicht sicher ist, was eigentlich vorgeht, aber er ist entschlossen alles zu Ende zu bringen, was er begonnen hat. So wie alles, was er macht.
Rich ist heute abend auch über sein Eigentum besorgt. Wenn ein Insasse einer Person, die ihn besucht, etwas zukommen lassen möchte, kann er das Eigentum dem Besucher einige Zeit im Voraus zukommen lassen. Er hat zwei Bilder für mich in seinem Eigentum, eigentlich eines für mich und eines für Ricki, seine wunderbare, achtjährige Tochter. Der Wärter sagt später. Aber schließlich erhalte ich sie. Er ist so glücklich, dass ich sie habe. Rich sagt mir, dass ich vorsichtig sein soll, da sie mit Kreide gemalt sind, die so leicht verschmiert. Der Umschlag ist zugeklebt, so dass ich bis später warten muss, um sie anzusehen. Er hat Frieden geschlossen, wissend, dass ich und seine Tochter sein letztes Geschenk erhalten haben.
Während des Besuchs kaufe ich Essen für meinen Sohn aus den Automaten im Besuchsraum. Ich warte, bis ich an der Reihe bin, da immer nur eine Person Essen kaufen kann. Es funktioniert so, dass der Wärter einen zum Automaten begleitet, man die Münzen einwirft und auswählt, aber man hat nicht die Erlaubnis, etwas von dem Essen zu berühren. Ansonsten darf es der Gefangene nicht erhalten. Er bittet um 2 Sandwiches, da sie selten Fleisch erhalten. Er möchte auch 7 Packungen Teriyaki Sticks, das sind kleine Würstchen. Weiterhin möchte er eine Vanilla Coke, einen Dr. Pepper (Anmerkung der Übersetzerin: ein Softgetränk ähnlich einer Cola mit Kirschgeschmack), einen Honig-Riegel, eine Packung Barbecue-Chips, ein Stück Käsekuchen und eine Schale Pfirsiche. Früchte gibt es ebenfalls selten im Gefängnis.
Ihm Essen zu kaufen ist für mich etwas Besonderes, da ich nicht die Erlaubnis habe ihm viele Dinge zu kaufen. Ich kann ihm Bücher über Dritte zukommen lassen (z.B. Amazon). (Ich kann ihm also keine Bücher senden, die ich zu Hause habe.) und ich kann ihm Schreibpapier und Briefumschläge über Dritte zusenden, wie z.B. das Office Depot. Nichts kann ich ihm direkt zuschicken. Zweimal durfte ich ihm eine Brille kaufen, und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schwierig das war. Ich schätze, dass es mich mehr als 40 Telefonate und viel Bitten kostete. Man denkt, dass der texanische Staat glücklich ist, wenn jemand die Rechnung selbst übernimmt, aber das ist anscheinend nicht der Fall. Wie auch immer. Als ich das Essen gewählt habe, gehe ich zurück und spreche wieder mit meinem Sohn. Bald erscheint jemand hinter seinem Käfig mit den Papiertüten mit Essen. Sie öffnen den schmalen Schlitz, der so ähnlich wie ein Briefkasten-Schlitz aussieht und geben die Tüten hindurch. Wenn er Besuch erhält, setzt er normalerweise den ganzen Tag mit dem Essen aus – angefangen beim Frühstückstablett, das jeden Tag um 3 Uhr serviert wird. Heute macht er keine Ausnahme. Er möchte das gute Essen aus dem Automaten genießen. Er zieht jedes Stück heraus und isst dann langsam alles. Ich sehe ihm dabei zu und dann schleckt er die Plastikgabel ab, nachdem er das Stück Käsekuchen verspeist hat.

Als nächstes sprechen wir über Gott. Richards Glaube an Gott ist sehr stark und er erzählt mir, dass er nicht begreifen kann, wie ruhig er auf seinen herannahenden Tod wartet. Er sagt, dass Jack ihm erzählt hat, dass er über „einen Frieden verfügt, der alles Verständliche überschreitet“. Ich merke es, aber ich weiß nicht, ob es wirklich so ist oder nicht. Ich muss an mich selbst denken – die nächsten paar Tage werden es uns sicher zeigen. Aber er ist ruhig, heiter; so schrullig wie ich ihn eben liebe. Ich genieße den Besuch, trotz meiner Traurigkeit.
Rich erzählt mir, dass er das „Purpose Drive Life“-Buch beiseite gelegt hat, da er es vorzieht, jetzt nur noch in seiner Bibel zu lesen. Er liest das „Purpose Drive Life“ zum dritten Mal und eigentlich haben wir es zusammen gelesen. Wir haben einen Kalender mit den Daten aufgesetzt, an denen wir jedes Kapitel lesen würden und dann schrieben wir uns über unsere Gedanken jeden Tag. Es war für uns ein Weg, etwas miteinander zu teilen, genau so wie wir jeden Sonnenaufgang und –untergang anschauen und aneinander denken. Ich sage, dass ich es verstehe und so ist es auch. Nichts gibt mir soviel Frieden und ein Gefühl der Zufriedenheit, wie das Lesen in meiner Bibel. Ich bin froh zu wissen, dass dasselbe auch für Rich gilt.
Rich erzählt mir, dass es einen Wärter in der Polunsky Unit gibt, der das „Purpose Drive Life“ Buch gerne erhalten würde. Sein Name ist Sergeant Thompson. Rich fragt mich, ob ich Sergeant Thompson sein „Purpose Drive Life“ Buch zukommen lasse, falls er hingerichtet wird. Er möchte das Buch, um andere Leute damit zu segnen. Ich frage nach Sergeant Thompsons Vorname, aber Rich weiß ihn nicht. Er sagt, dass ich es einfach nur an Schicht 3, Sergeant Thompson schicken soll. Ich verspreche ihm, dass ich das machen werde.
Um 21.50 Uhr kommt der Wärter zu mir und sagt “noch 10 Minuten”. Ich krümme mich zusammen, da ich weiß, dass ich meinen Sohn hier lassen muss. Es ist so schwer. Wir bringen die letzten paar Minuten damit zu, große Ausbruchpläne zu schmieden, wie mit einem Helikopter zu landen und ähnliches. Traurigerweise wissen wir beide, dass dies ein müßiges Thema ist. Schließlich ist die Zeit um. Ich lege wieder meine Hand an die Scheibe und er macht dasselbe. Die Tränen kommen mir nun beinahe und ich habe einen riesigen, unangenehmen Knoten in meinem Hals. Ich fühle es wieder, als ich dies für euch niederschreibe. Ich habe gelernt damit zu leben. Wir sagen auf Wiedersehen und er bittet mich darum, seine Tochter zu einem Besuch mitzubringen. Ich verspreche es ihm.
Als ich gehe, sitzen alle Insassen immer noch in ihren Käfigen. Ich gehe zur anderen Seite des Besuchsraumes und kann Rich von hinten sehen. Er dreht sich zu mir um und winkt mir durch das Draht-Gitter zu, als ich wieder durch die Kontrolltüren gehe. Ich winke immer noch, als ich den langen gläsernen Korridor hin zum Eingang des Gebäudes laufe, bis ich meinen Sohn nicht mehr sehen kann. Jetzt lasse ich die Tränen über meine Wangen laufen. Noch vier Tage und ein Anruf, wie mein Sohn sagen würde, bevor er mir für immer entrissen wird.
Ich gehe zu meiner Unterkunft und nehme die zwei Bilder, die er für mich gemalt hat, mit. Als ich eingetreten bin, öffne ich die Bilder. Rich hat mir beim Besuch gesagt, dass er nicht denkt, dass er noch einmal malen wird, auch wenn er einen Aufschub bekommen sollte. Er meint, dass er nichts mehr malen könnte, das an diese beiden Bilder heranreichen würde. Er hat recht; sie sind wunderbar. Für mich hat er einen Christuskopf mit einer Dornenkrone gemalt. Alles ist mit Kohle gezeichnet und wunderschön gemacht. Der Ausdruck von Christus Gesicht ist schmerzvoll und friedlich zugleich. Das Bild für Ricki zeigt Ricki. Er hat eine Fotografie abgemalt, die ich ihm letzten Sommer von Ricki zugesandt habe. Auf diesem Foto sitzt sie am Küchentisch und trinkt mit einem großen Lächeln auf ihrem Gesicht einen Milchshake. Er hat ihre Ausstrahlung und ihre Persönlichkeit wunderschön festgehalten. Ich habe nicht nur einen wunderbaren, liebenswürdigen, gütigen und starken Sohn, sondern auch einen sehr, sehr talentierten.
Wird fortgesetzt...
 Sie können Clinton Young unter chaos@1prison.com auf englisch mailen und unter Patricia_Krause@freenet.de auf deutsch. Achten Sie darauf Ihre Anschrift zu nennen, wenn sie eine direkte Antwort erhalten möchten, da die Insassen keinen Zugang zum Internet haben.

(zum Seitenanfang)

 

Unzensiert aus dem texanischen Todestrakt von Clinton Young

19. Juni 2005


Ich grüße alle!
Das Zitat für diese Woche stammt von Mahatma Gandhi: „Du musst die Änderung sein, die du in der Welt sehen möchtest.“
Eine andere Woche ist langsam vergangen. Es hat sich nicht viel verändert. Es war ziemlich ruhig hier.
Um etwas Positives zu berichten: Die Kräfte, die den Hof und die Trakte säubern sollten, haben wirklich gut geputzt! Sie haben sogar einen Hochdruckreiniger benutzt!
Aber auf der anderen Seite mussten wir die beiden letzten Male Johnny Sacks essen (ein Mittagessen, das in Beutel verpackt ist).
Es gibt nicht genug Beamte um die Gefangenen zu überwachen! Nicht mal die Typen in ihren grauen Anzügen wollen hier sein! Ich habe vor kurzem bemerkt, dass viele der Bediensteten faul geworden sind, nun, ich sollte sagen fauler! Wenn ein Verurteilter nach einem leitenden Angestellten fragt, kommt dieser nicht. Die leitenden Beamten sind aber eigentlich dazu da jedes potentielle Problem entschärfen. Wenn der leitende Beamte also nicht kommt, wird das Problem nicht gelöst!
Nun, wir wurden in den Todestrakt geschickt, da wir vermutlich so abgefuckt sind, dass wir nicht fixiert werden können, also muss man uns umbringen. Das soll heißen, dass wir keine Kontrolle über uns besitzen und nicht logisch denken können.
Wenn also ein leitender Beamte es nicht für nötig hält vorbeizukommen, um einen Konflikt zu lösen, dann muss der Verurteilte die Situation so lösen, wie er denkt. Wenn er ihn mit Gewalt löst, ist die erste Frage: „Warum haben Sie das gemacht?“ „Nun, wenn Sie ihren faulen Arsch hier runter bewegt hätten, dann hätten wir dieses Problem nicht“, ist normalerweise die Antwort.
In der Tat gibt es viele Gründe, die jemanden dazu brachten das zu tun, weshalb er sich nun hier befindet. Aber wie kann man jemanden nur nach seiner schlimmsten Tat beurteilen? Zum größten Teil ist das Leben im Todestrakt sehr passiv. Vielleicht zu passiv! Der Großteil war vorher noch nie eingesperrt! Die meisten standen unter Drogen als ihre Straftat passierte und/oder waren mit jemand anderem zusammen unterwegs. Also kann man den Gruppendruck noch hinzufügen. Ich weiß, dass man Kinderschänder und Serienmörder nicht dazu zählen darf, da sie ihre Straftaten normalerweise alleine begehen.
Man würde erwarten, dass es im Todestrakt sehr gewalttätig ist. Ich habe eine Erklärung von einem Kerl aus Huntsville, Texas in der Zeitung gelesen. Er sagte, dass jeder sehen könnte, wie gefährlich sie sind, wenn man den Todestrakt öffnen würde und jeder herumlaufen könnte! Armer Kerl. Ich muss ihm für seine Unwissenheit vergeben. Er weiß es nicht besser. Wenn man den Todestraktinsassen erlauben würde frei mit Messern und Scheren herumzulaufen – dann ja! Sehr scharfe Metallobjekte! 9 von 10 leitenden Beamten sind Frauen! Keine weiblichen Beamte wurden vergewaltigt und keine Beamten wurden jemals getötet. Aber weibliche Beamte wurden von normalen Gefangenen vergewaltigt!
Aber die Jungs im Todestrakt sind gefährlich! Ein Kerl, der sich in normaler Haft befindet, hat die Freiheit auf die er sich freuen kann. Ein Kerl im Todestrakt wartet darauf zu sterben! Er hat nichts zu verlieren. Also würde man erwarten, dass die Todestrakt-Insassen gewalttätiger sind. Aber das ist nicht der Fall.
Also macht die Tatsache, dass wir jetzt 23 Stunden täglich weggesperrt sind, keinen Sinn.
Die menschliche Gewalt ist ein gut erforschtes Thema. In einer kürzlich erschienenen Studie wurde herausgefunden, dass in 5 verschiedenen Kulturen „94%“ der Männer und „85%“ der Frauen zugaben, lebhafte Phantasien von Mord zu haben! Das hilft einem zu verstehen, warum es so viele Befürworter der Todesstrafe gibt und warum sie alle so erpicht darauf sind, uns umzubringen.
Als ich gerade erst hier angekommen war, schrieb mir ein Typ und sagte mir, dass ich mein Leben so schnell wie möglich Christus widmen sollte und meine Berufungen zurücknehmen sollte! Ich dachte mir, dass dieser Typ ein völliger Idiot sein muss! Genauso wie viele Leute denken, dass die Wärter, die hier beschäftigt sind, ihre Arbeit nicht wirklich mögen. Ja, genau! Sie MÜSSEN ja NICHT hier arbeiten! Wenn sie sagen, dass sie aus religiösen oder persönlichen Gründen die Todesstrafe nicht befürworten, dann müssen sie nicht hier arbeiten. Die meisten arbeiten hier, da sie A. denken, dass es cool ist, sie B. für die Todesstrafe sind und/oder C. sie zuviel Angst haben mit den normalen Gefangenen zu arbeiten. Einige haben gesagt, dass sie uns selbst hinrichten würden, wenn sie könnten.
Nun, es gibt vielleicht drei oder vier, die nicht in diese Kategorie passen. Die meisten kommen einfach nur zur Arbeit und belästigen niemanden. Ich habe sogar bemerkt, dass sich die Wärter im Großen und Ganzen nicht so einmischen, wie sie sollten.
Wie auch immer, zurück zum Thema Gewalt. Die Bibel sagt, dass man schuldig ist, wenn man nur daran denkt, etwas zu tun! Also sind die ganzen Leute, die darüber nachgedacht haben uns umzubringen nicht besser als die Männer, die in diesen Käfigen wohnen. Dasselbe gilt für diejenigen, die versuchen Todestraktinsassen dazu zu bringen ihre Berufungen niederzulegen! Einige glauben, dass Menschen von Natur aus gewalttätig sind und nur zur Passivität erzogen werden.
“Menschen biologisch betrachtet, und was sie sonst noch sein mögen, sind nur die schrecklichsten aller Raubtiere und in der Tat die einzigen, die ihre eigene Spezies systematisch töten.“ Das stammt von William James!
Das was ich am Interessantesten am Wesen des durchschnittlichen Befürworters der Todesstrafe finde ist, dass die meisten sehr selbstgerecht sind. Sie denken, dass sie richten und bestrafen können.
Friedrich Nietzsche sagte “Misstraut allen, die einen starken Impuls haben zu bestrafen.“ Das Schwarz-weiß-Denken ist das Produkt eines einfachen Denkens! Die meisten Leute, die für die Todesstrafe sind, halten an dieser Ideologie fest, da sie beigebracht bekamen für die Todesstrafe zu sein.
Konfuzius sagte: ”nur die weisesten und dümmsten Menschen ändern sich nie!” Jeder der im Schwarz-Weiß-Denken verhaftet ist, ist ganz sicher keine weise Person, z.B. „Er hat jemanden getötet, also muss er jetzt sterben!“
“Auge um Auge lässt die ganze Welt erblinden!”
Wenn man darüber nachdenkt jemanden umzubringen, egal wer es ist, dann ist man genauso schlecht wie die irrationale Person, die ihre Gedanken ausgeführt hat.
Nun eine Menge Menschen beurteilen andere Menschen nur nach ihrer schlechtesten Tat. „Die grausamen Gewohnheiten der Menschen schreiben wir auf Gedenktafeln, ihre Tugenden vergessen wir.“ – Shakespeare.
Was man berücksichtigen sollte ist, dass wenn die schlechteste Handlung eine Verhaltensweise darstellt, dass sich Menschen dann ändern können; sogar der Schlechteste der Schlechten.
Paulus aus der Bibel brachte viele Menschen um, aber wie oft wird er heute gepriesen und zitiert? Ihm wurde vergeben und er änderte sein Leben. Kann man einem Mann im Todestrakt nicht vergeben und kann dieser Mann nicht sein Leben ändern?
Wie ich schon zuvor geschrieben habe, sind viele Menschen selbstgerecht und denken, dass sie wichtig sind und dass sie über andere urteilen können.
Ich werde eine persönliche Geschichte mit euch teilen. Als ich ein Kind war, hatte ich keine anderen Kinder in meiner Nachbarschaft mit denen ich hätte spielen können. Meine Mutter und mein Stiefvater waren in der Tat das jüngste Paar der Nachbarschaft. Wir lebten in Nordost-Texas in einer Region, die die Kiefernwälder genannt wird. Wir lebten am Lake of the Pines.
Als ich ein Kind war, ging ich immer in die Wälder und rannte mit meinem Hund herum. Oft setzte ich mich hin, dachte nach und sah den Tieren zu. An einem bestimmten Tag als ich 8 oder 9 Jahre alt war, saß ich im Wald und schaute zwei spielenden Eichhörnchen zu. Ich begann darüber nachzudenken, ob die Eichhörnchen aufhören würden zu spielen, wenn ich genau in diesem Moment sterben würde. Was würde sich in dieser Welt ändern? Wer würde mich alles vermissen?
Meine kleine Schwester war zu jung. Sie war nur 1 oder 2 Jahre alt, also würde sie mich nicht wirklich vermissen. Ich kenne meine Tanten, Onkel und Cousinen nicht sehr gut. Die einzige Person von der ich dachte, dass sie durch meinen Verlust wirklich verletzt wäre, war meine Mutter. Aber sie wäre in der Lage weiterzumachen.
Die Welt würde nicht aufhören sich zu drehen. Also realisierte ich an diesem Tag, dass wir nicht so wichtig sind.
Wir sind nur wie ein kleines Staubkorn inmitten des Ozeans.
Die Wahrheit ist, dass die meisten Leute, die sterben, von der nächsten Generation vergessen werden. Wenn die Leute realisieren würden, dass sie nicht so wichtig sind und bescheidener wären, wäre diese Welt viel besser.
Wie viele Menschen könnt ihr nennen, die im Irak-Krieg gestorben sind? Ich meine einfach so aus dem Kopf! Wahrscheinlich keinen einzigen, wenn nicht ein Verwandter oder ein Freund gestorben ist. Aber wir können alle sagen, wer den Krieg begonnen hat.
Wieviele Präsidenten könnt ihr aus dem Kopf nennen? Mir fallen auf Anhieb nur 15 ein, obwohl Geschichte eines meiner Lieblingsfächer ist! Die meisten könnten nicht mal so viele nennen. Ich vermute sie sind einfach nicht so wichtig, huh?
Warum ich das alles geschrieben habe ist, dass ich denen eine Botschaft übermitteln möchte, die behaupten für die Todesstrafe zu sein. Was macht euch wichtiger als mich, was erlaubt euch über mich zu richten und mich zu verurteilen? Wenn ihr heute sterben würdet, würden nicht einmal die Eichhörnchen aufhören zu spielen!!
Nun zu anderen Dingen. Es gibt einen Kerl, der seit etwa 25 Jahren im Todestrakt sitzt. Seit er kam hat sich sein Geisteszustand stark verschlechtert. Sein Name ist Cesar Fierro #000650. Ihr könnt im Internet nach seinem Fall und seinem Geisteszustand schauen. Sein Anwalt sagte, dass er, sogar wenn er gute Nachrichten vom Gericht erhielt, einen Wutanfall bekam, Unzusammenhängendes schrie und den Telefonhörer gegen die Glasscheibe im Besuchsraum schlug. Der Kerl ist kaputt. Er ist sogar zu verrückt, um hingerichtet zu werden. Ich war für kurze Zeit sein Nachbar. Ich habe einige interessante Gespräche mit ihm geführt :-). Er bekommt nie Post. Er sitzt nur in seiner Zelle und unterhält sich mit seinem Spiegelbild in der Toilette. Manchmal brüllt er sich selbst an. Andere Male lacht er über sich selbst. Die meiste Zeit scheint er sich selbst genug zu sein.
Aber ich wollte die Leser wirklich um etwas bitten. Ich habe erwähnt, dass der Kerl keine Post bekommt. Also wenn es jemand dort draußen nichts ausmachen würde sich ein bisschen Zeit zu nehmen, um ihm eine Karte oder irgendetwas zu schicken, dass ihm Freude bereiten wird, dann würde mich das sehr freuen. Also wenn ihr alle eine Briefmarke übrig habt, schreibt dem Kerl ein paar Sätze. Er ist „nicht ganz bei Sinnen“, also wird er nicht antworten. Soweit ich weiß, kann er lesen.
Und an all die Idioten dort draußen, die denken dass sie ihn dazu bewegen könnten seine Berufungen niederzulegen – ihr könnt es genausogut aufgeben. Erstens ist er wohl unschuldig, zweitens ist er zu verrückt um seine Berufung niederzulegen und drittens ist er mexikanischer Staatsangehöriger also wird er in nächster Zeit nicht hingerichtet werden. Also an all jene, die man als Idioten bezeichnen kann: Verschwendet nicht eure Briefmarken!
Zu anderen Themen. Marina, ich habe deine e-mail, dein Buch und dein Shout Out erhalten. Danke für alle drei! Auch möchte ich dir für die Hilfe danken, die du Janice gibst. Ich weiß, dass sie sich darüber freut.
Sarah, ich habe deine e-mail auch erhalten. Du bekommst einen Brief.
Ich habe in einem der letzten Artikel darüber geschrieben, dass der Richter in meinem Fall eine illegale Anordnung erteilt hat, um das Vermögen meines Insassen-Kontos zu beschlagnahmen. Nun, ich habe einen Antrag mit der Hilfe eines anderen Insassen verfasst. Er hat ihn verfasst, ich habe ihn eingereicht. Nun, der Richter hat ihn abgelehnt. Das hat mir gezeigt, dass er befangen ist. Alle Informationen darüber und weitere werden auf der 1prison.com-Seite veröffentlicht werden.
Der Postservice hier ist besser geworden. Ich habe am 06.06.05 einen Brief an ein Postfach in Houston geschickt und die Antwort bereits am 08.06.05 erhalten. Ich war sehr überrascht.
Es scheint seit kurzem so, als wenn sie wieder so langsam austeilen würden wie früher. Es ist, als ob man auf einen Ziegenbock angewiesen ist, der auf Crack ist. Aber vielleicht liegt es auch an mir! Diese Zellen können einen verrückt machen.
Gestern Abend hat eine Beamtin, die in diesem Trakt arbeitet (sie hat nicht viel im Kopf, ich kenne ihren Namen nicht, aber sie wird wie wild, wenn sie jemanden durchsucht!) einem Typen sein Scheuermittel abgenommen, da er zuviel davon hatte und dann hat sie ihm damit gedroht ihm ein Disziplinarverfahren wegen zuviel Papier anzuhängen! Sie behauptete, dass er einige Zeitungen habe, die zu alt seien und konfiszierte sie.
Ich sehe also, dass meine Zeit auf Stufe 1 sehr kurz sein wird. Ich habe die Beamtin gefragt, ob sie sich dazu verpflichtet fühlt, andere zu belästigen. Ihre Entschuldigung war, dass die Wärter das Scheuermittel benötigen, um die Trakte zu säubern!
Ja, alles klar. Ich habe sie verdutzt angeschaut und bin von der Tür weggegangen. Mir ist es nicht möglich einige dieser Menschen wenigstens teilweise zu verstehen.
Ich höre die „Shout Out“-Show auf KDOL. Sie kann über das Internet gehört werden. Ich bin davon überzeugt, dass Suzanne die Adresse veröffentlicht hat (Anmerkung der Übersetzerin: www.radiocast24x7/kdol_launch). Das ist es, was diese Leute machen. Sie ermöglichen es einem die Stimmen von Leuten aus der ganzen Welt zu hören und helfen uns Insassen unsere Hoffnung aufrecht zu halten.
An all jene dort draußen, die den guten Kampf führen: bleibt dabei, bleibt zusammen und bleibt stark.
Ich richte meine Aufmerksamkeit auf das gesamte System, da die Probleme sich nicht nur auf die Polunsky Unit beschränken. Sie rühren von den Gerichtssälen, den Büros der Staatsanwälte, der Legislative, vom Gouverneur und dem gesamten Weißen Haus her. Wenn wir genug Leute zusammen bekommen, um unsere Stimme laut genug werden zu lassen, dann wird es eine Veränderung geben.
Ich hoffe, dass Präsident Bush und Gouverneur Perry nicht in der Lage sein werden, noch viel mehr Schaden anzurichten, bevor sie wieder aus ihrem Amt entlassen werden. Es wird nicht einfach sein.
Also seid stolz darauf, die Möglichkeit zu haben, das Schwierige in Angriff zu nehmen. Dem System kommt immer mehr Aufmerksamkeit zu. Aber wir können nicht aufhören, bis wir siegen. Ich möchte ein Zitat wiederholen, dass ich in der Vergangenheit bereits erwähnt habe. Es stammt von Winston Churchill: „Freiheit so hoch der Preis auch sein mag, Freiheit trotz des Terrors, Freiheit egal wie lang und hart der Weg dorthin auch sein mag, denn ohne Freiheit gibt es kein Überleben.“ Nutzt den Schmerz, um das Feuer anzufachen, das in euch brennt. Richtet diese Energie auf den Erfolg.
Ich habe eine Frage an alle Befürworter der Todesstrafe dort draußen und an amerikanische Patrioten, die dieses Land und seine Verfassung lieben. Die Verfassung besagt, dass ein Angeklagter einen fairen Prozess erhalten muss. Würdet ihr nicht zustimmen? Wenn eine Person keinen fairen Prozess bekommen würde, glaubt ihr nicht, dass er entlastet werden sollte und einen neuen Prozess bekommen müsste, so dass seine verfassungsgemäßen Rechte aufrecht erhalten werden? Man kann nicht den zweiten Zusatzartikel haben und den sechsten nicht. Sie gehören alle zusammen! Alles oder nichts!
Steht gerade, lasst nie nach und gebt nie auf.
Clinton Young
#999447
Polunsky Unit
3872 F.M. 350 South
Livingston, TX 77351
USA

Dies ist der zweite Teil des Berichts von Irene Rekitzke über die letzten Tage ihres Sohnes Richard Cartwright:
Am Sonntag gibt es keine Besuche. Normalerweise kann ein Insasse einen regulären Besuch und einen „special visit“ in der Woche erhalten, vorausgesetzt er befindet sich auf Stufe 1 – das ist die Stufe für die Gefangenen, die nicht in Schwierigkeiten geraten. Bei jedem Besuch können bis zu zwei Besucher dort sein, vorausgesetzt sie befinden sich auf der Besuchsliste des Gefangenen. Ein regulärer Besuch dauert zwei Stunden. Ein „special visit“ besteht aus zwei vierstündigen Besuchen an aufeinanderfolgenden Tagen. „special visits“ dürfen nur die Besucher machen, die mehr als ca. 560 km für einen Besuch anreisen müssen. Die Insassen dürfen nur einen „special visit“ im Monat erhalten.
In der Woche, für die die Hinrichtung angesagt ist, kann der Insasse zwei volle Tage Besuch empfangen und am Tag der Hinrichtung dann 4 Stunden. Jeder, der sich auf der Besucherliste des Insassen befindet (die Liste kann bis zu 10 Namen beinhalten), kann an diesen Tagen kommen. Rich war es erst 9 Tage vorher, am 5. Mai, erlaubt, seine Liste zu ändern. Normal kann ein Gefangener seine Liste nur alle 6 Monate ändern, aber da er hingerichtet werden soll, ist es ihm erlaubt, sie 2 Wochen vor seiner Hinrichtung zu ändern. Er wurde am 5. Mai ins Büro gerufen, um seine Liste zu ändern und um sie wissen zu lassen, was er als letztes essen möchte. Es war ziemlicher Stress für ihn, da er einige Leute hinzufügen musste, die ihn sehen wollten und er war besorgt, dass er jemand Wichtiges vergessen würde. Bei einem früheren Besuch erzählte er mir, dass er so nervös war, dass er vergessen hat um panierte Schweinekoteletts mit Pilzsoße zu bitten und stattdessen Cheeseburger und gebratenes Hähnchen verlangt hat!
Wie ich bereits zuvor erwähnt hatte, gibt es sonntags nie Besuch. Also bin ich am Sonntag losgegangen und habe meine Enkelin Ricki abgeholt. Wir sind zusammen mit Jennie, einer von Richs Freunden, zur Kirche nach Livingston gefahren. Pfarrer John Wood ist dort der Jugendpfarrer und ich habe ihn durch den KDOL Radiosender in Livingston getroffen. Er macht dort eine christliche Show und die „Shout Out“-Show am Sonntag abend, in der man anrufen oder eine e-mail an die Insassen versenden kann. Es ist ein sehr spezielles Programm, das es Leuten wie mir ermöglicht, meinen geliebten Sohn zu „berühren“, der Meilen entfernt ist. Ich kann mir die Show dann auf meinem Computer über das Internet anhören.
Nachdem wir die Kirche und die beschützende Gemeinde verlassen haben, gehen Ricki, Jennie und ich zu KDOL um eine spezielle Botschaft für Rickis Pappi aufzunehmen. Die Jungs beim Sender sind so herzlich und liebevoll. Sie haben ein wunderbares Essen für uns vorbereitet, sogar mit Schinken und allen Beilagen, die dazugehören. Es gibt sogar selbst gemachten Bananencreme-Kuchen. Nach dem Essen können wir die persönliche Botschaft an Rich aufnehmen und später wird sie in der „Shout Out“-Show am Sonntagabend ausgestrahlt werden; gemeinsam mit den Liedern, die wir ausgewählt haben. Ricki wählt wie immer das Lied „Butterfly Kisses“. Es macht ihren Papi fröhlich und traurig. Fröhlich, weil es ihn an sie erinnert und traurig, da er nicht bei ihr sein kann. Bittersüß. Es macht es süßer, als man sie sagen hört: „Butterfly kisses, Papi. Ich liebe dich. Das war Ricki.”
Als wir uns unterhalten, spielt Ricki mit einem 12 Wochen alten Welpen und schaukelt hoch auf der Schaukel im Hinterhof. Sie ist ein typisches kleines Mädchen, die sich der Traurigkeit und der Befürchtungen der Menschen um sie herum nicht bewusst ist. Eine der persönlichen Botschaften für Rich an diesem Tag wird ihm berichten wie glücklich Ricki ist, als sie mit „ihrem“ Welpen Hannah schaukelt. Es ist ein wunderschöner Tag und sein kleines Mädchen spielt fröhlich mit einem Welpen, pflückt Blumen und verteilt sie, während ihr das alles einen Riesen-Spaß bereitet. Rich wird mir morgen erzählen, wie sehr diese Beschreibung der Fröhlichkeit seiner Tochter seinen Abend erhellte.
Zu früh ist es Zeit Ricki nach Hause zu bringen, da sie am Montag wieder in die Schule muss. Dann begebe ich mich zum Flughafen, um meine Nichte abzuholen, die von Chicago herfliegt. Schließlich ist es Zeit schlafen zu gehen und sich auf die längste, aber irgendwie auch kürzeste Woche meines Lebens vorzubereiten.
Am Montag besuchen wir Rich von acht Uhr morgens bis 17 Uhr. Rich ist verärgert, als sie ihn herausbringen, da es bereits 8.55 Uhr ist. Er hat eine wertvolle Stunde Besuchszeit verloren und ist darüber nicht glücklich. Die Wärter erzählen ihm, dass sie mit anderen Dingen beschäftigt waren. Wir sind hier gemeinsam mit der Familie von Bryan Wolfe. Bryans Termin in der Hinrichtungskammer ist am 18. Mai – einen Tag vor Rich. Wir sind zwei Familien, die auf eine Art und Weise miteinander verbunden sind, die wir nie vergessen werden. Im Besuchsraum ist es eiskalt. Mir ist sowieso ständig kalt, aber diese Kälte geht darüber hinaus. Ich trage ein T-Shirt, einen Pullover und Jeans, aber mir ist immer noch kalt. Meine Nichte leiht mir einen schwarzen Fleece-Poncho, so dass ich wie ein Kreuzfahrer mit Umhang aussehe. Es sieht vielleicht seltsam aus, aber mir ist warm.
Meine Nichte Layne und ich besuchen Rich und später an diesem Tag werden seine Freundin Jennie aus Michigan und seine beste Freundin Missy Mouse aus Minnesota dazustoßen. Wir wechseln uns am Fenster ab, da sich nur zwei Leute gleichzeitig unterhalten können. Rich ist besonders glücklich Missy zu sehen. Sie hat ihm in vielen Jahren den nötigen Rückhalt gegeben.
Missy hat eine Steppdecke mitgebracht, um sie Ricki zu geben. Missys Mutter hat sie daheim in Minnesota nur für Ricki gemacht. Auf der Rückseite befindet sich ein Brief, den Rich an Ricki geschrieben hat und der aussagt, wie sehr er sie liebt. Darin steht:
Der 17. Januar 1997 war der glücklichste Tag in meinem Leben. Ricki, du hast soviel Liebe in mein Leben und in mein Herz gebracht. Prinzessin, ich liebe dich so sehr, bitte zweifle nie daran. Ich weiß, dass ich nicht für dich da war, wie es ein Daddy für sein kleines Mädchen sein sollte, aber du musst wissen, dass du jeden Morgen stets mein erster Gedanke bist und dass ich dich jeden Abend in mein Gebet einschließe, bevor ich mich schlafen lege. Prinzessin, ich werde über dich wachen, bitte behalte mich in deinem Herz, so wie du dich ewig in meinem befinden wirst.
In Liebe,
Daddy
2005
Missy hat Rich letzte Woche Bilder zugesandt, aber er hat sie noch nicht erhalten. Sie möchte unbedingt, dass er sie sieht, um die wunderschöne Arbeit ihrer Mutter mit ihm zu teilen und um ihn wissen zu lassen, dass seine Tochter immer wissen wird, wie sehr er sie liebt. Sie geht hinaus zu ihrem Auto und versucht die Decke hineinzubringen, indem sie sagt, dass es im Besuchsraum kalt ist (wie wahr) und dass wir etwas brauchen, um uns zu wärmen. Diese Bitte wird ihr abgeschlagen und die Decke wandert zurück in den Kofferraum.
Wir kaufen zweimal Essen für Rich. Das zweite Mal ist nur erlaubt, da es sich um einen ganztägigen Besuch handelt. Wir verbringen unsere wertvollen Minuten damit, über Rich zu sprechen, seine lustigen und traurigen Geschichten über das Leben im Todestrakt zu hören, wir teilen unsere Sorgen und Triumphe und versuchen das Bild seines Lachens und seines Lächelns in unsere Herzen und unser Gedächtnis zu brennen. Es ist schwer zu begreifen, dass dieser wundervolle Mann in wenigen Tagen von uns genommen werden könnte. Dann ist unser Besuch zu früh, viel zu früh, vorbei.
Ihn zu verlassen ist immer so schwer, aber jetzt ist es noch schwieriger, da wir wissen, dass es nicht mehr viele Abschiede geben wird. Wir haben jedoch immer noch Hoffnung, da der Supreme Court zur Zeit seinen Fall behandelt und sie die Petition, die Jared Tyler vom Texas Innocence Project vorbereitet hat, noch nicht abgewiesen haben. Je länger sie brauchen, umso größer wird unsere Hoffnung. Wir denken, dass es bedeutet, dass sie wirklich über das Thema beratschlagen, das zur Sprache gebracht wurde und seine Werte beachten. Also gibt es einen kleinen Sonnenstrahl, der die Wand der Dunkelheit erhellt, die uns umgibt, ein Sonnenstrahl, der uns nicht aufgeben lässt.
Es ist Montag abend und ich gehe zurück zum Flughafen um Richards Schwester Diane abzuholen, die aus Chicago ankommt. Sie hat ihren Bruder seit über einem Jahr nicht gesehen und freut sich sehr darauf ihn morgen zu sehen. Allerdings hat sie auch Angst davor, da sie den Grund für diesen Besuch kennt.
Es ist Dienstag und wir sind wieder sehr früh wach. Diesmal wartet Rich im Besuchsraum, als wir eintreten. Er hat ein großes Lächeln auf dem Gesicht. Er erzählt uns sofort, dass er einen Aufruhr veranstaltet hat und um etwa 7.45 Uhr nach den Aufsehern gerufen hat – Bryan Wolfe habe dasselbe getan. Sie wollten heute nicht wieder wichtige Zeit mit ihrer Familie verpassen! Es hat funktioniert. Sie sind rechtzeitig draußen und verlieren keine Zeit. Er lässt uns auch wissen, dass er Missys Brief mit den Bildern der Decke erhalten hat. Es ist nicht so, als wenn er sie in echt gesehen hätte, aber er freut sich dennoch sehr. Ricki wird sich wörtlich in seine Liebe einwickeln können.
Heute ist ein guter Besuchstag. Rich hat einige persönliche Zeit mit seiner Schwester und sie haben die Möglichkeit besondere Gedanken miteinander zu teilen und über ihre Gefühle zu sprechen. Während ihrer ganzen Kindheit hatten sie eine Beziehung, die zugleich von Hass und Liebe geprägt war. Sie haben wie Hund und Katze miteinander gestritten, aber sie standen immer gemeinsam gegen andere, die versuchten sich mit einem von ihnen anzulegen. Heute vertragen sie sich sehr gut.
Richs Freunde im Todestrakt haben Pläne geschmiedet um Rich diese Woche zu unterstützen, indem sie zu Besuchen in den Besuchsraum gebracht werden, wenn Rich mit seiner Familie dort ist. Als sie den Raum verlassen, um zurück in ihre Zellen zu gehen, kommen sie rüber zu der Zelle, in der Rich sich befindet. Sie halten an und stecken ihre Finger durch das Metallgitter der Tür hinter Rich. Sie sagen Dinge wie „Bleib stark“, „ich liebe dich Bruder“, „verlass uns nie“ und berühren seine Hände und Finger. Manchmal, wenn einer zurück zu seiner Zelle geht kann man hören, wie sie dem Wärter erzählen, dass sie zu Rich rübergehen und der Wärter sagt nein. Als nächstes hört man „Pass auf“, und dann kommen sie rüber. Ein Typ sagt „Was wollen Sie machen? Alle Besucher mit Pfefferspray vollsprühen?“ und rüber kam er. Es sind mindestens 15 Männer, die das tun. Es wird mir warm ums Herz, die Liebe und den Respekt zu sehen, die sie Richard entgegenbringen. Ich weiß, dass auch er die Darbietung ihrer Unterstützung genießt.
Wir bemerken, dass nicht viele bei Bryan Wolfes Zelle vorbeigehen und das macht uns traurig. Jeder braucht in einer solchen Zeit Unterstützung. Wir versuchen seine Familie so gut zu unterstützen, wie wir können. Sie machen dasselbe für uns.
Ich muss um 13.50 Uhr gehen – aus einem ganz speziellen Grund. Ich werde sein ganz besonderes Mädchen abholen – seine Tochter Ricki. Sie hat um 15 Uhr Schule aus und ich muss ihre Mutter abholen, so dass wir sie um 15 Uhr von der Schule abholen und sie zum Besuch mit ihrem Daddy bringen können. Es ist etwas Besonderes für beide. Ricki freut sich so darauf ihren Daddy zu besuchen und sich im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit zu befinden. Sie weiß nicht viel, aber sie ist der Mittelpunkt seiner ganzen Welt! Rich schätzt ihre Besuche mehr als alles andere, da es eine Möglichkeit ist, ein Teil ihres Lebens zu sein, sie wissen zu lassen, wie sehr sie geliebt wird und die Dinge zu teilen, die sie liebt.
Wir sind zurück und es ist etwa 15.40 Uhr. Pfarrer John, der Jugendpfarrer der Kirche in Livingston und der Ansager der „Shout Out“-Show ist dort. Ich habe vor kurzem Direktor Hirsch gefragt, ob Pfarrer John Rich besuchen könnte. Seine Radioshow hat Rich bewegt und er begrüßte die Möglichkeit ihn zu treffen, besonders als er herausgefunden hatte, dass Pfarrer John lange Haare hat und Motorrad fährt. Als Pfarrer John mich sieht, steht er auf und umarmt mich. Seine Unterstützung bedeutet uns allen sehr viel. Er hat die letzten zwei Stunden Rich besucht. Rich erzählt mir später, dass Pfarrer Jones ihm von WWJD – What would Jesus do – erzählt hat und meinte, dass ihm das helfen würde sein Leben richtig zu leben. Rich mag es wirklich.
Als ich Pfarrer John begrüßte, ging Ricki nach vorne ans Fenster. Niemand bemerkt es. Wir drehen uns alle um, um Rich zu begrüßen, aber wir lassen sie die meiste Zeit mit ihrem Dad verbringen. Es ist schön ihnen zuzusehen und die Freude in ihren Gesichtern zu sehen. Sie lächeln, sie lachen, sie halten an der Glasscheibe ihre Hände, sie reden miteinander, als wenn es kein Morgen gäbe... Schließlich kommt der Wärter vorbei und sagt „noch 10 Minuten“. Das bedeutet, dass unsere Besuchszeit fast vorbei ist. Rich ist plötzlich von dem Gedanken ergriffen, dass er sein geliebtes kleines Mädchen in dieser Welt vermutlich nicht mehr sehen wird. Es ist in seinem ganzen Gesicht zu sehen. Ich habe noch nie zuvor einen solchen Ausdruck von bloßem Entsetzen und Schmerz in seinem Gesicht gesehen. Er sagt ihr, wie sehr er sie liebt und fragt: „Liebst du mich Ricki?“ „Ja, Daddy, ich liebe dich“, antwortet sie mit einem riesigen Lächeln. Er sagt ihr, dass sie immer brav sein soll und auf ihre Mami hören soll. Sie sagt: „Ja, Daddy, das mache ich immer.“ Er fragt sie: „Wirst du mich immer lieben Ricki, immer und ewig?“ Sie sagt wieder: „Ja, Daddy. Ich liebe dich, immer und ewig.“ Die Tränen sind tief in ihm und zeigen sich nun in seinen Augen. Er fragt: „Wirst du mich immer in Erinnerung behalten Ricki, auch wenn ich nicht da bin?“ Ricki sagt: „Ja, Daddy. Du wirst hier sein und ich werde mich immer an dich erinnern.“ Sie kündigt dann an, dass sie auf die Toilette muss und geht.
Wir sitzen dort, wie betäubt. Zu furchtbar, um es in Worte zu fassen, zu viel Schmerz, zu viel zu begreifen.
Ricki kommt zurück und der Wärter sagt: “Die Zeit ist um.”. Ricki rennt an das Fenster und ich sage ihr, dass sie sich verabschieden soll. Der Wärter sagt wieder, dass es Zeit ist zu gehen. Ich hebe Ricki an die Scheibe und sie gibt ihrem Daddy einen Kuss. Sie sagt: „Butterfly kisses Daddy. Ich liebe dich.“ Dann wirft sie ihm Küsse zu. Jetzt müssen wir wirklich gehen.
Als wir hinausgehen, dreht sich Ricki um und fährt fort, ihrem Daddy zu winken und ihm Küsse zuzuwerfen. Als wir darauf warten, dass die Türen geöffnet werden, fährt sie fort ihm zu winken und ihm Küsse zuzuwerfen. Den ganzen Weg durch die gläserne Eingangshalle wirft sie ihm Küsse zu und winkt. Der Knoten in meiner Kehle ist riesig. Ich kann kaum sprechen. Jeder fühlt das Gleiche. Nur Ricki, in ihrer Unschuld, läuft fröhlich und redet, schaut auf die Rosen und freut sich auf das nächste Abenteuer in ihrem jungen Leben. Unschuldig, ohne Vorstellung, dass sich ihr Leben in den nächsten zwei Tagen dramatisch ändern könnte.
Wir gehen nach draußen und ich bringe Ricki nach Hause, so dass sie bei ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und ihrem kleinen Bruder sein kann. Ihr geht es gut. Mir nicht. Ihrer Mutter geht es ebenfalls nicht gut – sie bricht in Tränen aus. Wir wissen, dass die Zukunft nicht gesichert ist. Unsere Traurigkeit ist beinahe überwältigend.
Am Mittwoch dürfen wir einen “special visit” machen – meine Tochter, meine Nichte und ich. Es ist eigentlich nicht vorgesehen, aber Direktor Hirsch und Major Nelson haben es erlaubt. Also haben wir Glück, dass wir hier sein können. Das Traurige am heutigen Tag ist, dass wir wissen, dass es der letzte Tag für Bryan Wolfe ist. Es ist sein Hinrichtungstermin. Unsere Familie hat einen unglaublichen Besuch, vor allem wegen Richs wunderbarer Stimmung und Stärke. Er erzählt uns lustige Geschichten und erinnert uns an gute Zeiten, die wir gemeinsam verbracht haben. Er und ich unterhalten uns über Streits zwischen ihm und seiner Schwester, als wir am Lake Michigan fischten und über seinen geliebten Golden Retriever Madison. Wir sprechen über meinen Garten, seine Lieblingsessen und den Witz, den er gemacht hat, als sie ihn fragten, was er als letzte Mahlzeit möchte. Er sagte ihnen, dass er den Hackbraten seiner Mutter möchte. Sie entschuldigten sich, sagten ihm, dass das nicht möglich sei und es tat ihnen leid. Er lächelte, da er lieber nichts essen würde, als meinen Hackbraten. Er hat ihn immer gehasst!
Wir unterhalten uns heute auch über Ricki. Es war für ihn gestern so schwer sich zu verabschieden. Er sagt, dass er mich beinahe gefragt hätte, ob sie heute oder am Donnerstag noch einmal vorbeikommen kann, aber jetzt möchte er es nicht. Er sagt, dass er sich nicht noch einmal von ihr verabschieden könnte. Es war zu schwer. Ich sage, dass ich das verstehe. Wisst ihr, ich sehe auch der Zeit entgegen, in der ich meinem Kind für immer Lebewohl sagen muss. Er nickt, da er weiß, wie ich mich fühle.
Viel zu früh sind unsere 4 Stunden fast vorbei. Am Mittwoch ist Pressetag, also enden alle Besuche um 12 Uhr. Für Bryan Wolfe ist es der letzte Besuch mit seiner Familie, der endet. In der letzten Stunde sehen wir zu, wie jedes Mitglied von Bryans Familie an das Fenster tritt um sich zu verabschieden und dann geht. Am Ende ist nur noch seine Freundin, Margerite da. Jeder geht mit Tränen und wir sehen stumm zu, stehen auf und umarmen sie, wenn sie es brauchen, geben ihnen Taschentücher, teilen ihren Schmerz und ihre Trauer, wissend, dass unser Tag morgen sein wird. So viel Trauer, so viele Opfer.
Schließlich kommen der Direktor, Major Nelson und mehrere Wärter, um Bryan abzuholen. Seine Zeit in der Polunsky Unit ist vorbei. Er wird zum Todeswagen gebracht und beginnt seine Reise in die Walls Unit (Huntsville). Wir sehen zu, wie alles vor sich geht. Es erscheint einem wie in Zeitlupe. Ich weiß, dass mein Herzschlag sich verlangsamte, bis er fast nicht mehr vorhanden war. Ich halte seine Freundin, als er verschwunden ist. Alles um uns herum scheint mit schrecklicher Normalität seinen Gang zu gehen. Ich möchte schreien: „Wisst ihr nicht, was passiert? Könnt ihr es nicht sehen?“, aber ich mache es nicht. Jeder weiß es, es ist nur ihre Art damit klar zu kommen, so zu tun, als ob es nicht passiert. Wenn es Bryan nicht passieren kann, kann es auch keinem anderen passieren.
Und schließlich ist es unsere Zeit zu gehen. Noch einmal Lebewohl sagen nach diesem Abschied und wir werden Bryans Familie in die Walls Unit folgen, nur 24 Stunden später. So sinnlos. So traurig. So schrecklich.
Wir gehen und begeben uns auf den Weg nach Huntsville, zur Walls Unit. Wir wissen, dass sich dort bei jeder Hinrichtung eine kleine Gruppe von Demonstranten befindet und wir beabsichtigen uns ihnen heute anzuschließen und Bryans Familie zu unterstützen. Wir finden das Eck zwischen dem Verwaltungsgebäude und der Walls Unit, an dem sie stehen. Als wir ankommen, ist dort nur eine Person. Am Ende wächst die Gruppe auf etwa 20 an, uns eingeschlossen. Wir sehen zu, wie Bryans Familie vom Verwaltungsgebäude über die Straße zur Walls Unit gebracht wird. Die älteren Demonstranten erklären mir, dass das bedeutet, dass die Hinrichtung durchgeführt wird. Ich bin zutiefst traurig, als ich zusehe, wie sie die steilen Stufen zur Hinrichtungskammer hinaufgehen.
Nur 20 Minuten später kommen sie wieder die Stufen hinunter. Es ist vorbei. Bryan hat diese Welt verlassen und ist in eine andere gegangen. Nie wieder wird seine Familie seine Stimme hören oder von ihm Trost zugesprochen bekommen. Es gibt keine Hoffnung mehr, dass er jemals wieder nach Hause zurückkehrt. Seine Freundin Marguerite kommt über die Straße um ihre Freunde zu finden und umarmt mich. Ihr Herz ist gebrochen. Sie sagt zu mir, dass sie heute Abend für mich und meine Familie beten wird. Ich sage ihr, dass wir dasselbe für sie und ihre Familie machen werden.

Ich frage die Demonstranten, wie die Leute so nahe an der Walls Unit leben können, ohne verrückt zu werden. Sie sagen, dass sie die Unit nicht einmal sehen oder wahrnehmen, was darin vorgeht. Sie gehen ihren täglichen Pflichten nach, ignorieren die Demonstranten an der Ecke und gehen nach Hause um das Abendessen für ihre Familien zu bereiten. Ich nehme an, dass man vielleicht etwas für immer aus seinen Gedanken vertreiben kann, wenn man vorgibt, dass es nicht existiert.
Schließlich ist es vorbei und jeder geht nach Hause. Wir gehen zu KDOL, dem Radiosender, um Rich eine weitere Nachricht zu senden. Die wundervollen Menschen bei diesem Sender haben heute Abend eine spezielle „Shout Out“-Show nur für Rich gemacht, während wir bei der Demonstration waren. Sie fing um 16.30 Uhr an und sollte eine Stunde dauern. Jedoch findet sie immer noch statt, da so viele Menschen schreiben und so viele anrufen. Wir hatten zuvor eine Botschaft für ihn aufgenommen und diese wurde auch gespielt, die von Ricki, seiner geliebten Tochter, eingeschlossen. Als wir vorbeigehen geben sie uns eine Kopie des Programms, dass sie bis jetzt aufgenommen haben, so dass wir es uns immer anhören können. Es ist etwas, das ich immer als einen Schatz behalten werde.
Schließlich ist es Zeit zu schlafen. Meine Tochter, Nichte und ich teilen uns ein Zimmer. Wir schlafen ein, während wir der „Shout out“-Show zuhören, die auf meinem Laptop spielt. Ich bin froh, dass Rich heute abend durch die Liebe und die Unterstützung von buchstäblich hunderten von Leuten aus der ganzen Welt getröstet wurde. Ihre Worte und ihre Musik trösten uns, als wir einschlafen.
Um 1.20 Uhr ruft mich eine nette Frau aus Südafrika auf meinem Handy an. Sie möchte mir nur sagen, dass ich stark sein soll und dass sie für uns alle betet. Ich danke ihr und bitte sie fortzufahren für uns und Rich zu beten. Sie verspricht mir das zu tun.
Von da an hatte mich der Schlaf verlassen. Ich kann nur hier liegen und stumm nach Gott schreien, ihn anflehen meinen Sohn zu verschonen, aber ihm über meine Gebete sagen, dass ich weiß, dass er einen Plan hat, den ich nicht verstehen kann und dass ich seinen Willen akzeptiere. Ich sage ihm, dass ich weiß, dass er Rich sogar mehr als ich liebt, obwohl ich glaube, dass vermutlich niemand Rich mehr lieben könnte als ich. Wie ich so weine und bete, geht die Nacht langsam in den Sonnenaufgang über. Als die Schwärze der Nacht sich in Grau verwandelt, sehe ich durch das Fenster dem Sonnenaufgang zu – Richs letztem Sonnenaufgang. Mein Herz bricht, aber ich muss stark sein. Rich wartet auf uns.

Wir gehen wieder zur Polunsky Unit. Heute werden wir von zwei weiteren Freunden begleitet: Suzanne und Paula. Paula ist die Frau von Richs bestem Freund Paul. Rich und Paul waren Zellennachbarn in der Ellis Unit. Pauls Todesstrafe wurde vor einigen Jahren umgewandelt. Rich hatte sich so für Paul gefreut. Rich und Paul haben immer noch eine starke, brüderliche Bindung und Respekt voreinander. Rich trägt zwei Kreuze, eines das er selbst gemacht hat und eines, das Paul gemacht hatte und es Rich geliehen hat.
Heute ist Rich wieder rechtzeitig da. Rich ist besorgt darüber die Telefonnummern zu erhalten, die er braucht um die Leute anzurufen, wenn er sich schließlich in der Walls Unit befindet. Wenn unser Besuch um 12 Uhr endet und sie ihn in die Walls Unit bringen, können wir ihn bis zur Hinrichtung nicht mehr sehen. Jedoch wurde uns gesagt, dass er zwischen 14 und 17 Uhr die Möglichkeit hat, Menschen anzurufen und mit ihnen am Telefon zu sprechen, uns miteingeschlossen. Ich habe die Telefonnummern aufgeschrieben, aber sie dürfen ihm das Papier nicht geben. Er fragt einen Wärter, ob er ihm seinen Stift leiht, dann zerreißt er die Essenstüte, die sie ihm mit dem Essen gegeben haben, das wir früher während unseres Besuches für ihn gekauft hatten. Er schreibt alle wichtigen Telefonnummern auf. Rich zeigt Paula seine Kreuze. Er trägt zwei: eines, das er gemacht hat und eines das ihm sein Freund und „Bruder“ Paul gegeben hat. Rich sagt Paula, dass sie Paul sein Kreuz zurückgeben muss, wenn er hingerichtet wird. Das haben Rich und Paula bereits seit langem ausgemacht. Rich erzählt Paula von den beiden Kreuzen. Die Socken, die sie in der Verpflegungsstelle verkaufen sind weiß mit einem schwarzen Rand. Die Kreuze sind aus dem Garn von aufgetrennten Socken gemacht. Sie hängen an einer langen, schwarz-weißen Kordel und am Ende befindet sich ein schwarz-weißes Kreuz. Es ist eine mühevolle Arbeit und er ist sehr stolz darauf.
Seine Cousine und Freundin spricht mit Direktor Hirsch und versucht ihm ein Telefongespräch mit seinem Freund Paul in der Durrington Unit zu ermöglichen. Diese Anfrage wird an den Direktor über den Seelsorger gemacht. Am Ende stimmt Leiter Briscoe von der Polunsky Unit zu und der Leiter der Durrington Unit stimmt zu, aber Leiter O’Reilly von der Walls Unit stimmt nicht zu. Später werde ich ihn anrufen und ihn fragen warum und er wird mir dreimal sagen dass der Grund ist, dass er „es so gesagt hat“. Einmal hat er sogar hinzugefügt: „Verstehen Sie kein Englisch?“ Ist das nicht ein toller Grund einen letzten Willen nicht zu gewähren? Ziemlich unergründlich, was?
Seine Telefonnummern in der Hand haltend, setzt sich Rich um sich mit uns zu unterhalten. Er bittet uns ihm nicht zuviel Essen zu geben, da er vorhat seine letzte Mahlzeit zu genießen – gebratenes Hühnchen und ein Cheeseburger. Er wollte eigentlich panierte Schweinekoteletts mit Pilzsoße, aber vergaß es zu bestellen, als er gefragt wurde. Aber er freut sich dennoch auf das, was er bestellt hat. Außerdem erzählt er mir, dass er sein Eigentum zusammengepackt hat und dass sie es mir in der Walls Unit geben werden. Rich sagt, dass er seine Kleidung und alle Dinge, die er vom Gefängnis erhalten hat, weggegeben hat und nur persönliche Dinge für mich behalten hat. Er möchte für jeden im Todestrakt sorgen, der stets sein Leid mit ihm geteilt hat. Die Männer sorgen füreinander. Wenn einer etwas hat und ein anderer nichts, dann muss niemand leer ausgehen.
Er erzählt mir, dass sie seine letzten Briefe nicht abgeschickt haben, also werde ich diese auch erhalten. Ich muss sie für ihn abschicken. Er spricht heute wieder über Ricki und bittet mich bitte, bitte das Treuhand-Konto so schnell wie möglich aufzusetzen. Die Leute haben ihm geschrieben und ihn gefragt, was er braucht und was sie für ihn tun können. Er sagt ihnen, dass Tina Church alles tut, was in ihrer Macht steht. Er sagt mir, dass er sicher sein möchte, dass für Ricki gesorgt wird und dass sie eine gute Ausbildung erhält, da er nicht da sein wird, um das für sie sicherzustellen. Er hofft, dass die Menschen, die ihn unterstützt haben Geld für Rickis Treuhandkonto spenden werden, so wie er es sich vorstellt. Es bricht mir das Herz, aber ich höre zu und verspreche ihm, dass ich alles machen werde. Seine Cousine ist Anwältin und sie hat daran gemeinsam mit einem Freund gearbeitet.
Wir sprechen über seine Beerdigung. Ich weiß bereits, wie er es sich vorstellt, aber er sagt mir wieder, dass er Feuer bestattet werden möchte und dass seine Asche dann auf dem Lake Michigan verteilt werden soll. Er sagt er möchte nicht, dass irgendjemand zu einem Garten voller Steine gehen muss um zu trauern. Er möchte hingegen, dass man zum wunderschönen Lake Michigan geht, sein Leben feiert und dort an ihn denkt, während man der Kraft des Wassers zusieht und der Schönheit der Sonne, die vom Wasser reflektiert wird. Er liebt das Wasser immer noch, so wie es schon immer war. Eine seiner schönsten Erinnerungen ist das gemeinsame Fischen mit seinem Vater am Lake Michigan.
Wird fortgesetzt...

Das Folgende wurde von Robert Shields #999166 verfasst, der auch unter http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendID=14901564&Mytoken=2005062712404  gefunden werden kann. Danke dir vielmals Scott, dass du Robert dabei hilfst seine Beiträge auf „Uncensored“ zu veröffentlichen.
Etwas zum Nachdenken von Robert Shields
Könnt ihr euch daran erinnern, als ihr dachtet ihr würdet ewig leben? Dass ihr alles machen könntet? Damals als ihr unbesiegbar wart, unzerstörbare 3 Meter groß und unverletzlich. Damals als ihr euch noch vorkamt wie Männer aus Stahl.
Dem eigenen Tod gegenüberzustehen ist verrückt und erschreckend? Viele Menschen müssen das nie tun und andere hatten viel Zeit sich darauf vorzubereiten.
Dann sind da noch wir, über die der Tod viel zu früh kommt. Die von uns, die noch soviel Leben in sich haben werden nie die Chance haben es zu nutzen.
Für mich ist es, als wenn ich am Rand der Welt stehen würde und nahe daran bin herunterzufallen. Als wenn ich viel zu spät herausfinde, dass sie wirklich flach ist.
Vor einigen Wochen habe ich ein unglaubliches Beispiel von Menschen gesehen, die sich ihrem eigenen Tod gegenüber sehen und ich wollte dies mit euch teilen.
Hier im Todestrakt sieht man nicht viel, wenn man aus den kleinen Fenstern schaut, da sich direkt gegenüber das restliche Gefängnis befindet. Das hält uns jedoch nicht davon ab nach draußen zu schauen. Die ganze Woche lang hatten wir dem Vogel zugesehen, wie er ein Nest in der Regenrinne am Gebäude gegenüber von uns baute. Ich saß gerade hier, hier in meiner eigenen kleinen Welt, und hörte Radio, als ich höre, wie alle Nachbarn gegen ihre Fenster schlagen und jemanden anschreien. Ich steige zum Fenster hoch, um zu sehen was los ist. Und was sehe ich? Ein normaler Gefangener spritzt das Nest dieses Vogels herunter.
Was machte die Leute also so wütend? Das zeigt nur den starken Kontrast zwischen den meisten Menschen, die in ihrer Alltagsroutine gefangen sind und nicht einmal ein kleines bisschen über einen Vogel nachdenken und denen von uns, die dem Ende ihres Lebens entgegen sehen. Ich glaube, dass noch mehr gesagt werden muss, aber ich kann die richtigen Worte im Moment nicht finden. Vielleicht das nächste Mal.
Dies wurde von Robert Shields #999166 geschrieben, der sich im texanischen Todestrakt befindet.

Sie können Clinton Young unter chaos@1prison.com auf englisch mailen und unter Patricia_Krause@freenet.de auf deutsch. Achten Sie darauf Ihre Anschrift zu nennen, wenn sie eine direkte Antwort erhalten möchten, da die Insassen keinen Zugang zum Internet haben.

(zum Seitenanfang)

 

Unzensiert aus dem texanischen Todestrakt von Clinton Young

27. Juni 2005

 

Ich grüße alle!

Eine weitere Woche ist langsam vorbeigegangen. Aber zum Teil war es eine äußerst produktive Woche.
Gouverneur Perry hat sich schließlich dazu entschlossen dem Urteil des Supreme Courts nachzukommen und die Strafen der 28 Kerle, die die Todesstrafe für Morde erhielten, die geschahen, als sie 17 waren, in lebenslänglich umzuwandeln.
Er hat auch ein Gesetz unterschrieben, das eine lebenslängliche Verurteilung ohne Möglichkeit zur Begnadigung zulässt. Dieses Gesetz wird am 1. September 2005 in Kraft treten! Das sind gute Neuigkeiten. Nun ja, ich würde sagen bittersüße Neuigkeiten. Dadurch werden weniger Menschen die Todesstrafe erhalten. Aber lebenslange Haft ist auch eine Art Todesurteil. Umso mehr in einem texanischen Gefängnis. Die Menschen erzählen mir immer, dass sie der Umstände hier überdrüssig sind.
Nun, der Todestrakt erhält eine Menge Aufmerksamkeit. Denkt einmal an die anderen 100 Gefängnisse in Texas oder so, die nicht die Aufmerksamkeit aus der Öffentlichkeit erhalten wie der Todestrakt. Es ist ein hartes Leben, das nur immer härter wird.
Es gab Fälle von Wärtern, die männliche Gefangene vergewaltigt haben, Insassen umgebracht haben und so weiter. Also sind einige von denen noch viel schlimmer.
Es ist noch schlimmer, wenn eine Person keinen hat, der ihm hilft das nötige Briefpapier, Briefmarken und Hygienematerialien zu erhalten.
Zum Thema Briefe: Am 20. Juni 2005 erhielt der Trakt, in dem ich mich befinde, nur etwa 10 Briefe für den gesamten Trakt! Es befinden sich 84 Menschen in einem Trakt. Also gibt es immer wenigstens 50-70 Briefe am Tag. Dazu kommt noch, dass wir am Samstag keine Post erhalten, so dass es am Montag immer doppelt soviel Post gibt! Aber das ist der Tag, an dem wir den geringsten Teil ausgeteilt bekommen.
An einigen Tagen ist alles in Butter und wir erhalten alles rechtzeitig. An anderen Tagen wird alles einbehalten und verwechselt. Ich schwöre, dass die Postverteilungsstelle spastischer ist als ein fauler Zauber in einem Ziegenpferch! : )
Ich war heute früh schon verärgert. Ich hätte eigentlich Besuch erhalten sollen, aber die Person tauchte nicht auf. Das verursacht eine Menge Stress, da ich immer automatisch das Schlimmste denke. Nun, ich habe mich dazu entschlossen mich hinzusetzen und etwas zu schreiben. Hier ist das Ergebnis:
 “Living Hell”
I see it simmer in the distance.
I feel the heat as the sinner seeks repentance.
I hear the screams of agony and beggers of forgiveness.
I smell the pain of the sulfuric flames.
I taste the fear of the not so near end.
All together, I experience the life of a living hell.
I live it in this cell.
Welcome to Polunsky Unit. Death Row!
My living Hell.
Clint Young
“Leben in der Hölle”
Ich sehe es in der Ferne brodeln.
Ich fühle die Hitze, als der Sünder nach Reue strebt.
Ich höre die Todesschreie und das Flehen nach Vergebung.
Ich rieche den Schmerz der Schwefelflammen.
Ich schmecke die Angst des noch entfernten Endes.
Alles in allem erlebe ich das Leben in einer Hölle.
Ich lebe in dieser Zelle.
Willkommen im Todestrakt der Polunsky Unit!
Meiner Hölle auf Erden.
Clint Young
Ich habe mich wirklich schlecht gefühlt, als ich das geschrieben habe. Diese Umgebung tut ihr Übriges, um diese unangenehmen Gefühle noch zu verschlimmern!
Ihr, die ihr hier ankommt, lasst alle Hoffnung fahren!” Es ist einfach sich an diesem Ort an die Hoffnung zu klammern. Wir sind von soviel Negativem umgeben, dass wir uns an alles Positive klammern, dass wir finden können. Hoffnung, Liebe, Glaube und so weiter.
Für mich ist die Liebe das Größte und die Hoffnung das Schlimmste. Da Hoffnung meist zu Verzweiflung an diesem Ort führt.
Aber das, was wir als unsere Verzweiflung bezeichnen, ist oft nur die schmerzhafte Ungeduld unerfüllter Hoffnung.
An einigen Tagen ist es einfach aufrecht zu bleiben. An manchen Tagen kann ich spüren, wie mich der Druck meiner Situation mich fast erdrückt. Es gibt Tage, an denen ich aufwache und direkt wenn ich meine Augen öffne und diese Wände sehe, ergreift mich die Realität mit voller Wucht und die Furcht frisst mich auf.
Der erste Gedanke, der mir in den Sinn kommt, ist “Verdammt, ich werde sterben.“ Wenn ich dann aufstehe und beginne Radio zu hören, mich zu unterhalten und Dinge in meiner Zelle zu erledigen, verflüchtigt sich der Gedanke an den Tod.
Es passiert mittlerweile zu oft, dass ich mich selbst zwingen muss aufzustehen. Die Gründe, für die ich gekämpft habe, scheinen alle zu schwinden. Als ich im County Jail war, haben mir meine Familie, meine Kumpel von der Straße und sogar Ex-Freundinnen alle geschrieben, sind mich besuchen gekommen und haben mir auf jede nur erdenkliche Art und Weise geholfen. Als ich verurteilt wurde, haben sie alle geweint. Als ich die Todesstrafe erhielt, sind sie alle verschwunden.
Dies geschieht häufig, da das Leben im Todestrakt einfach zu schwer für alle Beteiligten ist. Wenigstens gibt es Menschen, die schreiben, mich besuchen und mir helfen. Aber es ist nicht dasselbe als wenn es meine Familie wäre und all die anderen, die ich früher kannte.
Ich habe meine Frau und einige Leute, denen ich schreibe und mit denen ich eine starke Bindung entwickelt habe. Ich kann sehen, wie dieser Ort meine Frau belastet. Es frisst mich innerlich auf.
 Ich versuche den Schmerz in produktive Taten umzuwandeln. Aber so wie das Rechts- und das Strafsystem funktionieren, fühle ich mich wie ein ertrinkender Mann, der nach Strohhalmen greift. Die Gerichte scheinen, als hätten sie eine grausame Begierde alles zu vernichten.
Auf einen Anwalt angewiesen zu sein, den ich nicht einmal kenne, hilft auch nichts. Ich muss zusehen, wie die Leute um mich herum umgebracht werden. Muss mit inkompetenten Wärtern klar kommen. Muss den ganzen Tag in einem Käfig sitzen. Und so weiter, und so weiter. Das addiert sich alles zu einem inneren Aufruhr, der sich zur Wut steigert. Es wird sehr schwer diese Wut auch weiterhin in positive Bahnen zu lenken.
Ich versuche mich auch weiterhin auf mein Ziel zu konzentrieren. Das Ziel ist aus dem Todestrakt raus zu kommen. Das System ist so korrupt und blutdurstig, dass es scheint, als wenn der Kampf unendlich ist.
Den Berufungsrichtern muss mehr Aufmerksamkeit zukommt. Ihre Beschreibungen können im Internet gelesen werden. Ich habe die Adresse nicht, aber ich werde sie noch bekommen.
Aber ich glaube, dass diese Richter in ihr Amt gewählt werden. Eine Wählervereinigung muss in Texas gegründet werden. In der Tat wählen nicht viele Leute. Wenn wir also alle Todesstrafe-Gegner aus Texas sammeln könnten, um einige Richter, Staatsanwälte und Gouverneure raus zu wählen, dann würden sich die Dinge verbessern. Das ist der einzige Weg, auf dem wir alle die Todesstrafe beeinflussen können. Wenn wir eine ausreichend große Wählervereinigung bilden, dann würden vielleicht die richtigen Menschen in das Amt eingesetzt werden, um die Todesstrafe in Texas zu beenden – wer weiß! Alles was es braucht, ist eine kleine Anstrengung. Ich denke man kann es schaffen.
Mit Familienmitgliedern, Freunden und Brieffreunden könnten wir eine laute Stimme bilden. Wir müssen uns nur für diesen Sinn vereinigen. Wenn die blutdurstigen Richter und Politiker registrieren, dass die Öffentlichkeit diese Ungerechtigkeit nicht länger hinnimmt, dann wird es eine Änderung geben. Ungerechtigkeit, die irgendwo stattfindet  ist eine Bedrohung für die Gerechtigkeit überall.
Ich möchte zu einem anderen Thema kommen. Eine Made wurde im Essen von einem Kerl gefunden! Es war eine große. Anstatt dass die Beamten es nicht länger verteilt hätten und den Leiter gerufen hätten, haben sie natürlich weitergemacht. Aber wenigstens haben wir diese Woche weniger Pfannkuchen bekommen.
Sie haben uns diese Bratensoße gegeben, die die Konsistenz von Motorenöl hat und dazu (weiche amerikanische, Anmerkung der Übersetzerin) Brötchen. Ich habe einen Löffel davon genommen und ihn umgedreht. Sie ist etwas mehr als 4 Sekunden an meinem Löffel hängen geblieben! So dick ist sie. Ich habe mich dazu entschlossen es nicht zu essen.
Ich habe über den Hof geschrieben, der nicht gesäubert wurde und in der darauffolgenden Woche habe ich geschrieben, dass er gesäubert wurde. Nun, sie haben nur die Hälfte des Hofs gesäubert! Faule Ärsche! Ich möchte nicht mal mehr rausgehen. Ich war in allen Trakten! Der Hof dieses Traktes ist am meisten vermüllt und verdreckt von allen! Der Trakt wird frisch gestrichen und sauber gehalten, da die Trakte A und B bei Führungen gezeigt werden. Aber die anderen Trakte werden vernachlässigt. Einige sind so gestrichen, dass es aussieht, als wenn 3 verschiedene Farben verwendet worden wären! Es sieht aus wie eine Müllhalde!
Nun zu anderen Themen.
KDOL-Radio 96.1 macht eine „Shout Out“-Show für die Polunsky Unit. Ich möchte die Leute daran erinnern. Ihr könnt eine e-mail mit dem Betreff “Shout out” an kdolradio@hotmail.com senden und damit jemand im Todestrakt grüßen. KDOL kann auch über das Internet gehört werden (Anmerkung der Übersetzerin: www.radiocast24x7.com/kdol_launch). Das ist eine wirklich gute Einrichtung für die Menschen im Todestrakt und die Menschen außerhalb. Menschen aus der ganzen Welt rufen an und senden „Shout Outs“ per e-mail oder Telefon. Es bedeutet viel für alle, die etwas mit dem Todestrakt zu tun haben.
Nun, ich werde für heute Schluss machen.
Steht gerade, lasst nie nach und gebt nie auf.
“Nur wenn man empfinden kann wie andere Schmerz empfinden, beginnt die Menschlichkeit.”
Clinton Young
999447
Polunsky Unit
3872 FM 350 S.
Livingston, TX 77351
USA
Nur durch Einigkeit, Solidarität und Hingabe können wir etwas erreichen!

Dies ist der dritte und letzte Teil von Irene Rekitzkes Bericht über die letzten Tage ihres Sohnes Richard Cartwright:
Schließlich beginnt der Countdown. Es ist bereits fast Mittag. Jeder Freund tritt der Reihe nach an das Fenster um sich zum letzten Mal von Angesicht zu Angesicht zu verabschieden – ich bin die Letzte. Wir sitzen dort, mein Sohn und ich, und lächeln einander zu. Wir sind beide tieftraurig, aber wir verstehen uns völlig. Wir haben es so oft zueinander gesagt. Ich weiß, dass er mich und Ricki mehr als alles andere auf der Welt liebt. Er weiß, dass ich ihn und seine Schwester genau gleich liebe. Und das sagen wir wieder – wie sehr wir uns lieben und wie sehr wir uns immer lieben werden.

Dann kommt der Direktor mit Major Nelson und den Wärtern. Unsere Zeit ist vorbei. Ich möchte schreien und laut weinen, aber stattdessen lege ich meine beiden Hände an die Scheibe, bevor er ihnen seine Hände reicht, damit sie ihm durch die Tür Handschellen anlegen können. Er macht dasselbe. Ich küsse ihn und er macht dasselbe. Die Glasscheibe zwischen uns scheint ein wenig zu verschwinden, aber es ist immer noch kalt. Ich möchte so verzweifelt seine Hand halten, sein Gesicht berühren, ihn umarmen und seine Wärme spüren, aber das wird mir verwehrt. Es verstößt gegen die Regeln. Wir dürfen uns nicht berühren, bis er tot ist. Es ist so traurig.
Mir fällt es schwer zu laufen und mich zu unterhalten. Richs Freunde und Verwandte umrunden mich und wir gehen. Andere um uns herum bleiben da, unterhalten sich weiter, anscheinend unwissend, dass uns demnächst ein teures Leben entrissen wird. Mein Herz ist gebrochen. Aber ich halte mich aufrecht und verlasse das Gebäude, ich weine nicht. Es gibt immer noch einen Hoffnungsschimmer, wenn auch einen schwachen.
Ich möchte noch anfügen, dass Direktor Alford, der Leiter des normalen Vollzugs, Direktor Hirsch, der neue Leiter des Todestraktes und Major Nelson, der direkt Direktor Hirsch untergeben ist, uns in dieser letzten Besuchswoche alle sehr entgegengekommen sind und großzügig waren. Sie haben uns auf jede Art und Weise geholfen, die möglich war und haben jede mögliche Gefälligkeit erweitert, auch wenn wir es wahrscheinlich nicht verdient haben. Sie konnten uns aber nicht Rich berühren lassen und uns von ihm verabschieden lassen. Keine letzte Umarmung, kein Kuss, nicht einmal die Möglichkeit seine Hand zu halten. Das hat uns wiederum unsere Herzen gebrochen.
Wir halten an, um unser Mittagessen auf dem Weg nach Huntsville einzunehmen – obwohl niemand hungrig ist. Unser Besuch in der Polunsky Unit in Livingston am letzten Tag ist also um 12 Uhr beendet und wir sollten nicht vor 15 Uhr im Gästehaus in Huntsville ankommen. Wir haben also drei Stunden Zeit für eine Strecke von etwa 72 Kilometern. Viel zuviel Zeit, wenn man in einer Situation wie dieser nichts zu tun hat. Mir kommt der Gedanke, dass wir diese Zeit noch mit Richard hätten verbringen können.
Wir kommen am Gästehaus kurz vor drei an. Bald schließen sich uns die anderen Freunde an. Die Leute im Gästehaus sind nett, führen uns herum und sagen uns, dass es Getränke im Kühlschrank gibt und Suppe auf dem Herd, nur für uns. Außerdem gibt es eine kleine Kapelle um allein zu sein oder zu beten. Sie sind sehr gastfreundlich oder zumindest lassen sie uns so willkommen fühlen, wie man das kann, wenn man darauf wartet, dass ein geliebter Mensch hingerichtet wird. Kaplan Hart tritt ein und stellt sich vor. Er sagt uns, dass er die Zeugen kurz zusammenrufen wird um zu erklären, was in den nächsten drei Stunden geschehen wird. Er wartet nur noch auf Kaplan Drum. Kaplan Drum ist zu spät, da der Vater eines anderen Insassen verstorben ist und er die traurige Nachricht überbringen musste. Schließlich entscheidet er uns ohne den anderen Kaplan über den Ablauf aufzuklären.
Wir begeben uns an das eine Ende des Raumes und nehmen auf bequemen Sesseln Platz, während er alles erklärt. Er erzählt, dass sie Rich aufgeklärt haben und dass Jack Wilcox, sein geistlicher Beistand, bei Rich ist. Er sagt, dass Rich uns oder jeden anderen, den er ausgesucht hat, bis 17 Uhr anrufen kann. Dann müssen sie ihn für die Hinrichtung vorbereiten. Er sagt, dass Rich auch seine letzte Mahlzeit bis 17 Uhr einnehmen wird.
Er sagt uns, dass wir um 17 Uhr zum Verwaltungsgebäude gegenüber von der Walls Unit gebracht werden und dass wir dort bis 18 Uhr warten werden. Dann werden wir uns über die Straße zur Hinrichtungskammer der Walls Unit begeben. Er sagt uns, dass sich die Reporter im gleichen Raum wie wir befinden werden und der Hinrichtung hinter uns zusehen werden. Er versichert uns, dass wir von den Reportern abgeschirmt werden, wenn wir uns nicht  mit ihnen unterhalten möchten.
Er sagt uns, dass wir Rich durch eine Glasscheibe sehen werden, aber wir sollen uns nicht an die Scheibe lehnen. Er sagt, dass er seine Hand auf die Fessel des Gefangenen legen wird, um ihm menschlichen Kontakt zu geben, wenn er umgebracht wird – wenn er darum bittet. In Wirklichkeit hat er nicht „umgebracht“ gesagt, aber das ist mein Ausdruck. Die anderen Worte sind nur eine nette Art um dasselbe zu sagen. Es hörte sich für mich nicht nett an und es stellte sich heraus, dass es auch nicht nett ist, als es geschah. Aber ich schweife ab. Der Kaplan erzählte uns, dass sie ihm dann drei Gifte zur gleichen Zeit injizieren werden. Das erste wird ihn schlafen lassen, das zweite wird seine Lungen kollabieren lassen und das dritte wird sein Herz zum Stillstand bringen.
Er fragt uns, ob wir irgendwelche Fragen haben. Zu diesem Zeitpunkt glaube ich nicht, dass irgendjemand von uns hätte sprechen können. Also schütteln wir unsere Köpfe – nein. Obwohl ich es hinter mir habe ist es einfach nicht zu begreifen. Er sagt uns dann, dass es einige Minuten dauern wird, bis sie ihn für Tod erklären, nachdem das letzte Gift injiziert ist. Es wird uns wie eine sehr lange Zeit vorkommen, aber es wird in der Tat weniger als 10 Minuten dauern. Danach sagt er, dass wir aus dem Raum und zurück zum Verwaltungsgebäude geführt werden.
Wir gehen dann zurück, um in unseren eigenen Bereich zu sitzen. Wir unterhalten uns und warten einfach nur. Schließlich ruft Rich an. Er sagt mir, dass er dabei ist jeden auf seiner Liste anzurufen. Ich erinnere ihn an die Zeit für zwei seiner Anrufe – einer ist der Anruf für seine Tochter. Sie kommt nicht vor 16 Uhr nach Hause. Er spricht mit jedem, dann legt er auf um seine weiteren Anrufe zu tätigen. Er verspricht, dass er bald wieder anruft.
Später kommt Kaplan Drum an. Ich muss sagen, dass Kaplan Hart uns wenigstens noch Besorgung und Mitleid entgegen brachte und verstand, was wir durchmachten (wie auch nicht?). Bei Kaplan Drum war das nicht so. Er sitzt bei uns und erzählt die ganze Zeit von sich. Dreimal verweist er auf Richard und verwendet einen falschen Namen. Er hat nicht einmal seine Hausaufgaben gemacht, um zu wissen wie die Person heißt, die hingerichtet wird. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass uns das sehr aus der Fassung bringt, da wir bereits emotional am Ende sind. Ich verlasse mit anderen den Raum mehrere Male und versuche dann den Bereich zu meiden, in dem er sitzt. Kaplan Drum teilt uns mit, dass ein Telefonat mit Paul Colella in der Durrington Unit definitiv nicht erlaubt wird. Dies ist der Zeitpunkt an dem ich Leiter O’Reilly von meinem Handy aus anrufe und er mir dreimal sagt, dass der Grund dafür ist, dass er es „so gesagt hat“. Sehr deutlich, findet ihr nicht? Auch sehr mitleidsvoll...
Jack Wilcox, den Rich als seinen geistlichen Beistand gewählt hat, kommt gegen 16 Uhr vorbei. Er sagt uns, dass es Rich gut geht und dass er im Frieden mit allem ist. Er sagte, dass Rich seine letzten Anrufe tätigt und sich auf seine letzte Mahlzeit vorbereitet. Rich sorgt sich nur um uns und bat Jack sich gut um uns zu kümmern. Wenn ihr Jack Wilcox kennt, dann wisst ihr, dass man bei Jack und Irene darüber nie einen Zweifel haben sollte.
Jack betet mit uns und bittet Gott um große Stärke sowohl für Richard als auch für uns. Dann erklärt er, dass wir, wenn wir in die Walls Unit gehen und uns schließlich im Zeugenraum befinden, wir uns sofort zur Scheibe begeben sollen. Alle Wärter, Jack und die Reporter werden sich hinter uns befinden. Er warnt uns auch vorsichtig zu sein und nichts zu sagen, das wir am nächsten Tag nicht in den Zeitungen lesen wollen. Die Reporter werden sich Notizen machen. Wir teilen ihm mit, dass uns erzählt wurde, dass die Reporter an diesem Tag nicht mit uns in einem Raum sein werden und er sagt das sei gut.
Rich nimmt drüben in der Walls Unit seine letzte Mahlzeit ein und macht sich fertig für seine Anrufe. Er ruft im Gästehaus an, um mit uns zu sprechen und lässt uns wissen, dass er okay ist. Er lässt uns wissen, dass er mit seinen Anrufen beginnen wird. Den beiden aus dem Ausland wurde mitgeteilt, dass sie ihn anrufen können, da er nicht ins Ausland telefonieren darf.

Rich beginnt damit seine Detektivin Tina Church anzurufen und dankt ihr für all ihre harte Arbeit und Bemühungen für ihn. Er bittet sie auch damit fortzufahren den Jungs im Todestrakt zu helfen und ihnen zu sagen, dass sie nicht „clownen“ sollen. Ich fragte sie was das bedeutet, da ich diesen Ausdruck nicht kannte. Sie erklärt mir, dass er möchte, dass sie nicht aufgeben und nicht austicken, wenn er hingerichtet wird. Ich weine.
Rich erhielt auch zwei Anrufe von zwei wunderbaren Damen; eine aus Kanada und eine aus Australien, die ihn stets fest unterstützt haben. Er ruft wieder im Gästehaus an und erzählt mir, dass seine wunderbare australische Freundin ihn so stark zum Lachen gebracht hat, dass er beinahe geweint hätte und dass es ein fantastisches Gespräch war. Sein kanadischer Anruf war ein bisschen schwieriger, aber sie teilte auch ihre Liebe und ihre Unterstützung mit ihm.
Er ist tieftraurig, dass er nicht in der Lage ist seinen Vater anzurufen. Niemand ging an das Telefon oder das Handy und Rich darf keine Nachricht hinterlassen. Er möchte seinem Vater sagen, dass er ihn liebt und dass er sich nicht in irgendeiner Weise verantwortlich oder schuldig fühlen soll. Er möchte, dass sein Vater wie wir alle weiß, dass er wirklich im Frieden mit  sich ist und dass er sich in eine viel bessere Welt begibt. Er hat uns die ganze Woche erzählt, dass er nicht aufgibt und dass er leben möchte, aber er ist müde vom Kämpfen und dem Leben, das er die letzten acht Jahre führen musste. Er möchte auch die Gewissheit haben, dass es keinen 30-tägigen Aufschub gibt und wir dann alle noch einmal diese Tortur durchmachen müssten. Sein Vater hat diese Worte von Rich nie gehört, aber hoffentlich wird er dies lesen und wissen wie sehr Rich ihn liebte und sich um ihn sorgte.
Schließlich ruft Rich noch zwei ganz spezielle Damen in seinem Leben an. Er ruft seine Tochter Ricki an, da sie um 16 Uhr zu Hause ankommt. Er erzählt mir in einem Anruf, dass sie sich dauernd verspricht während sie ihm übersprudelnd von allem erzählt, was in der Schule passiert ist und sie sagt ihm, dass sie ihn liebt. Er sagte, dass die Fröhlichkeit und Liebe, die sie mit ihm teilte seine Gedanken klarer gemacht hat und er sich jetzt noch mehr im Frieden mit sich befindet.
Er spricht auch mit einer Freundin aus seiner Kindheit, die in Las Vegas wohnt und am sechsten und siebten Mai einen “special visit” bei ihm machte. Sie war seine erste Liebe und bleibt auch weiterhin eine ganz besondere Freundin. Sie sind in der Lage zu lächeln und Witze zu machen und lieben und unterstützen sich wirklich gegenseitig.
Rich ruft zum letzten Mal im Gästehaus an und spricht mit all seinen Freunden und seiner Familie. Er dankt jedem für die Liebe und die Unterstützung und sagt, dass er bereit ist zu gehen, dass er sich im Frieden befindet und dass wir stark sein sollen. Schließlich bin ich an der Reihe. Rich sagt mir, dass er mich liebt, dass ich für Ricki sorgen soll und immer zu Gott aufschauen soll. Er sagt mir, dass ich mich immer an ihn erinnern soll, wenn ich über dem Lake Michigan einen wunderschönen Sonnenaufgang oder  -untergang sehe. Ich sage ihm, dass ich ihn mehr als alles andere liebe und dass mir Gott mit ihm ein ganz besonderes Geschenk gemacht hat. Und dann sagt er mir, dass er gehen muss, dass sie alles für ihn vorbereitet haben.
Zu diesem Zeitpunkt kennen wir immer noch nicht den Status seiner Berufung. Tina Church ruft mich auf dem Handy an und sagt mir, dass immer noch nicht darüber entschieden wurde und dass sie mich sofort anrufen wird, wenn sie irgendetwas weiß. Aber jetzt ist es Zeit für uns zum Verwaltungsgebäude zu gehen. Die fünf Zeugen, Richs Schwester Diane, seine Cousine Layne, seine Freunde Missy und Suzanne und ich geben unsere persönlichen Dinge im Kofferraum eines Autos ab, alles ausgenommen unserer Handys. Wir wollen es wissen, wenn der Supreme Court über seine Petition entschieden hat. Wir warten und klammern uns an die Hoffnung, dass uns Tina anruft um uns zu sagen, dass sie seinen Fall noch einmal begutachten.
Paul Colellas Frau Paula fährt uns zum Verwaltungsgebäude, das nur zwei oder drei Blocks vom Gästehaus entfernt ist. Wir betreten es und werden in den Pausenraum des Büros gebracht. Dies wird unser Aufenthaltsraum für die nächste Stunde sein. Der Raum ist voll mit TDCJ-Literatur, Arbeitsbestimmungen, verschiedenen Automaten, runden Tischen mit Stühlen, ein Zeitschriftenständer mit Magazinen und anderem und eine Plastikcouch. Uns wird gesagt, dass Handys hier nicht erlaubt sind. Also ruft Missy eine andere Unterstützerin an und bittet sie zur Tür des Gebäudes zu kommen, so dass wir ihr unsere Handys geben können.
Schließlich werden wir alle durchsucht. Sie bringen uns zu den Damentoiletten und fahren mit einem Metalldetektor über unseren ganzen Körper und dann tastet uns der Wärter ab. Dies geschieht alles auf einer öffentlichen Toilette im Verwaltungsgebäude. Nachdem wir durchsucht wurden, werden wir durch die Eingangshalle zurück zum Pausenraum gebracht.
Ein paar Beamte in Straßenkleidung sitzen bei uns. Ich konnte mir ihre genaue Rangbezeichnung nicht merken, aber sie haben alle höhere Ränge. Einer von ihnen trägt eine Krawatte mit einem TABASCO-Logo. Ich finde das sehr respektlos, aber ich sage nichts. Sie unterhalten sich über die Arbeit und ihr Leben außerhalb der Arbeit, während wir darum kämpfen Haltung zu bewahren. Ich laufe auf und ab. Ich kann nicht ruhig sitzen. In diesem Pausenraum zu sein hatten wir nicht erwartet und das lässt, gemeinsam mit der Situation, unsere Haltung schwinden und unsere Anspannung immer größer werden.
Als ich warte muss ich auf einmal mit aller Kraft gegen meine Panik und die Tränen ankämpfen. Ich sage laut: „Ich will nicht weinen und wenn ich meinen Atem anhalte hilft es.“ Der Mann mit der Tabasco-Saucen-Krawatte sagt: „Nun, atmen ist wichtig.“ Richs Schwester sagt: „Nun anscheinend glauben sie das nicht in Texas!“ Sie sagte es nicht um lustig zu sein, da sie zu diesem Zeitpunkt äußerst wütend war, aber wir lachten alle, jeder von uns, hysterisch los, dann weinten wir. Es ist eigenartig, wie uns das alles zum unpassendsten Zeitpunkt passiert, oder? Diane konnte einfach nicht glauben, dass er auf diese Art und Weise antworten würde, aber wahrscheinlich dachte er einfach nicht darüber nach.
Meine Nichte Layne versucht mit aller Macht unsere Anwältin zu sein. Sie geht zur Wärterin an der Tür und fragt sie nach Richs Petition beim Supreme Court. Wir möchten wissen, was passiert und ob es eine Entscheidung gab. Wir klammern uns immer noch an diese Hoffnung, dass uns allen gesagt wird, dass wir heimgehen sollen und dass hier heute nichts stattfinden wird. Als meine Nichte schließlich an das Mitgefühl und die Muttergefühle des Wärterin appelliert, sagt sie aus: „Ich wäre nicht hier, wenn es nicht losgehen würde.“ Meine Nichte sagt: „Also sagen Sie, dass sie die Petition abgelehnt haben? Ist es das, was Sie mir sagen?“ Die Wärterin sagt: „Ich kann es nicht sagen. Alles das ich Ihnen sagen kann ist, dass ich nicht hier wäre, wenn es nicht losgehen würde.“ Meine Nichte ist panisch und sagt unter Tränen: „Danke für Ihr Mitleid. Ich weiß, dass es nicht Ihre Schuld ist. Aber wir mussten es wissen.“ Es gibt niemanden, der es nicht mitbekommt und jedem stehen die Tränen in den Augen. Wir wissen jetzt, dass sie meinen Richard definitiv hinrichten werden. Es ist abgesprochen. Wir fühlen uns vernichtet.
Ich finde später heraus, dass Tina um 17.45 Uhr auf meinem Handy anrief, um mir ebenfalls diese schreckliche Neuigkeit zu überbringen. Ich finde auch heraus, dass sie Rich diese Nachricht um 17.30 Uhr überbracht haben. Wir hatten danach nie die Möglichkeit mit ihm zu sprechen. Ich bin sicher, dass diese Neuigkeiten für ihn ein schwerer Schlag waren – wie für uns auch. Wir waren zusammen, aber er war ganz allein. Schließlich wird uns noch einmal gesagt, dass die Reporter sich nicht im gleichen Raum wie wir befinden werden, da keine Zeugen der Opferseite anwesend sind. Die Reporter werden abgeteilt sein. Ich bin erleichtert und ich denke jeder andere ist es auch. Wir erwarten nicht, dass wir etwas Unangemessenes sagen werden, aber es ist ein privater Moment für uns und je weniger Leute mit uns anwesend sind, desto besser. Es ist nichts, das wir mit Fremden teilen wollen, denen Richard egal ist.
Wir verlassen das Gebäude in einer Reihe. Jack Wilcox hatte vor kurzem eine Hüft-OP und muss den Aufzug nehmen. Wir überqueren die Straße und sehen die kleine Gruppe von Todesstrafe-Gegnern an der Ecke. Wie sie uns gestern erklärten, weiß man, dass es passiert, wenn sie rauskommen. Sie wissen jetzt, dass ES passieren wird.
Die Walls Unit ist ein altes Gebäude und es gibt eine hohe, steile Treppe, um hinaufzukommen. Jack nimmt die gewundene Rampe, während wir uns die Treppen hinauf zur Walls Unit schleppen. Nachdem wir das Gebäude betreten haben, gehen wir durch eine weitere Tür oder Türen, ich weiß nicht wirklich wie viele und dann befinden wir uns wieder draußen und laufen durch einen Außenhof, der nicht sehr gut erhalten ist. Schließlich befinden wir uns im Zeugenraum. Als wir eintreten überfallen mich viele Gedanken, aber ich richte meine Augen sofort auf meinen Sohn, der auf einer Liege liegt und uns ansieht, als wir eintreten. Mein Blick wird die ganze Zeit während ich mich in diesem Raum befinde, auf ihm verweilen. In meinem Hinterkopf habe ich den Eindruck, dass der Raum nicht sehr gut gebaut ist; es gibt keine Klimaanlage (es ist drinnen schwül und erdrückend) und das Glas ist Plexiglas und nicht wirklich gesäubert. Es ist auch sehr eng. Wir passen nicht alle fünf direkt an das Fenster, sogar wenn wir uns seitlich drehen nicht. Obwohl uns gesagt wurde, dass wir uns ganz vorne an die Scheibe stellen sollen. Eine von uns muss in der zweiten Reihe sein.
Ich nehme wahr, dass die Augen meines Sohnes gerötet sind. Es sind jetzt keine Tränen zu sehen, aber ich weiß, dass er geweint hat. Es bricht mir das Herz, dass er alleine war. Aber jetzt bin ich hier. Der Direktor ist am Kopfende der Liege und der Kaplan ist am Fußende der Liege und hat eine Hand unter der Decke auf Richs Fessel. Rich ist bis zur Brust zugedeckt. Seine Arme sind auf einer Art Bretter festgeschnallt und es sind Nadeln und Streifen mit durchsichtigem Pflaster auf beiden Armen. Die Hände meines Sohnes sind nicht zu sehen, aber in einen elastischen Verband verpackt, so wie ein Verband um einen verstauchten Knöchel. Sie sind so dick verpackt, als würde er Boxhandschuhe tragen und ich frage mich wozu. Was ist mit seinen schönen Händen? Warum sind sie so zugedeckt? Ich kenne immer noch nicht die Antwort auf diese Frage.
Schließlich gibt der Direktor die Anordnung zu beginnen. Er fragt Rich, ob er noch etwas sagen möchte. Als ich das letzte Mal mit Rich sprach war er sich noch nicht sicher, ob er etwas sagen würde oder nicht. Rich antwortet: „Ja.“ Ein aufgehängtes Mikrofon wird näher an seinen Mund gerückt und zuerst entschuldigt er sich bei der Familie des Opfers für den Schmerz und das Leid, das er ihnen zugefügt hat, dann dankt er seiner Familie und seinen Freunden für ihre Unterstützung und schließlich sagt er den Männern im Todestrakt, dass sie aufrecht stehen sollen. Dann sagt er, dass er fertig ist. Der Direktor ordnet an, dass die Hinrichtung beginnt.
Ich schaue auf meinen Sohn und er schaut zurück zu mir. Ich forme die Worte „Ich liebe dich“. Ich weiß, dass er mich nicht hören kann, wenn ich es laut sage. Er formt es zurück zu mir. Wir sagen uns das gegenseitig mindestens dreimal und dann schließen sich seine wunderschönen blauen Augen für immer. Mein Blick haftet immer noch auf seinem Gesicht. Jetzt hebt sich sein Brustkorb und fällt dann tief in sich zusammen und seine Lippen flattern, so wie wenn es passieren kann wenn man seine Luft anhält und sie auf einmal ausstößt. Dies geschieht einige Male. Dann hebt sich der Brustkorb und fällt nicht mehr zusammen. Ich weiß nicht, wieviel Zeit vergangen ist. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor und geschieht doch alles viel zu schnell. Ich denke immer noch, dass es aufhören wird, aber das tut es nicht. Und jetzt beginnt die lange Zeit des Wartens. Wir stehen einfach nur da und warten. Als wir warten sage ich: „Ich bin so stolz auf dich. Eine Mutter könnte nicht stolzer auf ihren Sohn sein. Ich liebe dich so sehr.“ Nachdem sich seine Augen schließen, sage ich: „Sie wissen nicht, dass sie einen guten Mann umgebracht haben, einen exzellenten Mann.“
Wieder steht die Zeit mehr oder weniger still. Es ist eine Ewigkeit und doch nur einige Sekunden. Schließlich betritt ein Arzt den Raum und kontrolliert Richs Puls an der Kehle, dann platziert er ein Stethoskop auf seiner Brust und horcht an verschiedenen Stellen. Er schaut nach hoben und nennt den Todeszeitpunkt: 18.16 Uhr. Es ist vorbei. Richard Michael Cartwright, mein kämpferisches Kind, ist tot. Ich sage: “Danke Gott, dass du ihn von all dem weggenommen hast. Dein Wille geschehe.“
Dann werden wir sofort aus dem Zeugenraum geführt. Ich beschließe nicht zu weinen oder zusammen zu brechen. Ich schaue starr geradeaus und halte meinen Kopf hoch. Überraschenderweise will ich nicht weinen. Ich will kämpfen. Ich möchte dass dies keiner Familie je wieder passiert. Ich möchte, dass es nie wieder eine Mutter gibt, die nichts falsch gemacht hat, die leiden muss und diesen schrecklichen Schmerz und die Trostlosigkeit ertragen muss während sie zusieht, wie ihr Sohn vor ihr stirbt – hilflos es zu verhindern. Ich fühle Gottes Hand und spüre, dass er in der Tat aus der texanischen Ungerechtigkeit herausgeholt hat, hin zu Frieden und Liebe in die Arme eines liebenden Vaters. Damit hat Gott auch mir Richards Frieden gegeben. Ich bin jetzt eine der größten Gegner der Todesstrafe; ich werde mich dem Kampf widmen diese barbarische Praktik überall und für immer zu beenden. Zusätzlich möchte ich dafür eintreten, dass die grausamen und ansonsten nicht gebräuchlichen Gesetze in Texas abgeschafft werden, die den Prozess beschleunigen und verhindern, dass das Gericht wichtige Beweise zu Gesicht bekommt. Ich möchte, dass Gefangene human behandelt werden und ich möchte, dass der Missbrauch und der mangelnde Respekt von Seiten der Wärter aufhören. Und ich möchte die anderen Opfer aufklären, die Familien von Männern und Frauen, die sich am Anfang eines Prozesses befinden, sollen ihre Rechte kennen und dafür Sorge tragen, dass die Fälle ihrer Geliebten die Aufmerksamkeit und Mittel erhalten, die ihnen zustehen und die sie verdienen. In meinem Herzen weiß ich, dass Richard nicht tot wäre, wenn ich bei seinem Prozess das gewusst hätte, was ich jetzt weiß. In diesem Zustand habe ich also die Walls Unit verlassen. Wieder gehen wir die lange, steile Treppe vor der Walls Unit hinunter, überqueren die Straße und gehen dann zurück zum Verwaltungsgebäude. Sie sagen uns, dass wir uns wieder im Gästehaus treffen würden und wir dort Richards Eigentum erhalten würden. Wir werden dann schon fast aus dem Verwaltungsgebäude herausgeworfen.
Draußen scheint die Sonne immer noch, die Bäume sind immer noch grün und wiegen sich im Wind und alles sieht noch gleich wie vorhin aus, aber es ist nicht das Gleiche. Mein Sohn ist tot. Wir treffen einen Reporter vom Huntsville Item. Meine Nichte möchte wissen für wen er arbeitet, dann nimmt sie ihn zur Seite und fragt ihn, ob er so mutig ist eine wirkliche Story zu schreiben. Er sagt, dass er das sei, aber morgen werden wir herausfinden, dass er es nicht ist, wenn wir die Zeitung lesen. Er druckt nur die AP-Version ab und nicht das, was sie ihm berichtet hat.
Ich werde von Christa Kunkle begrüßt, der Witwe von Troy Kunkle, der im Januar diesen Jahres hingerichtet wurde. Sie umarmt mich und gibt mir Blumen. Sie sagt mir, dass ich stark bleiben soll. Ich versichere ihr, dass ich das werde. Ich weiß, dass ihr Schmerz immer noch stark ist und dass er ihr wieder ins Gedächtnis gerufen wurde, als sie den Weg zur Hinrichtungskammer mit mir gelaufen ist. Ich leide mit ihr so stark, wie mit meiner Familie.
Ich laufe über die Straße zu der Ecke in der die Todesstrafe-Gegner immer noch stehen. Ich danke jedem einzelnen, dass er hergekommen ist und uns unterstützt hat. Sie sagen mir, dass das noch nie jemand zuvor getan hat. Ich bin wirklich überrascht. Die liebe Marguerite, Bryan Wolfes Freundin ist auch dort, um uns zu unterstützen. Dann versammeln wir uns und gehen zurück zum Gästehaus. Auf dem Parkplatz gibt mir der Kaplan Richs Bibel. Er sagt, dass das Letzte, um das Rich bat, war, dass er sie mir persönlich überreicht. Er gibt mir auch einen ausgefransten Sack, der Richs gesamtes Eigentum enthält. Mein Sohn, mein wunderschöner Sohn hat seine weltlichen Besitztümer mir übergeben. Ich möchte schreien und sagen nein, gebt mir stattdessen meinen Sohn zurück. Aber ich weiß, dass es vorbei ist. Ich möchte nur nicht, dass es so ist. Ich brauche es, dass er mir sagt, dass es in Ordnung ist. Ich spreche ein stilles Gebet, bitte Gott um Stärke. Er gibt mir diese Stärke und dieser lange Tag geht weiter.
Paula fragt mich, ob ich Pauls Kreuz habe. Ich habe es nicht, aber vielleicht ist es im Sack mit dem Eigentum. Ich öffne ihn und dort ist es, verheddert mit Richs Kreuz. Es sieht beinahe so aus, als ob sie gedankenlos in den Sack geworfen worden wären. Das kommt mir komisch vor, da ich weiß, wieviel beide Kreuze Rich bedeutet haben. Später werde ich aus einem Brief von Robert Shields erfahren, dass eine Wärterin Richs Kreuze aus Gebäude 12 brachte, als er immer noch durchsucht wurde und für seine Fahrt zur Walls Unit vorbereitet wurde. Es scheint als sei es ihm nicht erlaubt gewesen sie zu tragen, also hat die Wärterin sie weggebracht. Wenigstens haben sie sie für uns in den Sack gepackt. Ich entwirre die beiden Kreuze und gebe Paula Pauls Kreuz. Sie wird es ihm geben, wenn sie ihn am Samstag besucht und ihm die Nachricht überbringt, dass sein Freund und Bruder hingerichtet wurde.
Wir gehen zurück ins Gästehaus und verabschieden uns. Paula gibt ihnen ein bisschen Geld und dankt ihnen für ihre Freundlichkeit. Es ist Zeit für uns zur Leichenhalle zu gehen, wo wir einen kleinen Gottesdienst vorbereitet haben. Der Kaplan sagt uns, dass er uns zur Leichenhalle führen wird, aber fährt ohne uns davon. Ich bin nicht in der Lage sie zu finden und schließlich ruft ein Mitglied unserer Gruppe an. Wir sagen ihm wo wir sind und die Angestellten der Leichenhalle beschreiben uns den Weg. Wir waren beinahe schon da.
Wir kommen an und Rich liegt vorne im Raum, immer noch auf einer Liege. Der Direktor der Leichenhalle sagt uns, dass wir rübergehen können um uns von ihm zu verabschieden und wenn wir fertig sind, wird der Gottesdienst beginnen. Ich gehe hinüber und schaue meinen Sohn an. Ich spähe unter die Decke am Fußende der Liege, da Rich seiner australischen Freundin erzählt hat, dass er mit seinen Stiefeln aus dieser Welt gehen möchte. Er hat sie an. Ich streiche über seine schönen Hände, die jetzt über seiner Brust gefaltet und nicht mehr eingewickelt sind. Sie sind bereits kalt und ich muss dem mütterlichen Bedürfnis widerstehen die Decke höher zu ziehen, um sie zu wärmen. Das durchsichtige Heftpflaster befindet sich immer noch auf seinen Armen, aber die Nadeln sind verschwunden. Ich bin schließlich dazu in der Lage über seine Wange zu streicheln, seinen Kopf zu berühren, seine Hand zu halten – Dinge die mir die letzten acht Jahre verboten waren. Ich beuge mich hinab und küsse seine Lippen, die immer noch warm sind und umarme ihn. Ich sage ihm wieder: „Ich liebe dich so sehr.“
Der Rest unserer Gruppe macht dasselbe, jeder geht zu ihm und verabschiedet sich, berührt ihn, umarmt ihn, küsst ihn. Er ist im Frieden und obwohl wir wissen, dass er sich an einem besseren Ort befindet, beweinen wir unseren Verlust. Viele weinen. Ich setze mich und schlage die Bibel auf, die er mir aufbewahrt hat. Auf der ersten Seite lese ich eine ganz besondere Nachricht, die er mir hinterlassen hat. Es bricht mir beides das Herz und stellt zugleich doch auch meinen Willen wieder her.
Der Gottesdienst beginnt. Jack Wilcox tröstet uns mit Gottes Worten und seiner Botschaft. Seine Liebe und sein Respekt für Rich ist greifbar. Er sagt, dass er denkt, dass er niemals einen Gefangenen kannte, der mehr respektiert wurde oder den andere Gefangene mehr mochten als Rich. Er war loyal, ehrlich und stand immer für die Schwächeren ein – ohne die Konsequenzen zu beachten. Wir wissen das bereits, aber es ist etwas, das wir noch einmal hören wollen und müssen. Unser Sohn, Bruder, Cousin und Freund wurde geliebt; nicht nur von uns, sondern von beinahe jedem, den er getroffen hatte. Am Ende des Gottesdienstes fragt Jack, ob irgendjemand noch etwas sagen möchte. Ich frage, ob ich vorlesen kann, was Rich auf die erste Seite seiner Bibel geschrieben hat. Jack sagt ja. Ich laufe zum Sprechpult und beginne. Es ist schwerer es laut zu lesen, als es nur für sich zu lesen, aber ich schaffe es. Jeder weint. Mein Sohn, mein ganz, ganz besonderer Sohn erreicht und berührt immer noch die, die er liebte, mit seinen Worten und seiner Liebe. Das hat er geschrieben:

Liebste Mama Sonnenschein, 11.05.05 16.26 Uhr
Nun, wenn du das hier liest, befinde ich mich schon im Himmel. *Smile* Mum, ich könnte mir kein persönlicheres Geschenk für dich vorstellen, als meine Bibel. Lagere sie nicht ein, es ist jetzt deine Bibel, Mom. Jedes Mal wenn du darin liest, sie siehst oder sie berührst, werde ich wissen, dass du an mich denkst. Ich werde vielleicht gerade über deine Schulter blicken, wenn du das jetzt liest, nein, nein,... Mom, schau nach vorne, dein Junge hat Flügel bekommen, weißt du das nicht?!!? Aus meinem Käfig und der unmenschlichen und grausamen Behandlung des TDCJ befreit!! Mom, die Sonne wird immer noch für dich aufgehen und sinken und du musst weiterleben und darfst nichts verpassen. Du kannst noch so vielen soviel geben. Du bist ein „Werkzeug Gottes“ und du darfst nie vergessen Gottes Namen zu preisen!! Bleib stark und gewissenhaft auf deinem Weg mit Jesus. Lass andere seine Liebe und seinen Frieden durch deinen starken Glauben in schwierigen Zeiten spüren. Ich hätte es die letzten Jahre ohne deine Liebe und deine Unterstützung nicht geschafft. Es macht mich so friedlich zu wissen, dass Ricki Marie dich in ihrem Leben hat, dass du sie lieben kannst, wie du mich geliebt hast. Mom, du bist wirklich der Sonnenschein in meinem Leben. Psalm 31 – lies ihn ganz, aber Vers 25 – 31 spricht von dir. Bleib stark, Ich werde über dich wachen und werde geduldig auf dich warten.
In Liebe, dein Sohn Rich

Es ist jetzt wieder Zeit sich von Rich zu verabschieden. Der Gottesdienst ist vorbei. Es ist wieder Zeit ihn zu verlassen. Jeder begibt sich noch einmal zu ihm, um sich ein letztes Mal zu verabschieden. Meine Tochter Diane und ich sind die Letzten. Wir umarmen ihn noch einmal, streichen über sein Gesicht, küssen seine Lippen und halten seine kalten, wunderschönen Hände in unseren. Und dann gehen wir.
Ich betrete den nächsten Raum, um die Bezahlung des Transports der Leiche meines Sohnes, die nötigen Vorbereitungen für den Gottesdienstes und die Benützung der Räumlichkeiten für unseren Gottesdienst zu regeln, genauso wie die bevorstehende Einäscherung und die Überführung seiner Asche zu mir nach Hause. Ursprünglich hatten wir unsere Flüge so gebucht, dass wir am Abend des 20. Mai seine Asche hätten mitnehmen können. Wir wissen jetzt, dass das nicht möglich ist. Es scheint so, als ob Texas ein Gesetz hat, das besagt, dass es illegal ist einen Leichnam zu kremieren, ohne 48 Stunden abzuwarten, da es eine polizeiliche Untersuchung geben könnte. Wir können nur hoffen. Aber leider ist Gesetz Gesetz. Es ist nicht erlaubt Richard vor 18 Uhr am Samstag zu kremieren, was bedeutet, dass er nicht vor Montag morgen kremiert wird, da das Krematorium am Wochenende geschlossen ist. Wir können nicht bleiben obwohl wir alle wissen, dass wir ihn schon wieder verlassen.
Nachdem ich mich um den Papierkram gekümmert habe, frage ich, ob wir wieder hineingehen können. Die freundliche Antwort ist ja. Also gehen meine Tochter und ich noch einmal zurück zu meinem Sohn und ich verabschiede mich noch einmal. Ich weiß, dass er nicht mehr in seinem Körper ist, aber er sieht uns freilich von oben zu. Ich bin so sehr traurig und vermisse ihn so sehr, aber äußerlich bleibe ich stark und standfest, da ich weiß, dass ich das für die anderen bleiben muss und weil ich den Kampf meines Sohnes weiterführen möchte.
Schließlich sind wir fertig und wir gehen zurück zu unserer Unterkunft. Der Schlaf kommt verwunderlicherweise sehr leicht. Wir sind alle sehr, sehr müde und emotional ausgelaugt. Obwohl der Schlaf leicht kommt, schläft keiner aus oder lange. Wir wollen alle Texas weit hinter uns lassen. Wir warten ungeduldig darauf die Stadt verlassen zu können. Missy und Charity kommen am nächsten Morgen mit Kopien des Houston Chronicle und des Huntsville Item vorbei. Der Huntsville Item enthält nicht die Informationen, die Layne ihnen gestern mitgeteilt hat und sie ist enttäuscht, dass der Reporter es nicht richtig gemacht hat. Der Houston Chronicle schreibt eher sachlich, aber es ist immer noch ersichtlich, dass alle den AP-Report verwendet haben.
Pfarrer John kommt an, um Jennie zum Flughafen zu bringen und ich gebe ihm Richs letzten Brief an ihn. Er liest ihn laut vor. Es ist sein aufrichtiges Zeugnis. Er möchte, dass Pfarrer John es nutzt, um die Kinder mit denen er arbeitet davon abzuhalten sich mit den Falschen abzugeben, sie davon abzuhalten falsche Dinge zu tun und so zu enden, wie er. Wieder versucht ein guter Mann etwas zu verändern, sogar von seinem Grab aus.
Pfarrer John und Jennie gehen zum Flughafen. Wir sitzen herum und unterhalten uns eine zeitlang. Die Dinge haben sich so schnell verändert. Ich gebe Missy Mouse, Richs bester Freundin, seinen Kaffeebecher. Es ist ein alter, weißer Plastikbecher, der mit Bildern von Autos bedeckt ist, die er darauf geklebt hat. Ich erinnere mich daran, wie er mir vor Jahren davon erzählt hat, aber ich wusste nicht, dass er ihn noch hatte. Ich gebe ihr auch eine seiner Socken. Seine Unterwäsche, die er getragen hatte, befand sich in dem Sack. Alles andere hatte er anderen Leuten im Todestrakt zukommen lassen.
Ich zeige ihnen seinen Wasserkocher. Darauf hat er auf seine humorvolle Art eine Notiz hinterlassen:
19. Mai 2005, 4.55 Uhr
Mom, ich habe mir gerade eine Tasse Kaffee aufgebrüht und da ich so hart für diesen Wasserkocher gearbeitet habe, habe ich beschlossen ihn dir zuzusenden! *Smile* Ich liebe dich!!!
Dein Sohn,
Rich
P.S.: Viele Küsse für Ricki (jedes I in Ricki hatte ein Herz anstatt eines Punktes)
Ansonsten ist der Sack mit Briefen von der Familie, Freunden und Unterstützern voll. Und es gibt viele Bilder. Der Sack enthält auch seine Identifikationskarte vom Gefängnis, oder zumindest eine Kopie davon, und die anderen Dinge, die er die ganze Zeit mit seiner Identifikationskarte herumtragen musste. Es gibt zwei Bilder von Ricki, eines von ihr mit einem Osterhasen im Alter von drei Jahren und eines das an ihrem Geburtstag dieses Jahr gemacht wurde, als sie eingeschlafen war. Es gibt auch ein Bild seiner Freundin aus Las Vegas. Es gibt ein Bild von einer kleinen Familie, die ich nicht kenne und es gibt die zusammengefaltete Essenstüte mit all den wichtigen Telefonnummern von gestern darauf. Mein Sohn, mein Sohn, ich vermisse dich so sehr.
Ich bin überrascht die Worte, die ich während der Hinrichtung sagte in der Zeitung zu lesen. Meine Tochter erzählt uns, dass die Reporter während der Hinrichtung direkt hinter uns waren. Sie hat sie gesehen, aber ansonsten niemand. Anscheinend wurden wir von der Wärterin angelogen. Ich glaube ich erinnere mich daran, dass sie sich entschuldigt hat, aber ich bin nicht sicher. Einige Dinge sind mir sehr lebendig in Erinnerung, andere nicht.
Missy und Charity gehen und nur Diane, Layne und ich sind noch da. Wir packen alles zusammen und machen uns auf den Weg zum Flughafen. Endlich verlassen wir Texas. Die letzte Woche im Leben meines Sohnes ist vorbei. Es ist nun der erste Tag des Restes unseres Lebens – der erste Tag eines Lebens ohne Richard, ohne seine Liebe, seinen Humor, sein Lächeln. Gott hat einen neuen Engel und er wacht über uns alle. Sogar als das Flugzeug abhebt, bin ich traurig. Sie haben meinen wunderschönen Jungen umgebracht und ich werde sein Lächeln nie wieder sehen. Ich bete zu Gott, dass ich auch weiterhin stark bin.
Es gibt eine grausame Schicksalswendung, die uns erwartet, als wir landen. Als das Flugzeug landet, hört meine Tochter ihre Mailbox ab. Darauf befindet sich eine Nachricht von ihrem Dad. Er sagt, dass er mit Rich sprechen möchte und dass er ihn bitte anrufen soll. Er weiß und versteht nicht, was gestern passiert ist. Er weiß nicht, dass sein wunderschöner Sohn tot ist. Diane reicht mir das Handy, damit ich die Nachricht hören kann, während sie ihre Tränen zurückhält. Sie fragt mich, was sie tun soll. Ich sage ihr sanft, dass sie ihn anrufen muss. Im Auto auf dem Heimweg ruft sie ihren Dad in Florida an. Er sagt ihr wieder, dass er Rich sprechen möchte und sie muss diese unwahrscheinlich harten Worte sagen: “Dad, Rich ist tot. Sie haben ihn gestern hingerichtet.“ Sie weinen beide. Und es gibt ein weiteres Opfer. Es hört nie auf.
Etwa 10 Tage später öffne ich den Briefkasten und finde 3 Kopien von Richs Todesurkunde, die ich über die Leichenhalle angefordert hatte. Als ich es lese, beschleicht mich das seltsame Gefühl, dass sie den Falschen hingerichtet haben. Richards Geburtsdatum ist eigentlich der 11. Februar 1970, während dort der 11. Februar 1974 steht. Als mein Mädchenname ist Irene Iado Kabunsek eingetragen, obwohl ich Irene Aida Kubancek hieß. Man sollte meinen, dass der texanische Staat wenigstens seine Informationen richtig überprüft. Am Ende steht bei der Todesursache „gerechtfertigter Mord durch kürzlich erteilte Erlaubnis des Staates Texas.“ Bei Todesursache steht „vom Gericht angeordnete Todesspritze“ und die Zeit zwischen dem Beginn und dem Tod ist mit „10 Minuten“ angegeben. Jetzt ist es offiziell. Mein Sohn ist für immer von dieser Welt gegangen, aber er wird mein Herz nie verlassen.

(zum Seitenanfang)

 

Unzensiert aus dem texanischen Todestrakt von Clinton Young

02. Juli 2005


Ich grüße alle! Ich möchte alle willkommen heißen zu einer weiteren Reise durch die Gedanken von Clinton Young!
Der Beitrag dieser Woche wird zum größten Teil persönlich sein und sich um das Thema Liebe drehen.
Gestern hatte mich meine Frau besucht und das ist auch der Anstoß für diesen Bericht. Die Worte, die meine Gefühle am Besten wiedergeben, hat Elizabeth Barnett Browning verfasst: „Wie ich dich liebe? Lass mich alle Arten zählen. Ich liebe dich mit meiner ganzen Seele.“
Liebe ist wie eine Erkältung – sie kann nicht versteckt werden. Als ich zum ersten Mal spürte, dass ich mich in meine Frau verliebt hatte, begann ich nach Gründen zu suchen, um sie von mir zu stoßen. Ich verglich sie mit anderen und versucht irgendeinen Grund zu finden sie nicht zu lieben. Es ist viel einfacher jemanden von mir zu stoßen, als ihn an mich heranzulassen. Wenn ich sie von mir stoße, wie können sie mich dann verletzen?
Ich habe mich dann dazu entschieden ihr eine Chance zu geben und einige Mauern, die mein Herz verschließen, einzureißen. Je öfter wir miteinander sprachen, desto stärker verliebte ich mich. Dann fragte ich sie, ob sie mich heiraten möchte. Ich war total nervös. Ich dachte: "Du Idiot, du wirst sie fragen, sie wird nein sagen und du wirst wie ein völliger Depp aussehen!“ Dennoch entschied ich mich dieses Risiko einzugehen und fragte sie.
Als ich sie fragte wurden ihre Augen groß. Ich dachte mir: „Da hast du den Salat“, aber sie sagte ja. Ich fühlte mich wie ein ertrinkender Mann, der wieder nach Luft schnappt. Mein Herz raste und ich schwitzte. Ich lächelte und sagte: „Oh-ja?“ Nachdem wir dann offiziell geheiratet hatten, erwischte ich mich wieder dabei, wie ich denselben Mist wie vorher machte. Ich suchte nur nach Gründen sie von mir zu stoßen. Ich wurde extrem kritisch. Es wird gesagt, dass eine Person nicht weiß, was sie hat, bevor sie es verliert. Ich kann sagen, dass das der Wahrheit entspricht. Im letzten Monat hatten meine Frau und ich nicht so viel wie üblich miteinander kommuniziert. Zunächst wurde ich ärgerlich, als ich für einige Tage keinen Brief von ihr bekam. Dann nahm sie einen Besuch nicht wahr. Nun, dies ging so den ganzen Monat. Ich sprach nur noch von ihr. Ich wurde wütend. Ich machte mir Sorgen. Ich schrieb ihr und fragte sie ob sie nur mit mir spielt. Sie hatte selbst einige Probleme, um die sie sich kümmern musste. Ich war so beschäftigt mit den Dingen, die „MICH“ betrafen, dass ich gar nicht daran dachte, was sie durchmachte.
Ich erzählte meine Beziehungsprobleme einem Kumpel. Er sagte mir: „Das Mädchen hat dich um den Finger gewickelt.“
Ich wurde wütend und sagte: “Leck mich am Arsch, kein Weibsbild wickelt mich um ihren Finger!” Dies war eine total egoistische Äußerung.
Nun, er ging zurück zu seiner Zelle (er hatte Hofgang gehabt). Ich dachte über alles nach, über das wir gesprochen hatten – über mich und meine Frau.
An diesem Abend erhielt ich einen Brief von ihr. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind an Weihnachten! Dann realisierte ich, dass ich egoistisch war. Ich fühlte mich wie ein komplettes Arschloch! Mir wurde klar, wieviel sie mir wirklich bedeutet.
Ich lag in der Dunkelheit und hörte Radio. Ich dachte viel über sie und mich nach.
Am nächsten Morgen ging ich zum Hofgang im Aufenthaltsraum bei meinem Kumpel. Ich brüllte in seine Richtung: „Schau mal raus!“ (Er ist übrigens ein entfernter Verwandter) Dann sagte ich zu ihm: „Kumpel, du hast recht. Diese Frau hat mich um ihren Finger gewickelt. Ich werde verrückt, wenn ich an sie denke!“
Er fuhr fort indem er mir erzählte, dass er mich die gesamten letzten anderthalb Wochen nur von meiner Frau sprechen gehört hat! In diesen paar Tagen habe ich realisiert wieviel sie mir wirklich bedeutet. Ich schämte mich wegen all der Zweifel und meiner kritischen und egoistischen Gedanken. Ihre Zufriedenheit wurde zum einzig Wichtigen für mich!
Als ich sie beim Besuch sah, sah sie noch schöner aus als jemals zuvor. Ich begann ihr alles zu erzählen über das ich nachgedacht hatte und was ich fühlte. Als ich begann all meine inneren Gedanken und Gefühle für sie zuzugeben, fühlte ich ein Brennen in meinen Augen. Ein Gewicht wurde von meinen Schultern genommen, als ich sie sah und ihre Stimme hörte. Als ich in ihre Augen sah fühlte ich dieses komische Gefühl in meiner Brust, das es schwer macht zu atmen! „Liebe tut so weh.“
Wir legten unsere Handflächen an das Glas. Ich sah wie nah unsere Hände sich waren, aber ich konnte sie dennoch nicht berühren. Ich fühlte wie ich traurig wurde. So nah und doch so weit weg!
Hier ist ein Gedicht, das ich über eine Person geschrieben habe, die sich im Todestrakt verliebt:
“Misunderstood”
My broken heart begins to heal.
Through my open mind shall never fall!
I thought myself to be solid.
O-how her beauty penetrates my souls like sharpened steel.
I stare into the mirror, so my mind begins to drift.
I can’t help but wonder, how does she feel?
Then the rage begins to simmer and the hate starts to boil.
The fantasy shatters, as reality explodes before me.
I reside in the pits of hell, classified a demon and set aside to die.
What love shall be speared on a monster, illuminated with evil?
Why would an angel of divine grace open her heart for such a cruel pitiful waste?
Why would such loving eyes even gaze upon a killers face?
Why would she allow my wicked ways to pollute her pure soul that sparkles like a natural spring?
With a face that glistens like a diamond cut by the hand of God and shaped by the sincerity of time.
If I could only escape the stereotypes, knock away the barrier and shine through the smoke screen.
O-I wish I possessed the strength to open her heart, the wisdom to open her mind and the patience to reveal to her the truth.
That I am no demon, just lost, like a child in the woods with a fear that is so often misunderstood.
Clint Young
“Missverstanden”
Mein gebrochenes Herz wird wieder geheilt.
Meine Unvoreingenommenheit soll nie aufhören!
Ich dachte ich sei stark.
Oh - ihre Schönheit durchdringt meine Gedanken wie geschärfter Stahl.
Als ich in den Spiegel schaue, beginnen meine Gedanken abzuschweifen.
Ich kann’s nicht ändern, aber ich frage mich: wie fühlt sie sich?
Dann beginnt die Wut in mir zu brodeln und der Hass beginnt zu kochen.
Die Phantasie wird zerstört, als mir die Realität explosionsartig ins Gedächtnis gerufen wird.
Ich befinde mich in diesem Höllenloch, werde als Monster bezeichnet und bin beiseite geschafft worden, um hingerichtet zu werden.
Welche Liebe sollte auf ein Monster, das von Bösartigkeit durchdrungen ist, verwendet werden?
Warum sollte ein Engel voll himmlischer Gnade sein Herz für eine solch grausame Verschwendung öffnen?
Warum sollten so liebliche Augen überhaupt des Gesichts eines Killers ansichtig werden?
Warum sollte sie mir erlauben ihre reinen Gedanken, die wie eine Quelle sprudeln, mit meiner grausamen Art zu verschmutzen?
Mit einem Gesicht, das wie ein Diamant glitzert; von Gott geschliffen und von der Zeit geformt.
Wenn ich nur den Stereotypen entfliehen könnte, die Abgrenzung zerschlagen und durch die geschwärzte Scheibe scheinen könnte.
Oh - ich wünschte ich besäße die Stärke ihr Herz zu öffnen, die Weisheit ihre Gedanken zu öffnen und die Geduld ihr die Wahrheit zu offenbaren.
Dass ich kein Monster bin, nur verloren, wie ein Kind in den Wäldern mit einer Angst, die so oft missverstanden wird.
Clint Young
Ehrlich gesagt habe ich das vor allem geschrieben, um die Beziehung zu meiner Frau zu entwickeln. Ich habe jedoch eine andere, spezielle Version für sie verfasst.
Anmerkung: Alle Vergleiche mit Monstern, Bösen, usw. werden nur verwendet um auf die für gewöhnlich verwendeten Stereotypen im Todestrakt aufmerksam zu machen. Ich akzeptiere keine dieser Stereotypen, Etikettierungen und/oder negativen Bezeichnungen. Ich bin kein Monster, Dämon, Böser, Killer und/oder irgendetwas, das in Beziehung zu diesen negativen anti-sozialen Etikettierungen steht.
Nun ja.
Liebe ist ein Rätsel, ein Mysterium und ein Monster, das dich lebendig auffressen kann. Also warum streben wir danach? Diese Frage wurde oft in der Geschichte gestellt.
In Wahrheit brauchen wir alle Liebe. „Ein Wort befreit uns von aller Last und von allem Schmerz des Lebens: Dieses Wort heißt Liebe.“ - Sophokles
Diese Aussage ist sehr zutreffend. Ich habe die Wahrheit dieses Zitats erlebt. Aber mit dem Guten kommt das Schlechte. Ich befinde mich im Todestrakt, warte darauf umgebracht zu werden um Gerechtigkeit für ein Verbrechen zu schaffen, das ich nicht begangen habe. Alles im Namen von Gerechtigkeit. Diese Tatsache ist kalte Realität. Das Justizsystem hat gezeigt, dass es sich einen Dreck darum kümmert Fehlentscheidungen zu berichtigen. Sie haben gesagt: „Unschuldigkeit interessiert uns nicht, solange der Angeklagte ein faires Verfahren erhalten hat.“
Der Schmerz, den meine Frau erleiden werden muss, wenn ich umgebracht werde, macht mir Angst. Er motiviert mich aber auch dazu, noch mehr zu kämpfen. Ich habe Menschen mit denen ich eine Freundschaft entwickelt habe und die, wie ich auch, viel Energie darauf verwenden mir zu helfen mein Leben zu retten.
Janice hat alles getan, das in ihrer Macht steht, um mir zu helfen. Wir schreiben uns noch nicht so lang, darum war ich von ihren Anstrengungen in meinem Kampf überrascht.
Ich habe vor kurzem auch begonnen Suzanne zu schreiben. Ich danke ihr sehr für ihre Hilfe.
Eine meiner engsten Freundinnen ist eine einzigartige Person. Ihr Name ist Viktoria. Sie ist eine der wenigen Leute in dieser Welt, der ich meine Gefühle mitteilen kann. Sie erfasst die Wirklichkeit meiner Situation, was geholfen hat unsere Freundschaft zu festigen.
Was mich zu einem anderen Thema bringt. Einige Leute dort draußen denken es ist Spaß, mit den Gefühlen anderer Menschen zu spielen. Ein Mädchen hatte mir geschrieben und im ersten Brief davon erzählt wie sehr sie an mich denken müsse und dass sie mich durch Schicksal gefunden hätte und mit mir fühlen würden. Als ich ihr zurückschrieb und ihr erzählte, dass ich verheiratet bin, hörte ich nie wieder etwas von ihr!
Wisst ihr, die Menschen müssen aufrichtig sein. Dieses Mädchen dachte in der Tat, dass sie mir erschwindelten Mist verkaufen könnte. Ich habe mich so beleidigt gefühlt. Es ist eine Schande, dass einige Mädchen so etwas machen. Aber wirklich nur ein winziger Teil versucht diesen Mist.
Alles Wissen, das ich besitze, kann jeder andere erlangen, aber mein Herz gehört nur mir. Ich kann jemandem erlauben es zu betreten, aber grundsätzlich gehört es nur mir.
Es ist traurig, dass einige Leute mit der Liebe spielen. Das könnte man mit einer geladenen Waffe mit einem Haar als Abzug vergleichen. Liebe hat ihre Gründe. Liebe bestimmt das Leben und den Tod. Es ist eine Macht, die man nicht als Spielzeug missbrauchen sollte.
Für mich ist die Hölle nicht mehr lieben zu können. Nicht in der Lage zu sein die Freude zu erfahren, die ich durch die Liebe meiner Frau spüre, wäre für mich die Hölle auf Erden.
Den letzten Artikel, den ich verfasst hatte, wurde während einer Phase des Gefühlsaufruhrs über die Situation mit meiner Frau geschrieben. Janice und Suzanne hatten das Privileg darüber zu lesen, wie es mich persönlich beeinflusste. Beide haben mir Ratschläge erteilt, über die ich ihnen sehr dankbar bin.
Eine andere Frau, der ich schreibe und die anfing eine Bindung zu mir aufzubauen, räumte ein, dass sie die Gefühle versteht, die ich für meine Frau habe und sagte, dass sie ihre Gefühle für sich behalten würde, da sie sich nicht in die Beziehung mit meiner Frau einmischen möchte. Ich freue mich über ihre Aufrichtigkeit und ihren Respekt für mich. Es zeigt, dass sie sich selbst treu bleibt und ich fühle mich jetzt wohl, da ich weiß, dass sie sich ganz in den Kampf einbringen kann, mein Leben zu retten.
Ich habe die Meinungen verschiedener Beamten und Todesstrafe-Befürworter über die Jungs im Todestrakt und die Frauen, denen sie schreiben, gehört. Einige neigen dazu zu denken, dass wir nur darauf aus sind die Leute zu manipulieren und sie reinzulegen. Ich kann nicht bestätigen, dass das nie passiert. Ich kann nur die Aufrichtigkeit meines Herzens bestätigen.
Es gibt dort draußen Menschen, die versuchen Leute im Todestrakt zu beeinflussen! (von Suzanne: Ein Insasse, der manipuliert wurde, wurde vor kurzem von einer Frau umgebracht und sie weiß wer sie ist. Ich möchte keine Hass-e-mails auf mein Statement erhalten. Danke. Suzanne) Ich denke das beseitigt einige Vorurteile, huh?
Meine Frau ist eine der wenigen Menschen, die alles Gute und den Rest kennen. Sie hat meine ganzen Prozessakten gesehen, dabei alles, was gesagt wurde. Sie hat Menschen getroffen, die mich mein ganzes Leben gekannt haben, die Mitglieder meiner Familie und Freunde eingeschlossen. Dies hilft ihr ein anderes Bild von mir zu bekommen.
Ich glaube an Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Aufrichtigkeit bedeutet, dass man sich selbst gegenüber ehrlich ist. Wenn ich mir gegenüber nicht ehrlich bin, wie kann ich dann jemand anderem gegenüber ehrlich sein?
Ich bin denen gegenüber ehrlich, die in meinem Kampf involviert sind. Ich bin kein Engel. Ich war noch nie einer und werde nie einer sein. Aber ich bin kein Monster. Ich bin nur ein einfacher Mann, der nach komplizierten Prinzipien lebt.
Das Ironische daran, dass ich all das hier über Liebe geschrieben habe ist, dass meine Frau diese Artikel nicht einmal liest! Es gibt keinen Grund für sie dies zu tun, da ich ihr alles aus diesen Artikeln und noch mehr erzähle.
Ich wollte eigentlich nur der Welt die Liebe zu meiner Frau ausdrücken. Es ist so ähnlich wie bei der Liebe zwischen Tom Cruise und Katie Holmes! HaHa!!!
Karen, ich habe deinen Brief erhalten. Einer an dich ist auf dem Weg.
Marina, danke für die Information.
Paddy, ich habe deinen Brief erhalten. Ich werde bald antworten.
Ich glaube ich habe Suzanne genug zu tippen gegeben. Im nächsten Artikel wird es um das Leben im Todestrakt gehen und warum die Unterstützung von außerhalb so wichtig für die emotionale, mentale und sogar körperliche Gesundheit einer Person im Todestrakt ist.
Einigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg! Konzentriert euch auf das Ziel. Lasst uns die Herausforderung annehmen.
Nutzt den Schmerz, um das Feuer anzufachen.
Steht gerade, lasst nie nach und gebt nie auf.
Viele Grüße,
Clinton Young #999447
Polunsky Unit
3872 FM 350 S.
Livingston, TX 77351
USA
Von Suzanne:
Ich wollte nur alle von euch, die Freunde oder einen Familienangehörigen im Todestrakt haben darüber informieren, dass es eine Organisation gibt, die sich „Bürger für schnelle Gerechtigkeit“(„Citizens for Swift Justice“) nennt. Das ist in ihrem Forum zu finden:
Der Zweck dieser Vereinigung ist es, Insassen im Todestrakt zu ermutigen damit aufzuhören das Justizsystem zu missbrauchen und die Strafe zu akzeptieren, die ihnen durch die Geschworenen zugeteilt wurde. Unser einziger Zweck ist es, die Insassen zu unterstützen, die sich für das Richtige entschieden haben und auch die zu ermutigen, die darüber nachdenken.“
Bitte berichtet euren Freunden/Familienmitgliedern im Todestrakt von dieser Organisation und sagt ihnen, dass sie diese Information verbreiten sollen. Besonders an die Insassen, die vielleicht dazu ermutigt werden müssen, die Briefe von diesen Leuten nicht zu lesen.
Danke,
Suzanne

Das Folgende wurde von Robert Shields #999166 verfasst. Danke dir so sehr Scott, dass du Robert dabei hilfst seine Berichte auf „Uncensored“ zu veröffentlichen.
“Montag, 11. Juli 2005
Justizsystem von Robert Shields
Ich möchte heute über etwas schreiben, dass die meisten Leute nicht verstehen: unser Justizsystem. Die gute alte Freiheitsstatue ist etwas, das uns Amerikanern sehr wichtig ist, aber ich möchte euch aufzeigen, was sie versteckt hält.
Lasst mich euch erst einmal ein Beispiel geben, das jeder von euch verstehen wird, der sich für Autorennen interessiert:
Man nehme zwei Autos und stelle sie nebeneinander an die Startlinie. Auf der einen Seite ist das neueste, glänzendste Sportauto mit aller neuer Technik und einem exzellenten Team.
Auf der anderen Seite steht ein Auto, das bereits über viele schwierige Straßen gefahren ist, mit dürftigen Reifen und einem Fahrer, der nach Freiwilligen für sein Team fragt.
Uns ist klar, wer das Rennen gewinnen wird. Also warum sollte es im Gerichtssaal anders zugehen?
Die Staatsanwälte haben gut ausgebildete Mitarbeiter mit viel Geld für Experten und alles was sie noch wollen. (auf Kosten der Steuerzahler).
Während es, wenn man einen Pflichtverteidiger erhält so ist, dass er über wenig oder gar keine Erfahrung verfügt und niemand hat, der ihm hilft. Er versucht immer noch seine Ausbildungsförderung zurückzuzahlen und ist auf die Schecks dieses Richters angewiesen, also wird er die Sache nicht gefährden.
Also ist es egal was für einen Fall man hat, wenn man nicht ein wenig Geld hat, um dieses Auto zu fahren!
Warum glaubt ihr, dass man all diese anscheinend schuldigen Leute wie O.J. Simpson, Michael Jackson und Robert Durst frei herumlaufen sieht? Da es sich nur ums Geld dreht...“
„Dienstag, 19. Juli 2005
Auge um Auge von Robert Shields
In den ganzen Jahren habe ich so oft “Auge um Auge” gehört und dass man seine Bestrafung einfach nur akzeptieren sollte, dass es mich gar nicht mehr interessiert. Es ist so, dass die, die das alles predigen gar nicht verstehen und/oder realisieren, dass die Todesstrafe in Texas gar nicht so funktioniert. Wenn es so funktionieren würde, dann würden alle Morde dafür in Frage kommen.
Es ist jedoch Tatsache, dass wir, die hier im Todestrakt sitzen, nicht einmal für unsere Straftaten bestraft werden. „Was???” sagt ihr? Anders als bei den meisten Fällen in denen einen die Jury für schuldig befindet, verurteilen sie dich zu etwas, das einer voreingestellten Richtlinie folgt. Das läuft nicht so bei Mord.
Wenn man des Mordes für schuldig befunden wurde, erhält man eine lebenslange Haftstrafe. Unter dem amerikanischen Gesetz bedeutet das 40 Jahre bevor man überhaupt eine Möglichkeit zur Strafaussetzung erhält. Wenn die Jury nicht einstimmig entschieden hat, dass man auch in Zukunft eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Als Folge verurteilt einen die Jury zum Tode für die Möglichkeit, dass man auch in Zukunft Straftaten begehen könnte. Das zwingt sie also dazu Prognosen zu erstellen, nicht besser als jemand der Tarotkarten liest. Was IN DER TAT nichts mit dem zu tun hat, weswegen sie dich gerade schuldig gesprochen haben. Dafür bestraft werden, was man eventuell machen könnte... Das ist was worüber es sich lohnt einmal nachzudenken, oder?????“

Sie können Clinton Young unter chaos@1prison.com auf englisch mailen und unter Patricia_Krause@freenet.de auf deutsch. Achten Sie darauf Ihre Anschrift zu nennen, wenn sie eine direkte Antwort erhalten möchten, da die Insassen keinen Zugang zum Internet haben.

(zum Seitenanfang)

 

Unzensiert aus dem texanischen Todestrakt von Clinton Young

15. Juli bis 2. August 2005

Ich grüße alle!

Willkommen zu einer weiteren Reise durch die Gedanken und das chaotische Leben von Clinton Lee Young.
Heute ist der 15. Juli. Ich habe eine Woche nicht schreiben können, da einiges passiert ist. Letzte Woche hat mir eine Vollzugsbeamtin mit dem Namen Hadnot ein Disziplinarverfahren angehängt. Ich hatte mein Handtuch über der Scheibe meiner Tür hängen und unterhielt mich mit einem Typ in der Zelle über mir.
„Nehmen Sie dieses Handtuch herunter!“, sagte Hadnot.
Ich antwortete: „Was? Können Sie mich nicht fragen, ob ich das Handtuch herunter nehme? Wenn Sie mich in einer respektvollen Weise fragen, dann kann ich Ihrer Bitte entsprechen.“
Sie sah mich dann mit einem miesen Gesichtsausdruck an (sie hat sowieso schon ein Gesicht wie eine Bulldogge) und sagte auf eine süßliche Art: „Nehmen Sie Ihr Handtuch herunter.“
Ich wurde wütend und antwortete: “Fick dich und das Handtuch. Wenn Sie sich mit mir nicht in respektvoller Weise unterhalten können, dann machen Sie mich nicht an und gehen Sie von meiner Zelle weg.“
Tja, wie erwartet weckte mich um 5.50 Uhr ein Sergeant und fragte mich nach meiner Aussage zu dem Disziplinarverfahren, das mir Hadnot angehängt hatte. Der Vorwurf lautete: „Weigerung einer direkten Anweisung Folge zu leisten“.
Wir sprachen darüber wie man sich den Spielregeln des Systems unterzuordnen hat und der ganze andere Mist. Ich sagte ihm dann, dass ich mein Handtuch herunter genommen hätte, wenn sie mir mit Respekt begegnet wäre.
Tja, die Zeit schreitet fort und ich wurde in den C-Trakt verlegt, in dem sich mein Kumpel Robert Will befindet, der ein sehr enger Freund von mir ist. So eng wie ein Bruder.
Ich entschließe mich dazu, mich dem System halbherzig unterzuordnen. Also rasiere ich mich und mache all diese „guten Dinge“. Am Sonntag holen sie mich dann zu meinem Disziplinarverfahren ab. Bei einem größeren Vorfall muss sich die Person vor einem Captain verantworten und alles wird auf Band aufgenommen. Bei einem kleineren Vorfall verantwortet sich die Person vor einem Lieutnant und einem Sergeant. Kein wirklicher Prozess also.
Tja, ich erwarte also eine kleine Strafe, wie 10 Tage Verbot etwas in der Verpflegungsstelle zu kaufen. Lieutenant Bryant leitet die Anhörung. Er ist eine Miniausgabe von Captain Wickersham.
Nun ja, er fragt mich, wie ich mich bekenne und ich bekenne mich schuldig ohne Kommentar.
Dann sagt er: „Ich erteile Ihnen ein 15-tägiges Verbot etwas in der Verpflegungsstelle zu kaufen, 15 Tage Zellenarrest und ich degradiere Sie auf Stufe 2.“
Als er das sagte, konnte ich es nicht fassen! Ich sagte: „Warten Sie mal Bryant – Sie machen Witze, oder?“
Er sagte: „Nein, Sie werden auf Stufe 2 degradiert.“
Ich: „Also stufen Sie mich für einen kleineren Vorfall herunter?“
Er: „Ja, ich muss konsequent sein.“
Ich lache kurz auf und sage: „Hören Sie mit dem Mist auf. Sie meinen das nicht ernst, oder?“
Er sagt: „Doch, ich meine es ernst. Sie müssen ja ihr Handtuch nicht in die Tür hängen. Ich muss konsequent sein.“
Ich antworte: „Sie haben sicher recht, dann muss ich aber auch konsequent sein.“
Ich glaube es ist überflüssig zu erwähnen, dass diese Berichte in Zukunft interessanter und actiongeladener sein werden :-).
Da wir gerade bei Action sind: Einer meiner Kumpels, Steven Woods, wurde mit Pfefferspray vollgesprüht. Ich schlief gerade und erwachte vom Geruch von Rauch. Ich schaue zu meiner Tür heraus und sehe, dass der ganze Trakt voller Rauch ist. Ich denke: „Steven muss ein Feuer gelegt haben.“ Und keine Sekunde später höre ich: “Schau mal raus, Young!”
Ich brülle: „Was ist los?“
Steven antwortet: „Ich bin gerade dabei das Team verdampfen zu lassen :-)
Ich: „Weshalb?“
Er: „Ich habe ein Feuer gelegt und jetzt versuchen sie mein Eigentum zu retten.“
Ich lache und brülle: „Weiter so, Lil-Wood!“
Eine Minute später höre ich das Stampfen des Zellen-Räumungs-Teams, das in den Trakt stürmt.
Steven befindet sich in einem anderen Bereich als ich und so kann ich ihn oder das Team nicht sehen. Ich befinde mich in einer Eck-Zelle, so dass ich eigentlich gar nichts sehe!
Sie sprühen ihn zweimal mit Pfefferspray voll und dann gehen sie rein.
Ich höre wie Dinge durch die Gegend fliegen und dann brüllt der Sergeant: „Hören Sie auf sich zu wehren, hören Sie auf sich zu wehren!“
Jetzt bringen sie ihn in eine andere Zelle. Er sagt, dass es ihm gut geht. Er wird bald darüber schreiben.
Steven wiegt nur ca. 55 kg, wenn überhaupt soviel! Der Anführer des Teams wiegt mehr als 135 kg! Und dann fünf Männer insgesamt.
Ich bewundere den Kerl wirklich. Er hat viel Herz. Er ist auch clever. Er wird Berichte veröffentlichen.
Man sieht also, dass sie mich ohne richtigen Prozess o.ä. auf Stufe 2 zurückgestuft haben. Ein anderer Beamte sagte zu mir: “Oh Mann, Lieutenant Bryant muss dich hassen.“ Ehrlich gesagt glaube ich, dass sich die Bestie selbst hasst. Was soll’s. Ich habe mich diese Woche bisher ruhig verhalten, da ich am Samstag Besuch bekomme. Ich bin überzeugt, dass meine Frau kommt, um mich zu sehen. Mein Geburtstag ist am 19. Juli. Ich hatte gehofft meine kleine Schwester zu sehen, aber da ich jetzt herabgestuft wurde, kann ich nur einen Besuch im Monat bekommen. Das ist der Preis, den wir für das Spiel, das wir spielen, zahlen.
Ich habe einige e-mails von ein paar Leuten erhalten.
Miles, danke für das Kompliment. Wie du jetzt weißt, kenne ich Rob.
Rev. Amy, ich werde dir bald einen Brief senden. Ich vermute, dass Steven dir von Punk Rock Mike und dem Jungen Prinz erzählt hat. : ) HaHa! Er hat mich davon in Kenntnis gesetzt, dass er auf einen Brief von dir wartet.
Für das Mädchen hinter den Kulissen aus Australien – danke für die e-mail.
Paddy, ich habe dir einen Brief geschickt. Du müsstest ihn jetzt erhalten haben. Ich habe deine e-mails ebenfalls erhalten.
Irene, ich habe die e-mails erhalten. Danke.
An Sarah aus Neuseeland und Karen. Ich habe eure Briefe erhalten. Danke. Ich werde antworten sobald ich einige Briefmarken erhalte.
Patricia aus Deutschland, ich habe deine Karte und deinen Brief erhalten. Danke!
Oh ja, Miles. Ich finde die Gedenkseite, die du für Richard gemacht hast, toll. Mir wurde gesagt, dass du dir viel Mühe gibst.
Viktoria, ich habe deinen Brief bekommen. Mach weiter so. Ich danke dir sehr für deine Freundschaft.
Ich möchte auch Scott dafür danken, dass er Suzanne mit den Berichten hilft.

Nun ja, am Ende möchte ich noch sagen, dass ich mit einer Freundin von mir daran arbeite eine Non-profit-Organisation zu gründen. Diese Freundin leitet auch meine Yahoo-Gruppe. Hoffentlich können wir alles in die Tat umsetzen, um mein Leben zu retten. Es wird Geld brauchen, um alles in Gang zu bringen, aber wenn mal alles am Laufen ist, wird es sich von selbst finanzieren. Ich habe viele gute Ideen.
Zu anderen Neugkeiten: Mein wertloser Anwalt Gary Taylor ist nach Nevada gezogen und hat den Fall niedergelegt. Also habe ich zu diesem Zeitpunkt keinen Anwalt. Ich warte noch auf Antwort auf meinen Brief an den Staat. Ein weiterer Schlag gegen mich.
Ich muss jetzt warten bis der Staat eine andere Person ausgesucht hat, die ihnen bei ihrem Mord hilft. Diese Person wird nichts über meinen Fall wissen und wird ernsthafte Nachteile haben. Gary Taylor hat jemanden empfohlen.
Der Spitzname von Gary Taylor ist „der Sensenmann“. Ich habe einige gute Beweise, die dafür sorgen könnten, dass ich einen neuen Prozess bekomme, aber der Idiot hat nur Klage eingereicht, um meine Strafe in lebenslang umzuwandeln!
Nun, und jetzt habe ich nicht einmal einen Anwalt! Nun ja, keinen zu haben ist in etwa dasselbe wie den zu haben, den ich hatte!
Eine kurze Notiz für alle englischen Leser. Besonders diejenigen aus London. An jeden, der einen geliebten Menschen verloren hat oder durch die Hände der Terroristen Schmerz erleiden musste, ich fühle mit euch.
Es gab einen anderen guten Artikel über Methamphetamine in der USA Today am Freitag, den 15. Juli 2005. Dort wird dargestellt, wie es das Gehirn angreift und die ganzen anderen schönen Dinge.
Es gab vor kurzem ein weiteres Thema in den Nachrichten. Die Republikaner versuchen die Möglichkeit zur Haftprüfung für Todestrakt-Insassen abzuschaffen. Das Gesetz wird höchstwahrscheinlich verabschiedet werden. Wenn es ein Gesetz wird, dann werden viele Männer und Frauen sterben. Ihr müsst sehen – die Befürworter der Todesstrafe formieren sich und konzentrieren sich auf das eigentliche Ziel und das ist töten, töten und töten. Die meisten der Todesstrafe-Gegner sitzen nur herum, beschweren sich über Bush und dieses und jenes. Wenn sich alle vereinigen würden und die Kräfte sammeln würden, dann wäre die Bewegung der Todesstrafe-Gegner lauter und stärker. Man benötigt Geld. Die Befürworter belegen die Geldbeutel der Politiker. Bis die Menschen bereit sind sich mit ganzer Stärke einzusetzen, sich zu sammeln und zu organisieren, wird der Kampf für uns mit dem Tod enden.
Ich habe einige Ideen, die ich vorstellen werde, wenn ich einmal die nötige Hilfe bekomme, die ich brauche, um alles zu verwirklichen. Je mehr Leute über die Todesstrafe Bescheid wissen, desto mehr werden sich am Kampf beteiligen. Dann kann man eine Wähler-Vereinigung bilden und unsere Stimme wird laut genug sein.
Sagen wir mal, dass es in Texas 2 Millionen Menschen gibt, die wählen dürfen und die gegen die Todesstrafe sind. Nun, wenn sich all diese Leute zusammenfinden würden und dem Gouverneur eine Liste mit allen Namen präsentieren würden und ihm sagen würden: „Wenn Sie uns versprechen etwas gegen die Todesstrafe zu unternehmen, dann werden wir Sie alle wählen.“ Ich garantiere euch, dass die Todesstrafe in Texas beendet werden würde. Aber ich glaube dennoch nicht, dass es in nächster Zeit geschehen wird. Nun glaube ich es noch weniger, da die Republikaner versuchen dieses Rationalisierungsgesetz von 2005 zu verabschieden.
Wenn das Gesetz verabschiedet wird, dann werden viele Menschen sterben. Ohne das Gesetz zur Prüfung der Haft wären heute noch mehr Menschen tot. Dieses Gesetz ermöglichte es Earnest Willis zu gehen. Ohne dieses Gesetz wäre er auch tot. Aber dank dieses Gesetzes kann er nun zuhause bei seiner Frau sein.
Jeder muss sich auf den politischen Aspekt dieses Kampfes konzentrieren. Wenn die Senatoren merken, dass es gut ist gegen die Todesstrafe zu sein, dann werden sie es auch sein – sogar wenn sie eigentlich fest davon überzeugt sind.
Jetzt, da Bush in der Lage ist den Supreme Court (Anmerkung der Übersetzerin: Oberster Gerichtshof) zu bestimmen, wird es noch viel schlimmer werden! Die Leute denken, dass Bush dem zuhören wird, was sie zu sagen haben. Das ist nicht wahr! Der konservative rechte Flügel versucht sein Bestes zu beeinflussen, wen Bush in den Supreme Court ernennt. Aber er hat gesagt, dass er diejenigen ernennt, die er ernennen möchte. Ich hoffe er nimmt es wichtig. Er gibt nicht nach.


16. Juli 2005

Ich bin gerade von einem Besuch mit meiner Frau zurückgekehrt. Es war ein guter Besuch.
Ich werde einige Sachen, die meinen Fall betreffen, veröffentlichen. Sie zeigen, wie ich gelinkt wurde. Sie zeigen auch, dass ich dieses Verbrechen nicht begangen habe.
Es hat sich gut angefühlt, meine Frau zu sehen. Es verursacht eine Menge Stress, wenn ich mir Sorgen über sie und meine Stieftochter mache. Wenn ich sie sehe ist das die einzige Zeit in der ich wirklich glücklich bin.
Verdammt, ich hoffe ich schaffe es aus diesem Mist herauszukommen. Ich kann es nicht ertragen für die Taten eines anderen umgebracht zu werden. Hinzu kommt noch, dass diese andere Person mir gar nichts bedeutet. Ich beziehe mich auf meine Mitangeklagten. Alles was ich machen kann, ist so lang und so stark zu kämpfen, wie ich kann.
Zur Zeit muss ich mich mit einigen Dingen hier drin befassen – diese Leute haben mich wieder auf Stufe 2 gesetzt. Sie tragen alle graue Sachen – also sind sie alle Teil derselben Gang. Ein Beamte sagte sogar zu mir: „Ich bin in der TDCJ-Gang und wir sind eine riesige Gang.“ HaHa! Nun ja.
Ich habe auch Robert Shields beim Besuch gesehen. Es ist gut zu sehen, dass er Unterstützung von seiner Familie bekommt, die ihm dabei hilft diese schwere Zeit in seinem Leben zu bewältigen. Ich hatte nur die Möglichkeit ihn beim Besuch zu sprechen, aber wir sind mit denselben Leuten befreundet.
Nun, ich werde jetzt Schluss machen.
Steht gerade, lasst nie nach und gebt nie auf.
Clinton Young
#999447
Polunsky Unit
3872 FM 350 S.
Livingston, TX 77351
U.S.A.
Das Folgende wurde von Janice verfasst und befasst sich mit Clints e-group. Sie macht einige gute Vorschläge und hat mir die Erlaubnis gegeben, es hier mit Clints Unzensiert zu veröffentlichen:
“Ich grüße euch alle,
Ich hoffe euch geht es allen gut und ihr seid gesund. Ich wurde darum gebeten die Mitgliedschaft zu beschränken, so dass nur noch die Mitglied werden können, die Clinton auch in seiner Gruppe wünscht.
Vor kurzem haben einige Vereinigungen von Todesstrafe-Befürwortern eine Kampagne organisiert. Sie schreiben Briefe an Todestrakt-Insassen und bitten sie darum ihre Berufungen aufzugeben und zu sterben. Diese Briefe tun ihr Übriges zu dem innerlichen Aufruhr, der Frustration und Hoffnungslosigkeit, die diese verurteilten Gefangenen fühlen.
Mir wurde von einem anderen Mitglied eine Seite der Befürworter gezeigt. Ich wurde nicht Mitglied und habe nur die Beiträge gelesen – ich war schockiert von dem, was ich las. Ich wusste bereits, dass es sich um einen schmutzigen Kampf handelt, aber ich hatte keine Vorstellung davon wie schmutzig.
In diesem Forum sind auch die Gegner willkommen, so dass man diskutieren kann. Die Diskussionen sind auf beiden Seiten ausgeartet und lassen alle Beteiligten blöd aussehen. Ich habe nichts veröffentlicht und werde auch nichts veröffentlichen, da ich diesen schmutzigen Kampf nicht auch in unserer Gruppe haben möchte. Unsere Mission ist es, Clinton zu unterstützen und nicht unnütze, schmutzige Kämpfe zu führen und andere zu beschimpfen. Ich habe mich selbst schuldig gemacht, indem ich meine Meinung in Bezug auf Politik oder Religion auf unserer Seite und auch in persönlichen Gesprächen kundgetan habe. Ich wollte damit nie jemanden angreifen, aber ich kann jetzt verstehen, weshalb es vielleicht so war. Ich entschuldige mich, wenn ich irgendjemanden mit meinen Meinungen angegriffen habe und werde in Zukunft von solch unproduktivem Geschwätz, das uns nicht weiterbringt, absehen. Ich respektiere die Meinung von jedem und verstehe, dass wir nicht alle derselben Ansicht sind. Wir sollten uns dennoch alle wertschätzen. Clinton braucht uns und wir müssen uns auf ihn konzentrieren.
Der Grund, dass die Mitgliedschaft auf dieser Webseite jetzt beschränkt wird, ist, dass Clinton jetzt zum Ziel im schmutzigen Kampf der Befürworter geworden ist. Ich zweifle nicht daran, dass einige von ihnen Mitglieder auf dieser Seite werden würden und für Unruhe und Chaos sorgen würden. Ich habe diese Beiträge durchgelesen und war von den Taktiken schockiert, die die Befürworter nutzen, um die Gegner dazu zu bringen von unserem Kampf abzulassen. Die beweist mir, dass wir für eine Veränderung sorgen. Die Gegner sind zu einer Bedrohung geworden, da unsere Anzahl wächst. Ich fordere euch auf euch auf das Ziel zu konzentrieren und Clinton zu unterstützen.
Wenn irgendeiner der Befürworter Mitglied werden könnte und in der Lage wäre hässliche Beiträge zu veröffentlichen, dann gibt es keinen Zweifel, dass es Leute gäbe, die nicht in der Lage wären dem Drang zu antworten zu widerstehen. Ich denke allen von euch ist bewusst, dass ich in Bezug auf meine Überzeugungen sehr starrsinnig und leidenschaftlich bin. Dadurch muss ich zugeben, dass der Drang zu antworten und einigen dieser Leute zu sagen, was ich denke, übergroß war. Dennoch habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich diese Beiträge nur gelesen habe, um die anderen Meinungen kennenzulernen und zu wissen, um was es in diesem Kampf geht.
Was ihr auf anderen Seiten macht, ist eure Sache, dennoch möchte ich euch darum bitten den Kontext unserer Gruppe und unserer Mission zu berücksichtigen. Dies gilt für uns alle, denn auch ich bin, wie ich schon vorher erwähnte, schuldig Dinge gesagt zu haben, die andere vielleicht verletzt oder angegriffen haben und ich möchte mich noch einmal dafür entschuldigen, dass das passiert ist. Nun, wenn es aus irgendeinem Grund einer der Befürworter in unsere Gruppe schafft, antwortet bitte nicht oder schickt eine Nachricht. Wenn ich es noch nicht bemerkt habe, schickt mir eine e-mail und lasst es mich wissen. Ich kann Nachrichten löschen und das Mitglied ausschließen. Wenn wir auf ihre Taktiken eingehen, dann geben wir ihnen Raum für ihre Behauptungen und helfen ihnen bei ihrer Mission. Ich danke noch einmal jeder und jedem. Zur Zeit sieht es so aus, als ob alle unsere Mitglieder aus berechtigten Gründen hier sind – lasst es uns dabei belassen. Wenn irgendjemand ein Mitglied werden möchte, hat Clint darum gebeten, dass diese Person ihm direkt schreibt und nachdem er eine Beziehung über den Briefwechsel hergestellt hat, wird er diese Person persönlich in die Gruppe einladen.
Ich danke euch nochmal für eure Unterstützung!
Herzlichst,
Janice Latimer"
Das Folgende stammt von Robert Shields #999166. Es kann auch unter folgender Adresse gelesen werden: here Ich danke dir Scott, dass du Robert dabei hilfst seine Beiträge auf Uncensored zu veröffentlichen.
“Dienstag, 19. Juli 2005

Auge um Auge von Robert Shields
In all den Jahren habe ich so oft “Auge um Auge” gehört und dass man seine Bestrafung einfach akzeptieren solle, dass es mich nicht mehr interessiert. Die, die diese Botschaft predigen, verstehen nicht oder realisieren nicht, dass die Todesstrafe in Texas so nicht funktioniert. Wenn es so wäre, dann würden alle Mörder dafür in Frage kommen.
Tatsache ist, dass wir, die hier im Todestrakt sitzen nicht einmal für unsere Verbrechen bestraft werden. „Was???” sagt ihr? Anders als in den meisten Fällen in denen dich die Jury für schuldig befindet, verurteilen sie dich zu etwas, das einer genauen Richtschnur folgt. Bei Mord ist es anders.
Wenn du einmal des Mordes für schuldig befunden wurdest, erhälst du eine lebenslange Haftstrafe, was im texanischen Recht 40 Jahre bedeutet, bevor man auf eine vorzeitige Entlassung hoffen kann. Aber das gibt es nur, wenn die Jury entscheidet, dass man in Zukunft keine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Als Schlussfolgerung verurteilt dich die Jury zum Tode – für die Möglichkeit, dass man in Zukunft Straftaten begeht. Also zwingt man sie Prognosen zu erstellen – nicht besser als beim Legen von Tarotkarten. Das hat IN DER TAT nichts mit dem Verbrechen zu tun, dessen man für schuldig befunden wurde. Für etwas bestraft werden, das man evtl. machen könnte..... Das ist etwas über das es sich lohnt nachzudenken, nicht wahr?????“

30. Juli 2005
Ich grüße alle! Willkommen zu einer weiteren Reise durch das Leben und die Gedanken von Clinton Young.
Ich habe letzte Woche nichts geschrieben. Ich musste wieder in meinen Trott verfallen. Ich bin zurück auf Stufe 3 (erkläre ich später). Ich musste mich von der Mentalität auf Stufe 1 auf die Mentalität von Stufe 3 begeben. Das bedeutet, dass ich mich davon verabschiedete Regeln zu befolgen und stattdessen alles tue, wozu ich Lust habe.
Ich fühle mich auf Stufe 3 tatsächlich lebendiger. Mein Kumpel Steven Woods ist nur einige Zellen weit entfernt. Gute Unterhaltungen! Wir haben viel gemeinsam, z.B. unsere Meinungen bezogen auf das System, obwohl wir zwei unterschiedliche Lebensvorstellungen haben.
Erstes Beispiel: Er hat seine Haare zu einem Irokesen geschnitten. Dies ist mir noch nie in den Sinn gekommen. Aber ich lasse meine Haare jetzt wachsen. Mein Haar bedeutet, dass „ich“ bestimme, wann es geschnitten wird!
Ich musste einiges bewältigen und hatte viel Stress – ich weiß, dass meine Brieffreunde und Freunde das bezeugen können. Aber jetzt geht es mir gut. Ich bin eins mit Stufe 3. : ) HaHa!
Die einzige Verschlechterung auf Stufe 3 ist, dass ich meine Frau und Tochter nur einmal im Monat sehen kann!: ( Dies war der bedeutendste innere Konflikt für mich. Aber sie versteht es und weiß, dass ich nicht für immer auf Stufe 3 sein werde.
Ich fühle mich auch schlecht, da einige Leute, denen ich schreibe vorbeikommen und mich besuchen wollten. Aber ich habe nicht versucht auf Stufe 2 zu kommen! Ein psychotischer Lieutenant wollte sein Ego befriedigen und stufte mich für ein geringes Vergehen auf Stufe 2 herab. Also mache ich nur, was ich machen muss.
Am 21. Juli 2005 wurde ich mit Pfefferspray eingesprüht. Ich bin um 17 Uhr für das zweite Essen aufgewacht. Ich aß und begann einen Haufen Papier außerhalb meiner Tür aufzutürmen.
Die Türen werden zum Öffnen zur Seite geschoben. Also befindet sich auf der Seite eine Lücke (auf Stufe 3 ist diese Lücke mit einem geschwungenen Stück Metall verschlossen). Nun, am unteren Ende der Tür, unter der Schiene ist eine Lücke, groß genug, um eine Hand oder ein normal großes Taschenbuch hindurchzustecken. Tja, ich habe einen ganzen Haufen Papier nach draußen geworfen.
Ich habe in der letzten Zelle gewohnt und hatte nur einen Nachbarn und auf der anderen Seite von mir war die Wand, die den Trakt, in dem ich mich befand (D-Trakt) vom E-Trakt trennt.
Ein Trakt besteht aus 6 Teilen, A-F. Es gibt insgesamt 6 Trakte, die auch A-F bezeichnet werden. Ich war im E-Trakt, Teil D.
Nun, nachdem ich einen sehr großen Haufen Papier aufgehäuft hatte, entzündete ich ein Stück Zeitung und warf es auf den Haufen. Es war eine große Flamme! : ) Das Feuer reichte bis hinauf an den Überhang, an dem die Türen befestigt sind. Dieser ist ca. 2.15m hoch!
Der Feueralarm ging an und der Lüfter gingen an. Ich warf weiter Papier nach draußen.
Der Trakt-Beamte kam, um es mit einem Feuerlöscher zu löschen, aber es war nur wenig Wasser darin (sie spritzen mit Wasser, so dass sie billig wieder aufgefüllt werden können).
Dann kommen die leitenden Offiziere. „Young, was zur Hölle ist los mit dir?“
Ich antworte: “Ein Scheiß ist mit mir, was ist mit euch los? Ich mache nur ein Barbeque. Bringt ihr das Bier?“
Dann unterhalten wir uns. Ich sage ihm, dass ich auch mein Tablett einbehalten werde.
Der Sergeant fragt mich: “Was willst du Young? Was willst du?“
Ich antworte: “Ich möchte nach Hause.”
Seine Antwort ist: “Mann, du weißt ich kann dir dabei nicht behilflich sein.”
Wir quatschen noch ein bisschen weiter und ich bemerke, dass immer noch ein kleines Feuer brennt. Während ich mich also mit dem Sergeant unterhalte, beginne ich damit mehr Papier auf das Feuer zu werfen und es wird größer. : )
Er schreit in Richtung der Beamten: “Kommt hier rüber und macht endlich dieses verdammte Feuer aus!”
Dann sagt er zu mir: “Young, ich habe heute keine Lust mich um deinen verrückten Arsch zu kümmern.”
Nun, so geht es immer weiter. Er geht, dann kommt ein anderer Lieutenant, um sich mit mir zu unterhalten. Dasselbe alte Geschwätz.
Tja, es ist jetzt etwa 17.50 Uhr. Schichtwechsel ist um 18 Uhr. Also überlassen sie es der zweiten Schicht mit mir klar zu kommen. Niemand möchte den ganzen Papierkram erledigen, der mit dem Einsatz von Gewalt einhergeht.
Nun, hier kommen die Beamten der zweiten Schicht. Ich sage ihnen, dass ich keine Lust habe mich zu unterhalten. Ich habe nichts zu sagen.
Also lassen sie die 5 Beamte Schutzkleidung anziehen. Helme, Gasmasken, Ellenbogen- und Knieschützer und der erste Mann hat ein Schutzschild.
Sie geben mir die Anweisung mein Tablett zurückzugeben. Andernfalls würden chemische Mittel und/oder das Team mit den 5 Männern zum Einsatz kommen.
Ich sage: “Nein, vielen Dank.”
Sie öffnen die schmale Klappe, durch die normalerweise dem Gefangenen das Essenstablett gereicht wird, und sprühen etwa 3 Sekunden lang Pfefferspray hindurch! Meine ganze Zelle ist jetzt orange.
Ich bemerke, dass das Spray stärker als normal ist. Später finde ich heraus, dass sie etwas brandneues haben. Es nennt sich LA 10, 10% Oc.
Ich halte eine Decke hoch, um das Pfefferspray abzuhalten. Wir warten 5 Minuten, es wird noch einmal gesprüht, dann weigere ich mich immer noch der Aufforderung zu folgen und so folgt 5 Minuten später noch einmal eine Ladung.
Mit der dritten Ladung haben sie mich überzeugt. Ich hatte mich zurückgelehnt, um dem Typ in der Zelle neben mir etwas zu erzählen. Nun, als ich mich wieder aufrichtete, sprühten mich die Beamten voll und mein Mund stand offen! So bekam ich das ganze Pfefferspray in den Mund.
Ich wurde wütend, aber ich kann nicht atmen. Ich möchte mich nicht ergeben, aber die Tatsache, dass man nicht atmen kann, motiviert einen. Also gebe ich das Tablett zurück und begebe mich aus meiner Zelle.
Oh, die endgültige Aufgabe. Ich habe mich dem Pfefferspray ergeben. Nun ja, es gibt immer ein nächstes Mal.
Wir gehen in den Flur zu einem Käfig, in dem ich all meine Kleider ablege, so dass die Perversen in ihren grauen Anzügen meinen Körper bewundern können. Hey, sie sind diejenigen, die mir befahlen mich auszuziehen!
Sie geben immer einer weiblichen Beamtin die Kamera. Die Kamera wird benutzt, um den Einsatz von Gewalt zu überwachen, da dabei bereits Insassen getötet wurden (allerdings nicht im Todestrakt. Das Schlimmste, das hier passiert ist, ist hier und da ein gebrochener Knochen). Ich vermute sie sind der Ansicht, dass der Kamera-Job nichts für einen Mann ist! Wer weiß, was diese sexistischen und perversen denken. Die Kamera muss die ganze Zeit auf mich gerichtet sein.
Also sage ich zu der weiblichen Beamtin: “Hey, ich glaube nicht, dass meine Frau begeistert davon wäre, wenn sie so auf mich schauen.” : ) Ich war einfach ein Arschloch, denn die Beamtin hat keine Wahl. Wenn ihr gesagt wird, dass sie die Kamera halten muss, dann muss sie es.
Also bin ich jetzt auf Stufe 3. Das Gute an dieser Sache ist, dass ich eine neue Matratze bekommen habe! Meine war Müll! Sie war alt und so viele lagen auf ihr, dass sie mittlerweile hart und dünn war. Für mich war es das wert eingesprüht zu werden, wenn ich dafür eine neue Matratze bekomme.
Eigentlich ist es vorgesehen, dass wie alle sechs Monate eine neue Matratze bekommen, aber sie sagen immer: „Wir haben keine neuen.“ Das kann ich nicht behaupten!
Wisst ihr, Insassen der Wynne Unit machen die Matratzen. Wie sollen sie also keine haben?! Sie bestellen nur einfach keine Neuen!
Ein anderer Typ, Patrick Knight, wurde auch vollgesprüht. Sie haben ihn 15 Stunden in einer Zelle OHNE Wasser gelassen – bedeckt mit Pfefferspray! Er wurde hier zum ersten mal vollgesprüht. Also brannte ihm für 15 Stunden alles! Dieses Pfefferspray ist eigentlich zum Kontrollieren von Menschenmengen gedacht! Er wurde in einer 2.15m x 3m Zelle vollgesprüht! Ich glaube, er wurde zweimal vollgesprüht. 15 Stunden OHNE Wasser zu trinken, KEINE Möglichkeit das Pfefferspray abzuwaschen. Wenn das nicht Folter ist, weiß ich auch nicht.
Er wird darüber einen Artikel schreiben. Er hat sogar Blut gespuckt!
Nun, ich werde diese Ausgabe der Neuigkeiten aus dem texansichen Todestrakt beenden.
Steht gerade, lasst nie nach und gebt nie auf.
Clinton Young
#999447
Polunsky Unit
3872 FM 350 S.
Livingston, TX 77351
P.S. Ich habe immer noch keinen Anwalt!
Das Folgende stammt von Steven Woods #999427:
“’ICH WERDE NICHT STILL GEHEN’
Nun, ich saß nur im Gras und tat eigentlich nichts. Ich genoss es einfach nur mit einigen Freunden herumzuhängen; mit Leuten, die ich zuvor nie wirklich getroffen hatte, aber die mir so nah wie meine Familie waren. Die Sonne stand hoch am Himmel, keine Wolken verdeckten das großartige Blau des Himmels, der sich über unseren Köpfen befand. Die Welt war in Ordnung und ich war zufrieden. Ich war so in meinen Visionen vom Paradies gefangen, dass ich zuerst gar nicht mitbekam, wie Lichtstrahlen in mein Heim eindrangen. Es waren der Lärm und die Frage nach meiner Identifikations-Nummer, die es schließlich schafften meine Aufmerksamkeit zu erregen. Nun, zurück in der Realität. Ich weiß, dass es der einfachste Weg ist ihnen einfach das zu sagen, was sie möchten – dann lassen sie mich wieder allein. Aber ich fühle mich so...gestört? Ja, das ist das richtige Wort. Also warum sollte ich kooperieren? Ich mache es nicht. Es ist einfach, aber ich liebe dieses kleine Spiel.
“Woods, wie lautet ihre Nummer?”
“Shto?“ (russisch: Was?)
“Woods, wie lautet ihre Nummer?“
”Ya ne ponemaiyou.” (ich verstehe nicht)
Ich nehme an, dass man mich einen kleinen Unruhestifter nennen könnte. Mein Irokesenschnitt (komplett gegen die Richtlinien!), die kleinen Spiele, die ich die ganze Zeit mit dem Wachpersonal spiele und meine unnachgiebige Weigerung mich an die Regeln des TDCJ zu halten.
Ich weigere mich, dasselbe selbstgefällige, unterworfene Leben zu leben, wie es der Großteil meiner „Kumpels“ macht. Ich war schon immer ein rebellierendes und unangepasstes Individuum. So bin ich eben. Ich bin von der naiven Annahme abgekommen, von der ich kurz nach meiner Ankunft hier überzeugt war: Dass sie mich vielleicht nicht töten werden, wenn ich all ihre Regeln befolge. Wie bin ich nur zu dieser albernen Vorstellung gekommen? Es ist kein großes Rätsel; wer möchte schon sterben? Aber ich bin eine Geisel. Meine Freiheit wurde mir genommen. Als nächstes sind meine Menschlichkeit und mein Leben dran. Und ich soll nur Ruhe geben und den Wachen zustimmen?
Ich bin mir darüber im Klaren, dass meine Aktionen die Maschinerie anfeuern und ihr helfen auf ihrem Weg schneller voran zu kommen. Ich hatte so viele Argumente dafür. Am Ende aber zählt nur noch eins: Wieviel Ungerechtigkeit werde ich willentlich ertragen? Es ist nicht nur so, dass ich vor Gericht ungerecht behandelt wurde. Das ist eine kleine Sorge, wenn man es mit der unterdrückenden Behandlung vergleicht, der ich hier im Todestrakt unterliege.
So viele Leute befinden sich in dem Irrglauben, dass wir im Gefängnis ein relativ gutes Leben führen - bis zu unserer, vom Staat angeordneten, Vernichtung. Durch den Briefwechsel mit verschiedensten Leuten in der Welt ist mir klar geworden, dass die meisten glauben, dass wir uns frei im Gefängnis bewegen können, uneingeschränkt und gefährlich, während wir uns mit den anderen Gefangenen prügeln. Sie glauben, dass wir Fernsehen schauen, arbeiten und anderen verschiedenen Aktivitäten nachgehen. Die Wahrheit über unsere Situation ist für die meisten von ihnen zunächst schwer zu begreifen. Die Wahrheit ist, dass der Todestrakt eine der beschränktesten und unmenschlichsten Gefängnisbereiche darstellt, die es in der Welt gibt. Kriegsgefangenen (zumindest denen, die nicht von Bush festgehalten werden) wird der Schutz durch die Genfer Konvention zugestanden. Hier im Todestrakt der Vereinigten Staaten werden wir nicht einmal durch die Verfassung unseres Landes geschützt.
Ich weiß nicht über die Bedingungen in den anderen Staaten Bescheid, aber ich vermute, dass es überall ziemlich gleich ist, und Arizona und Texas sind am Schlimmsten. (von Suzanne: Ich muss einwerfen, dass ein Todestrakt-Insasse aus Arizona mir einmal erzählte, dass er dankbar ist, sich nicht im texanischen Todestrakt zu befinden. Auch ein Insasse aus Georgia und einer aus Kalifornien meinten dasselbe. Anscheinend hat Texas einen schlechten Ruf in den anderen Todestrakten.) Hier in Texas leben wir in einem, wie es genannt wird, „Hochsicherheitsgefängnis“. Dieselbe Art von Gefängnissen mit denselben Programmen, die die CIA und der KGB während des Kalten Krieges nutzten, um einen Gefangenen zu „brechen“. In den Jahren hat sich herausgestellt, dass die Bedingungen die Psyche derer zerstören, die ihnen unterworfen sind. Hier in der Polunsky Unit befinden sich mehr als 400 Verurteilte in vollständiger Isolationshaft. Und trotz der ständigen Veränderungen durch Hinrichtungen und Selbstmorde, ist der Trakt fast voll ausgelastet. Wir müssen die sechs bis zehn Jahre, die es braucht um die Berufungen zu beenden, in diesen Käfigen zubringen. Unser Wille wird so stark gebrochen, dass der Tod oft eine Erlösung ist. Ich weiß nicht wieviele Männer ich in den letzten Jahren gesehen habe, die zur Hinrichtungskammer geführt wurden und die darauf erpicht waren dem allen ein Ende zu setzen.
Wir werden in Einzelhaft gehalten, in einem Grab aus Beton und Stahl, nicht größer als ein großes Badezimmer, was den Gesetzen gegen grausame Bestrafung nicht standhält. Im „normalen“ Todestrakt, das Beste, das uns in Texas zusteht (das ist nicht der Trakt, in dem man zu Disziplinierungsmaßnahmen untergebracht wird), sind wir 23 von 24 Stunden in diesen Zellen, unserer Heimat, eingeschlossen. Wir dürfen für eine Stunde Hofgang und duschen hinaus, ein Besuch pro Woche, Arztbesuche (wenn sie der Meinung sind, dass es nötig ist) oder ein Besuch vor dem Disziplinargericht. Uns ist ein AM/FM-Radio erlaubt, ein Wasserkocher, eine Schreibmaschine (wenn wir uns das leisten können) und alles, was wir in der Versorgungsstation kaufen können. Wir dürfen auch persönliche Körperpflege-Produkte besitzen und kaufen, beschränkte Essensvorräte und Zeitschriften und Zeitungen, die von der TDCJ erlaubt werden. All das muss zu jeder Zeit in einem ca. 61cm x 61cm großen Stauraum am Fußende unter unseren Stahlbetten untergebracht sein (oder man riskiert ein Disziplinarverfahren und die Konfiszierung). Unsere „Wohnungen“ sind in Sektionen zu je 14 Zellen aufgeteilt, 7 in der unteren Reihe und 7 darüber. Sie überragen den Aufenthaltsraum und den Wachtposten, so dass es keinerlei Privatsphäre oder ähnliches gibt. Anders als in Arizona haben wir Fenster an der Rückseite unserer Zellen. Ob dies ein Segen oder ein Fluch ist, kommt auf unseren Gemütszustand an. Für mich ist es zu schwer, zu schmerzhaft hinaus in die Welt zu sehen, so dass ich es normalerweise mit Papier abdecke.
Wir leiden viel unter der Hand der Wärter, diese Männer und Frauen auf die wir uns verlassen müssen, wenn es um unsere Hygiene, unsere Gesundheit und unsere Sicherheit geht. Zu sagen dass sie uns nicht mögen, würde es verharmlosen. Es gibt einige Wärter die nur ihren Job machen wollen, der Großteil aber denkt, dass es ihre Aufgabe ist unsere Leben zur Hölle zu machen. Sie stolzieren umher, wohlwissend, dass sie die einzigen Menschen um uns herum sind. Sie degradieren uns ständig, spucken in unser Essen und unser Gesicht und geben ihr Bestes um uns zu provozieren, was unsere Berufungen theoretisch zerstören kann. Diese Menschen haben Freude daran uns unseren Schlaf zu rauben, unser Essen, unseren Hofgang und unsere Dusche. Jedem Protest wird mit Ignoranz begegnet, einigen mit falschen Disziplinarverfahren, die uns der wenigen Privilegien berauben, die wir haben. Und nur dann werden wir nicht völlig ignoriert.
Mir ist der Hofgang eigentlich egal. Ich habe den Aufenthaltsraum erwähnt, in dem wir normalerweise unseren Hofgang haben, der sich direkt zwischen dem Wachtposten und den Zellen unserer Sektion befindet. Es ist ein Käfig, der fast 6 auf 12 Meter groß ist. Es gibt darin nichts außer einer Toilette, einem Tisch und einer Hantel. Nachdem wir uns nackt ausziehen mussten und durchsucht wurden, um sicher zu gehen, dass wir nichts bei uns tragen (wir können nichts aus unseren Zellen mit nach draußen nehmen), werden uns Handschellen angelegt, um die 4,50m bis zum Käfig geführt zu werden. Wir haben unseren Hofgang allein, denn der Kontakt mit anderen Menschen ist verboten. Die meisten von uns verbringen eine Stunde damit im Kreis umherzulaufen, Gewichte zu heben oder sich mit den anderen Insassen zu unterhalten. Ich mag den Hofgang nicht besonders, denn ich fühle mich dabei immer wie ein eingesperrtes Tier im Zoo, als wenn die Insassen und die Wachen mich anstarren. Ich verbringe auch wenig Zeit damit, mich mit den anderen Insassen zu unterhalten. Es gibt verschiedene Gründe dafür, unter anderem da es eine schwere psychische Belastung darstellt, sich mit jemandem anzufreunden, der sterben wird.

Ein weiterer negativer Punkt bezüglich des Hofgangs ist die Tatsache, dass es diese Wracks gibt, die vom psychologischen Trauma der Isolation und der menschenunwürdigen Behandlung komplett gebrochen sind. Sie werfen mit Urin und Fäkalien auf die, die sich im Aufenthaltsraum befinden, stehen an der Tür und masturbieren. Das ist sehr besorgniserregend. Es ist uns erlaubt jede Woche nach draußen zu gehen, dann mache ich normalerweise meinen Hofgang. Es ist nicht viel, aber es ist ruhig und größer als mein Käfig. Eigentlich ist es ein richtiger Raum mit Gittern anstelle eines Daches. Eine Abtrennung aus Eisenstangen verläuft in der Mitte, wodurch die „Räume“ entstehen und ein weiterer Gefangener wird in den zweiten Raum gebracht. Das ist wirklich die einzige Chance sich hier einmal ein bisschen wie ein Mensch zu fühlen.
Ich befinde mich jetzt seit 3 Jahren im Todestrakt, ich kämpfe für mein Leben und mein Recht wie ein Mensch behandelt zu werden. Ich habe den Großteil meines Lebens im Disziplinierungs-Trakt zugebracht, wie auch die einigen anderen wertvollen Menschen, die meine Sicht auf unsere Situation teilen. Es herrscht dort eine gänzlich andere Athmosphäre, als im „normalen“ Trakt. Wir erhalten kaum Besuch, Besuch ist nur ein- oder zweimal im Monat erlaubt (es kommt auf unseren Disziplinierungsstatus an). Der Hofgang ist in den meisten Fällen auf eine Stunde in der Woche beschränkt. Keinem von uns ist es erlaubt etwas von der Versorgungsstation zu bestellen, Briefmarken und Hygieneartikel alle zwei Wochen ausgenommen. All unser elektrisches Eigentum und der Großteil unseres weiteren Eigentums wird uns weggenommen und geht meist irgendwo verloren. Aber hier unten ist es wirklicher, wir fühlen uns lebendiger, gesunder im Kopf und wir können besser kämpfen. Das mag sich ein wenig beschränkt anhören, wenn man die Tatsache betrachtet, dass wir gegen unsere unmenschliche Behandlung rebellieren; warum sollten wir die Situation verschlechtern? Wir machen uns unempfindlich gegenüber ihren Bestrafungen. Wir zeigen, dass wir ihr System unterbrechen und die Regeln nicht beachten werden, so weit wir können; dass sie uns nichts nehmen können, das wir nicht willens sind aufzugeben. Es ist also sozusagen, als wenn wir der Schlange ihre Giftzähne ausreißen. Außer um unser Leben bitten wir eigentlich nicht um vieles. Wir fordern nicht mehr, als jeder andere Gefangene im Staat, was sogar Nicht-Todestraktinsassen, die gemordet haben, erlaubt ist: die Möglichkeit zu arbeiten, Kontaktbesuche mit Freunden und der Familie zu haben, unbegrenzt herumlaufen zu dürfen, die Kirche zu besuchen und mit den andern Gefangenen zu interagieren, vielleicht Kurse oder ein wenig fernsehen. Alle diese Dinge (außer den Kontaktbesuchen und unserem Leben) sollten wir nach dem Obersten Gerichtshof sogar haben. Aber ich bezweifle, dass dies jemals passieren wird.
Unglücklicherweise könnte mein Unwille zu kooperieren furchtbare Auswirkungen auf meine Berufung haben. Wenn ich die Chance auf eine Urteilsaufhebung erhalten sollte, wird der Staat anführen, dass meine Taten „bewiesen“ haben, dass ich eine Gefahr für die Gesellschaft bin. Da ich ihren Regeln keine Folge leiste, werden sie erklären, dass ich nicht in der Lage sein werde, den Regelungen im Gefängnis oder in der Freiheit Folge zu leisten. Ich kann nur hoffen, dass sie, besonders meine Geschworenen, meine Handlungen als das sehen, was sie sind: Ein Kampf gegen den Verlust meines Willens und meines Lebens an eine barbarische Praxis. Wie könntest du die Tatsache ertragen, dass dich das System tot sehen will; nicht nur tot, sondern quiekend wie ein Affe, alle Ähnlichkeit mit einem Menschen systematisch von dir genommen? Wie schlägt man eine Maschinerie, die auf Angst und Hass errichtet wurde, deren Räder und Getriebe die höchsten Gebote von Gott und unserem Land in Staub zermahlen? Alles was ich tun kann, ist in der Mitte der Straße zu stehen und Steine auf den LKW zu werfen, der auf mich zuhält.
Aber ich werde in seinem Weg stehen, auf einen guten Treffer hoffend. Ich werde nicht beiseite treten. Ich mag den Kampf gegen diese Maschinerie verlieren, aber ich werde sie immer bekämpfen. Mein Leben mag mir genommen werden, aber nie mein Wille oder meine Menschlichkeit.
„Tief im Herzen jedes menschlichen Wesens vom Beginn der frühen Kindheit bis zum Grab gibt es etwas, das unbeugsam weiterbesteht und erwartet wird– trotz aller begangenen Straftaten, Leiden, Opfer – dass das Gute und das Böse ihm geschehen wird. Es ist dieses, das über allem steht, das in jedem menschlichen Wesen enthalten ist.“ – Simone Weil
Ich bin ein menschliches Wesen.
In Solidarität,
Steven Woods #999427
TDCJ Todestrakt
Es gibt hunderte Männer im Staat von Texas, die alle dem Tod in der Hand eines unbarnmherzigen und ungerechten Systems entgegen sehen. Jeder dieser Männer existiert in einem frustrierenden Kampf, um sowohl ihre Leben zu retten, als auch ihren gesunden Verstand zu behalten.
Ich bin einer dieser Männer und ich bin dankbar für die Möglichkeit, dass meine Stimme von all denen gehört wird, die diese Worte lesen.
Mein Ziel ist es, dabei zu helfen euch aufzuzeigen, wie wir kämpfen. Wir bewegen uns entlang einer langen, harten Straße und ich bin dankbar, dass ihr mit uns lauft.
Mein Name ist Steven Woods #999427
Grüße aus der Maschinerie
Das Folgende stammt von Robert Shields #999166. Es kann auch unter folgender Adresse gelesen werden: here Ich danke dir Scott, dass du Robert dabei hilfst seine Beiträge auf Uncensored zu veröffentlichen.
„Donnerstag, 28. Juli 2005
Beziehungen von Robert Shields aus dem texanischen Todestrakt
Stellt euch vor ihr arbeitet für dieselbe Firma seit 10 Jahren. Etwa 500 Angestellte, alle in einem Gebäude mit sechs Stockwerken und 80 Leuten oder so pro Stockwerk. Wenn ihr dort anfangt, kennt ihr überhaupt niemanden, aber als die Zeit fortschreitet, entwickelt ihr Beziehungen auf verschiedenen Ebenen mit den meisten der anderen Angestellten. Ihr interagiert mit ihnen in vielen Arten, wie z.B. in Meetings, beim Scherzen am Wasserautomaten, während der Mittagspause, während des gemeinsamen Arbeitens an verschiedenen Projekten, während gemeinsamer Unternehmungen und Ausflüge nach der Arbeit und so weiter. Ihr lernt sogar einige ihrer Familien kennen. Einige von ihnen sind Blödmänner und faul, aber der Großteil sind nette, hart arbeitende Menschen. Nun verschwinden jedes Jahr einfach 20-30 Leute. Zunächst rechnet ihr dem gar keine große Bedeutung zu, da ihr keinen davon mit seiner Situation kennt. Als die Jahre vergehen, kommt es schließlich soweit, dass euch Freunde weggenommen werden. Ihr könnt keine Logik in ihrer Auswahl sehen, anscheinend geschieht alles zufällig.
Wie reagiert ihr? Ihr seht, ihr könnt nichts daran ändern. Was macht ihr? – euch zurückziehen und sich mit niemandem mehr anfreunden, aus Angst denjenigen auch zu verlieren?
Gut, nun seht die Situation enmal aus meinem Blickwinkel. Nehmt dasselbe Szenario, tauscht nur die Firma gegen den texanischen Todestrakt aus und die 20-30 Mitarbeiter gegen die ermorderten Gefangenen pro Jahr. So könnt ihr eine Ahnung davon gewinnen, wie es für viele von uns ist. Dieses Jahr werde ich einer der Glücklichen sein, die all dies hinter sich lassen können. Meine Zeit kommt nun schnell und ich habe nur jetzt Zeit Antworten zu finden.“
Robert Shields hat einen Hinrichtungstermin für den 23. August 2005.

Das Folgende stammt von Robert Pruett. Ich danke dir Ines, dass du Robert dabei hilfst, seine Artikel auf Unzensiert zu veröffentlichen.

"Murmeltiertags-Syndrom
von Robert Pruett #999411
Die von uns, die sich im texanischen Todestrakt befinden, sehen sich vielen Veränderungen und Hindernissen in ihrem täglichen Leben gegenüber. Wir verwenden einen Großteil unserer Energie darauf, für unsere Leben zu kämpfen und kämpfen konstant, um mit dem Stress zurechtzukommen, dass wir von unseren Familien getrennt sind; den Verlust der Freiheit nicht zu vergessen. Es gibt Wärter, die zu glauben scheinen, dass es ihre Arbeit ist uns zu bestrafen, anstatt die Sicherheit der Einrichtung zu bewahren, es genügt zu sagen, dass diese Schurken uns ständig daran erinnern, wo genau wir uns befinden... Dies sind die offensichtlichen Veränderungen, denen wir uns hier im Todestrakt gegenüber sehen. Ich möchte ein Problem vorstellen, das viel subtiler ist, das jedoch unser psychisches Wohlbefinden zerstören kann.
Wie viele von euch wahrscheinlich wissen, sind die Lebensbedingungen im texanischen Todestrakt eigentlich identisch zu der Absonderungshaft, die von einem Team aus Kriminalpsychologen entwickelt wurde. Die Absicht war es ein System zu erschaffen, mit dessen Unterstützung es möglich sein sollte, das Verhalten der Gefangenen zu beeinflussen. Widerspenstige Gefangene wurden mit den härtesten Lebensbedingungen bestraft (Stufe 3), dann wurde ihr gutes Verhalten mit besseren Lebensbedingungen belohnt (Stufe 1). Eventuell sollte der Gefangene in die normale Haft reintegriert werden. Dieses System wurde nicht dafür geschaffen, um Insassen für lange Zeit dort zu behalten, aber die TDCJ hat es missbraucht, indem sie Menschen für Jahrzehnte in Absonderungshaft hält und die Todestraktinsassen dazu zwingt unter den Beschränkungen zu leben, solange man eine Todesstrafe hat.
Für die von euch, denen nicht bekannt ist, in welcher Umgebung wir leben, möchte ich dies kurz erläutern: Wir sind für 23 Stunden am Tag in Einzelzellen eingesperrt (3m x 2m) und dürfen nur eine Stunde am Tag raus zum Hofgang, das kommt darauf an, auf welcher Stufe man sich befindet. Jedes mal wenn wir unsere Zellen verlassen, bekommen wir Handschellen angelegt und werden von zwei Beamten begleitet. Alle Besuche sind ohne direkten Kontakt und der Hofgang findet in einem Käfig statt, allein. Jeder körperliche Kontakt ist strengstens untersagt... Wenn man sich auf Stufe 1 befindet, kann man über die Versorgungsstation ein AM/FM-Radio, Schuhe, einen Ventilator, eine Kaffeetasse, eine Schreibmaschine, Hygieneartikel, Schreibmaterial und verschiedene Snacks bestellen (vorausgesetzt man hat jemanden draußen, der einem Geld auf das Konto überweist. Wir sind vollständig auf Hilfe von außen angewiesen, wenn wir etwas von der Versorgungsstation bestellen wollen). Auf Stufe 2 und 3 darf man keinerlei elektrische Geräte haben (einen Ventilator ausgenommen) oder irgendwelche Snacks. Wir haben keine Fernseher, Mikrowellen, Zugang zu Schwimmbädern oder ähnlich absurden Dingen, wie es die Medien der Bevölkerung glauben machen! Wenn ich mich nicht irre, könnt ihr die Bedingungen im Todestrakt auf der TDCJ-Seite nachlesen.
Wenn es irgendeinen offiziellen Namen für die entkräftende Krankheit gibt, die oft aus diesen Lebensbedingungen entsteht, kenne ich ihn nicht. Ich möchte daher das, was viele von uns quält, das Murmeltiertag-Syndrom nennen. Wieviele von euch haben den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray gesehen? Das ist der Film, in dem Mr. Murray immer wieder am Murmeltier-Tag aufwacht, um denselben Tag immer wieder zu erleben. Auf eine Art und Weise ist das im Grunde das, was der größte Teil von uns erlebt: dieselben Dinge Tag für Tag wiederholen. Während der Film sehr unterhaltsam und wirklich vergnüglich ist, sind die von uns im Todestrakt, die dem Murmeltiertags-Syndrom zum Opfer fallen, in Gefahr ernste psychische Schädigungen zu entwickeln.
Die Umwelt in der wir leben ist darauf abgestimmt uns möglichst wenig Anreiz für unsere Sinne zu geben. Die Szenerie verändert sich für uns nie: kalte Eisengitter, imponierende weiße Wände, schmutzige betonierte Böden und den Ausblick, den wir aus unserem Fenster mit den Maßen 1,20 m x 0,90 m haben, worüber man eigentlich nie etwas schreiben kann! Unsere Möglichkeiten etwas zu tun sind jeden Tag beschränkt auf Hofgang, Essen und das Unterhalten miteinander durch unsere Türen (diese Art von Kommunikation trägt ihren Teil zu unseren schwindenden sozialen Fähigkeiten dar, da wir die Person mit der wir uns unterhalten nicht sehen können.) Wir können auch Spiele wie Schach oder Dungeons und Dragons spielen, indem wir uns unsere Spielzüge durch die Türen zurufen.
Man findet sich schnell gefangen von einem festen Tagesablauf, der als langweilig und monoton beschrieben werden kann, einfach nur weil wir so beschränkt sind in dem was wir tun können. Wir werden von einer Routine eingelullt, die sich monatelang und später sogar jahrelang immer wieder wiederholt. Jede unserer Handlungen wird bald mechanisch und unser Verhalten wird dem eines Roboters immer ähnlicher, anstatt dem eines Menschen. Ich verwechsle manchmal die Tage, da ich denke, dass ich etwas an einem bestimmten Tag gemacht habe, obwohl ich es in der Tat eine Woche zuvor gemacht habe. Das Leben wird zu einem Schatten seiner selbst, die Kreativität schwindet, Depressionen können sich einschleichen, einige fallen psychotischen Verhaltensweisen zum Opfer und andere begehen Selbstmord (BTW – deine Berufung aufzugeben ist Selbstmord!) Die entgegenwirkenden Auswirkunugen des Murmeltiertags-Syndroms sind oft tödlich.
Gestern (ich glaube!) habe ich jemanden, den ich für eine Weile nicht gesehen habe, gefragt wie es ihm geht. Er starrte mich nur trübe an und antwortete: „Hey, es ist jeden Tag derselbe verdammte Mist. Ich wache auf, mache meinen Hofgang, futtere, schreibe ein wenig, lese ein wenig, unterhalte mich über Mist, gehe schlafen, dann wache ich auf und wiederhole denselben verdammten Mist. Ich bin ausgebrannt!“ Die meisten von uns hier können dem wirklich voll zustimmen.
Um weiter darzustellen, wie zerstörerisch das Murmeltiertags-Syndrom sein kann, möchte ich gerne eine sehr persönliche Geschichte mit euch teilen. Bevor ich in den Todestrakt kam, verbrachte ich einige Jahre in der Absonderungshaft. Ein enger Freund von mir, mit dem ich einige Zeit in der normalen Haft verbracht hatte, wurde in eine Zelle neben mir in der Conally Unit verlegt. Wir verbrachten die Zeit damit in Erinnerungen über alte Zeiten zu schwelgen und wir teilten sogar unsere Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte miteinander. Ein paar Monate später hatten wir uns in die Routine eingelebt – wie man es vorhersehen konnte. Dann kam mein Freund eines Tages an seine Tür und sagte jedem, dass er sich mit niemandem von uns mehr unterhalten möchte und dass wir ihn in Ruhe lassen sollten. Huh? Er lehnte jeden meiner Versuche ab mich mit ihm zu unterhalten, indem er mich ignorierte. Er lehnte seine Post ab, ging nicht zum Hofgang oder zur Dusche und einmal, als sie ihn zu einem Besuch abholen wollten, lehnte er ab. Dies ging vielleicht einen Monat oder so auf diese Art weiter und dann fing er an mit sich selbst zu sprechen. Schließlich bedeckte er sich mit seinen eigenen Fäkalien und begann sich seine Arme mit einer Rasierklinge aufzuschlitzen... Als ich ihnen zusah, wie sie meinen alten Freund davontrugen, bedeckt mit Fäkalien und Blut, verspürte ich ein tiefes Gefühl von Traurigkeit und Verlust. Es war sehr schwierig für mich zu verstehen, was sich direkt vor meinen Augen abgespielt hatte. Dies war meine erste Erfahrung damit, wie psychisch zerstörend diese Umwelt sein kann und ich bin mir sicher, dass das was meinem Freund passiert ist, das Ergebnis des Murmeltiertags-Syndroms war, das sich zur Psychose weiterentwickelte.
Von dem was ich gehört habe, gibt es hier in der Polunsky Unit einige Typen, die verrückt geworden sind, seit sie die Ellis Unit verlassen haben, in der der Todestrakt noch wie der normale Vollzug war. Wir haben einige durch Selbstmord verloren, seit ich 2002 hier angekommen bin und viele andere haben es versucht. Ich bin kein Psychologe, aber zweifellos spielte das Murmeltiertags-Syndrom eine Rolle in einigen dieser Fälle.
Einige von euch haben vielleicht Freunde oder Familienangehörige hier, die unter dem Murmeltiertags-Syndrom leiden und ihr fragt euch was ihr tun könnt? Noch einmal, ich bin kein Experte für psychische Erkrankungen, aber ich habe einige Dinge entdeckt, die mir anscheinend helfen und ich wäre glücklich sie mit euch teilen zu können.
Zunächst einmal denke ich, dass es unerlässlich ist, dass wir Veränderungen in unseren Tagesablauf einbauen. Fallt nicht in eine Routine, die sich immer wieder wiederholt und strengt euch an, eure täglichen Aktivitäten abzuwechseln, so dass ihr nicht derselben Routine für eine unbestimmten Zeitabschnitt nachgeht. Auch wenn es Aktivitäten gibt, denen ihr nicht nachgeht, wie z.B. Schach oder Dungeons und Dragons spielen, versucht es immer mal wieder. Es mag immer noch nicht euer Ding sein, aber alles hilft, wenn es die Monotonie durchbricht!
Es ist offensichtlich, dass die Liebe und die emotionale Unterstützung, die wir von draußen erhalten, immens hilft. Ein Besuch von jemandem, der sich kümmert, kann eine dringend nötige Pause von diesem Hüllenloch bedeuten, da uns ein Besuch ermöglicht den Trakt für eine Weile zu verlassen und mit den Menschen zusammen zu sein, die wir lieben und die uns wichtig sind.Einen Brief zu erhalten, stellt auch eine wunderbare Fluchtmöglichkeit von diesem Ort da, da er uns daran erinnert, dass jemand dort draußen an uns denkt! Vergesst nie, dass ihr Menschen dort draußen, die ihr für uns da seid und uns Liebe und Mitleid entgegenbringt, uns am Leben erhaltet. Ohne die Unterstützung von euch allen, wären viele von uns total verloren. Mit eurer Hilfe können wir das Murmeltiertags-Syndrom überwinden.
Als ich letzte Nacht durch das Fenster in meiner Zelle spähte, sah ich wie ein Blitz Licht und Leben auf ein offenes Feld direkt hinter dem Gefängnis brachte. Es war ein atemberaubendes Spektakel, das mir in Erinnerung bleibt und es füllte mich mit einem Gefühl von Ruhe, das mir für einige Zeit gefehlt hatte. Als ich beobachtete, wie die atemberaubend hellen Lichtblitze den Himmel erleuchteten, bemerkte ich, wie ich mich zurück in eine Zeit begab, als ich noch ein kleiner Junge war, nicht älter als 5. Meine Mutter, mein Bruder, meine Schwester und ich lebten alle in Houston, als ein gewaltiger Sturm heranrollte (Hurrikan Alicia? Es war etwa '83 – '84). Wir kauerten uns alle dicht aneinander, während wir den gewaltigen Windböen zusahen, wie sie die großen Kiefern ringsherum wie dünne Zweige umherpeitschten. Wir waren verdammt arm (meine Mutter war zu dieser Zeit alleinerziehend und versuchte drei Kinder mit Sozialhilfe großzuziehen) und ich hatte in meinem kurzen Leben bereits viel Not erlitten, aber ich fühlte mich in dieser Nacht von meiner Familie sehr beschützt, trotz der Stürme in unserem Leben. Meine Mutter hat sich gegenüber meinen Geschwistern nie etwas anmerken lassen und ich vergaß, dass sie uns liebte.
Als ich so töricht über meine unschuldige Jugend nachdachte, weckte mich ein Blitz, der die Stacheldraht besetzten Zäune hell erleuchtete, aus meiner Träumerei.

Normalerweise ist es nachts um diese Zeit in diesem Zellentrakt ziemlich laut, aber als ich das Gewitter beobachtete, wurde mir bewusst, dass es friedlich und still war. Vielleicht war ich nicht der einzige, der aus dem Fenster sah und sich an eine längst vergangene Zeit erinnerte? Manchmal gibt Mutter Natur ihren Teil, um uns dabei zu helfen die Langeweile des Todestraktes in der Polunsky Unit zu bekämpfen...
 Robert Pruett #999411
Polunsky Unit
3872 FM 350 South
Livingston, Texas 77351
U.S.A.”

 

02. August 2005
Ich grüße euch alle!
Eine weitere Ausgabe von Clinton Youngs Unzensiert. Ich werde mich für einen Augenblick mit dem Bereich der Politik befassen.
Ich habe bereits erwähnt, dass Texas nicht die beste Hilfe für psychisch Kranke hat. Nun, ich möchte dieses Thema ein wenig vertiefen.
Es gab letztes Jahr im Mai 2004 einen Fall in den Nachrichten. Kelsey Patterson, 50 Jahre alt aus Palestine, Texas wurde vom texanischen Staat hingerichtet, obwohl er unter einer ernsten psychische Erkrankung litt, die medizinisch festgestellt worden war. Einer der interessanten Aspekte seines Falls ist die Tatsache, dass die texanische Behörde für Begnadigungen und Strafaussetzungen (T.B.P.P.) ihn begnadigte. Dies passiert sehr, sehr selten. Sein Fall ist der einzige, den ich kenne, in dem die T.B.P.P. jemanden begnadigte. Dann präsentierte der großartige Gouverneur von Texas, Rick Perry ein erstklassiges Beispiel der Tyrannei von politischer Entscheidungskraft über Gerechtigkeit und Milde. Gouverneur Perry beachtete den Entschluss der T.B.P.P. einfach nicht und ordnete an, dass Kelsey Patterson hingerichtet wird. Sein Grund dafür war, dass es in Texas zu dieser Zeit nicht die Möglichkeit zu einer lebenslangen Verurteilung ohne Aussicht auf Bewährung gab. Nun ist die wirklich interessante Tatsache bei Perrys Gründen, dass Texas keine lebenslange Haftstrafe ohne Bewährung hatte, da der Gouverneur selbst sich eifrig und erfolgreich einer lebenslangen Haftstrafe ohne Bewährung entgegengestellt hatte! Andere Staaten und Nationen sorgen dafür, dass die psychisch Kranken behandelt werden. Texas bringt sie um. Also müssen wir mit einem Staat zurechtkommen, in dem der höchste Gerichtshof entschieden hat, dass Unschuld nicht zählt, solange der Angeklagte ein faires Gerichtsverfahren hatte.
In den Jahren 1980 und 1983 wurde entschieden, dass Patterson nicht zurechnungsfähig ist und für zwei vorangegangene nicht tödliche Schießereien nicht zur Verantwortung gezogen werden konnte. Er wurde für diese beiden Schießereien nicht verurteilt, da festgestellt wurde, dass er dem Wahn verfallen war. Aber sobald er ein Kapitalverbrechen beging, wurde er als zurechnungsfähig erklärt und er wurde zum Tode verurteilt. Es ist als würde jemand sagen: „bringt ihn um, dann müssen wir uns keine Sorgen mehr um ihn machen“. „Bubba, geh nochmal raus und erschieß diesen verdammten Hund, so dass er aufhört zu bellen!“
Bei seiner Hinrichtung nuschelte Kelsey zusammenhangloses Zeug. Seine Erklärung war „Morde...keine, keine.“ „Ich bin des Kapitalverbrechens nicht schuldig...freigesprochen vom Berufungsgericht.“ Als er nach seinen letzten Worten gefragt wurde, antwortete er „letzte Worte – weshalb? Letzte Worte – weshalb?“ Für einige Minuten redete er drauf los und stellte fest „sie machen das, um mein Geld zu stehlen. Meine Wahrheit wird immer meine Wahrheit sein. Nichts für euch...Leichenbestatter...Mörder. Fahrt zur Hölle. Nehmt mein Geld. Gebt mir meine Rechte. Gebt mir mein Leben zurück.“ Die Infusionen stoppten sein Murmeln.
Die Tochter des Opfers sagte es endete so, wie sie “gebetet hatte“, dass es enden würde. Diese Sorte Menschen ist verdammt krank. Wie kann irgendjemand sagen, dass „Mein Gott ein liebender und vergebender Gott ist“ und dann behaupten, dass derselbe liebende Gott denjenigen ermordet hat, für dessen Tod man „gebetet“ hat? Ich werde mich nun von diesem Thema verabschieden.
Zurück zum naheliegenden Thema. Mindestens 6 Menschen mit einer Klage in Bezug auf ihre geistige Zurechnungsfähigkeit wurden seit 2002 in Texas hingerichtet. Im Jahre 2001 war Texas bei den finanziellen Mitteln für Programme für psychisch Kranke auf Platz 46 der Nation. 2003 kürzte die texanische Legislative Millionen Dollar für die Programme für psychisch Kranke im Jahr 2004 drastisch. Mit dem Budget von 2004 konnte der Besuch bei Psychologen, lizensierten Rechtsanwälten, Sozialarbeitern und oder Ehe- oder Familientherapeuten für Erwachsene nicht mehr bezahlt werden.
Einige Gruppen versuchen seit Jahren die Gerichte und die Legislative dahin zu bringen, dass sich die Staatspolitik stärker um die psychisch erkrankten und unzurechnungsfähigen Kriminellen konzentriert. Die Antwort auf alles ist töten, töten und töten. Wenn wir nicht töten können, dann schließen wir sie ein solange wir können. Texas schickt sogar Drogenabhängige ins Gefängnis. Keine Behandlung, nur untätige Zeit im Gefängnis.
Viele staatliche Einrichtungen in Texas weigern sich Menschen zu behandeln, solange sie nicht gewalttätig sind.
Kelsey Pattersons Familie versuchte ihn einer Einrichtung für psychisch Kranke anzuvertrauen. Er wurde abgelehnt, da er niemanden verletzt hatte. Er war für den Mord zweier Menschen im Todestrakt. Dasselbe passt auf Larry Robison, der ebenfalls hingerichtet wurde. Der Staat lehnte es ab ihn behandeln zu lassen, da er nicht gewalttätig war. Als er das erste Mal seine Gewalttätigkeit an den Tag legte, starben fünf Menschen. Wenn sich Texas auf die Prävention konzentriert hätte, wären allein in diesen 2 Fällen noch 9 Menschen am Leben.
Ein Mann, der psychisch krank ist, kann seinen Anwalt nicht so unterstützen, wie eine Person, die psychisch stabil ist. Dies ist nur ein gutes Beispiel um zu zeigen, dass das System nicht funktioniert. Deshalb müssen sich die Menschen vereinigen und einen Wählerblock formieren. Nur auf diese Weise kann man eine Änderung erreichen. „Vereinigung“ ist der Schlüssel. Wir haben 2005, es ist Zeit für eine Veränderung. Wir müssen uns auf die Staatsregierung  konzentrieren und Veränderungen in unserem System machen, wie z.B. in Erziehung und Behandlung psychisch Kranker. Wenn die psychisch Kranken die Möglichkeit zu adäquater medizinischer Behandlung hätten, müssten wir sie vielleicht nicht einsperren und sie später töten. Das texanische Gefängnis-System ist überfüllt. 152.000 Menschen sind inhaftiert. Die Türen der Todeskammer hören nicht auf sich zu drehen. Die Wähler könnten den Bau dieser Hochsicherheitsgefängnisse stoppen, die nichts bewirken als die Verschlimmerung psychischer Krankheiten, Psychosen, selbstmörderischen Verhaltens und eine Überfülle anderer abweichender Verhaltensweisen. Es wurde gesagt, dass Amerika über das größte Gefängnissystem der Welt verfügt. Das ist interessant, wenn man überlegt, dass die bekannteste Statue in Amerika die Freiheitsstatue ist! In einem Jahr passieren 13,5 Millionen Menschen dieses System. In den Gefängnissen der USA sitzen nun rund 2,2 Millionen Insassen. Texas versucht sogar noch mehr riesige Hochsicherheitsgefängnisse zu bauen. Nun versuchen Menschen in Washington, D.C. die Möglichkeit zur Haftprüfung abzuschaffen. Dabei handelt es sich um die Gewaltenteilung des staatlichen Justizsystems, was bedeutet, dass ohne die Möglichkeit auf eine Haftprüfung EINE MENGE Menschen in Texas durch die Mordmaschinerie ermordet werden. Dieses grausame Verlangen auszulöschen, das die Gerichte und die Regierung an den Tag legen, scheint sich noch zu vergrößern. Wer weiß in welche Richtung es sich entwickeln wird? Die Todesstrafe für Diebstahl!
Oh – Sie haben ihre Steuern nicht bezahlt? Holt ein Seil! Genauso wie in den alten Zeiten des Wilden Westens. Es scheint als ob wir für jeden Tag, den wir einen Schritt vorankommen wieder zwei Schritte zurückfallen. Die Regierung kann dein Haus aufkaufen um ein Hotel zu bauen. Die Regierung kann Frauen sagen was sie mit ihrem Körper machen können und was nicht. Die Regierung will den Menschen sogar sagen wann sie sterben können. „Sie dürfen sich nicht selbst umbringen, aber wir dürfen Sie umbringen!“ Die Frage ist wie lange die amerikanischen Bürger dies weiterhin erdulden werden? Ich glaube es war im Jahr 1884 als sich der Oberste Gerichtshof selbst die absolute Macht gab über alle Gesetze das letzte Wort zu haben. Wo ist die Gewaltenteilung der drei Säulen? Die drei Säulen der Regierung wurden geschaffen, damit keine Säule absolute Macht haben kann. Der Präsident ernennt den Richter des Obersten Gerichtshofes. So hat er die Möglichkeit Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen, basierend auf seiner Ideologie für die nächsten, sagen wir mal 25 Jahre.
Macht führt zu Korruption, absolute Macht führt zu absoluter Korruption. Die Macht wird nur einzugrenzen sein, wenn sie sich einer größeren Macht gegenüber sieht. Die Bürger haben die Macht. Sie haben die Macht zu wählen. Wenn alle Bürger von Texas, die gegen die Todesstrafe sind, sich zusammenfinden würden und alle eine Petition unterschreiben würden und wenn dann ein Vertreter der Gegner zu der Person gehen würde, die bei der nächsten Wahl wahrscheinlich Gouverneur werden wird, um zu sagen „Wenn Sie versprechen für die Abschaffung der Todesstrafe in Texas etwas zu unternehmen, im Zusammenhang mit besseren Behandlungsmöglichkeiten für psychisch Kranke, Bildung und Drogentherapien, dann werden wir Sie alle wählen“. Ich würde darauf wetten, dass es so geschehen würde.
Dann könnten diese Menschen helfen diese Kampagne zu finanzieren. Hey, das ist Amerika; es braucht Geld um irgendetwas zu bewegen!! Es kann zu einer Veränderung kommen.
Um die Bedingungen im Todestrakt zu verbessern, muss mehr Druck auf die texanische Regierung ausgeübt werden. Der Wärter kümmert sich nicht darum, was die Wähler denken. Der Direktor der TDCJ kümmert sich nicht darum, was die Wähler über den Todestrakt denken. Er muss nicht von den Bürgern in sein Amt gewählt werden. Aber die Öffentlichkeit kann Druck auf ihn ausüben und dabei helfen ihm sein Amt zu entziehen, besonders wenn der Öffentlichkeit klar wäre, wieviel Geld verschwendet wird und wie unverschämt hoch die Gehälter sind. In der Tat können wir unseren Anwälten am Samstag nicht einmal einen Brief zusenden! Wir können nicht einmal Deo, Shampoo und oder Duschschuhe bekommen, wenn wir nicht Geld von Menschen zugeschickt bekommen. Ja, das System ist hinüber! Menschen wie Richard Cartwright, Kenneth Foster, ich selbst und viele andere werden zum Tode verurteilt um unter dem Gesetz der Beteiligung zu sterben. Aber wenn jemand einen IQ von unter 70 hat oder unter 18 war, als das Verbrechen begangen wurde, kann er nicht hingerichtet werden. Aber ein Mensch, der nicht einmal jemanden umgebracht hat, aber nach dem Gesetz der Beteiligung verurteilt wurde, kann vom Staat ermordet werden. Ein Mensch könnte 100 Personen umbringen, wenn sein IQ bei 69 liegt, kann er nicht umgebracht werden. Aber ein Kerl, der bei einem Überfall, der schief ging, der Fahrer war, kann hingerichtet werden! Scheint da nicht etwas verkehrt zu sein? Ich meine die Todesstrafe ist für die Schlimmsten der Schlimmsten vorbehalten (für Menschen, die so irrational und mörderisch handeln, dass sie umgebracht werden müssen)! Wie eine Art tollwütiger Hund. Man kann ihnen nicht mehr helfen. Die Wahrheit ist, dass Menschen nicht wie Hunde sind, dass sie sich verändern können und eingesperrt werden können. Die, bei denen festgestellt wird, dass sie verrückt sind (ich beziehe mich auf verrückte Mörder) sollten in psychiatrischen Kliniken untergebracht werden und ihre Krankheit sollte mit der Hilfe von Medikamenten und  erhöhten Sicherheitsmaßnahmen behandelt werden, in der Hoffnung auf Heilung. Ich bin nicht verrückt! Also warum können Sie mich nicht gehen lassen? Ich habe nicht einmal jemanden umgebracht! Der Kerl, der Reagan erschossen hatte, wurde für verrückt erklärt. Ich bin überzeugt, dass er die Psychiatrie verlassen darf, um sich mit seiner Familie zu treffen. Hat er nicht einen Mann umgebracht und ein paar andere angeschossen? In Texas wäre das Mord in Tateinheit mit einem schweren Verbrechen. Das ist ein Kapitalverbrechen. Wenn John Hinckley diese Tat in Texas begangen hätte, würde er in der Statistik unter den Personen erscheinen, die der texanische Staat umgebracht hat. Das ist nur ein weiterer Punkt, warum die Todesstrafe keinen Sinn macht.
Zu behaupten, dass das Leben dieser Person mehr bedeutet, als das Leben einer anderen Person ist das Fundament der meisten faschistischen Glaubensgemeinschaften. Wenn man eine Anmerkung macht, dass das Leben eines Mörders weniger wert ist als das des Opfers und man hingeht und den Mörder umbringt, dann würde dein Leben weniger wert sein als das des Mörders. Du hast selbst gemordet. Wenn Personen behaupten, dass sie den Wert des Lebens einer anderen Person bestimmen können, dann schlussfolgern sie, dass sie dem Leben dieser Person überlegen sind. Die Waagschalen der Gerechtigkeit sollten eigentlich für die Gleichheit stehen.
Aber aus der Geschichte lernen wir, dass dieses Symbol unser gegenwärtiges Justizsystem fälschlich darstellt. Wir müssen alle aufstehen und die Ungerechtigkeit des Systems bekämpfen. Aus dem Inneren heraus müssen wir gegen die Mordmaschinerie und das unterdrückende System ankämpfen. Von außen muss eine politische Gruppierung formiert werden. Eine die sich nicht an Alter, Rasse oder Geschlecht orientiert, eine, die Menschen aller Religionen, Anwälte, Minister, Lehrer, Studenten, Taxifahrer enthält, alle vereint um eines zu erreichen: GERECHTIGKEIT!
Martin Luther King hat festgestellt: “Ungerechtigkeit, die irgendwo stattfindet ist eine Bedrohung für die Gerechtigkeit überall.” Das ist wahr! Vereinigung ist der Schlüssel zum Erfolg! Die meisten Menschen kennen einfach nicht die Wahrheit über die Todesstrafe oder den Todestrakt. Die meisten glauben wir haben Fernseher, CD Player und andere verrückte Sachen. Deshalb ist es sehr wichtig die Massen aufzuklären. Die texanische Koalition gegen die Todesstrafe (Anmerkung der Übersetzerin: TCADP) hat sehr gute Artikel auf ihrer Homepage. Viele Menschen schlagen auf George W. Bush ein. Ich verschwende nicht meine Zeit damit viel über ihn zu schreiben. Viele andere sagen genug. Ich benutze gerne seine eigenen Worte gegen ihn. Im Fall von Terri Schiavo in Florida über die Frage ob man ihr die Magensonde ziehen sollte oder nicht, meinte George W. Bush „wir sollten Leben verteidigen und schützen.“ Das ist eine gute Behauptung. Aber er praktiziert nicht, was er predigt. Er unternimmt nichts, um sicherzugehen, dass ein unschuldiger Mann oder eine unschuldige Frau nicht hingerichtet werden. Wenn er Leben beschützen und verteidigen möchte, dann muss er Gesetze und Richtlinien ausarbeiten, die dabei helfen zu versichern, dass KEINE unschuldige Person durch den Staat umgebracht wird. Ich befand mich am 28. Juli 2005 im Besuchsraum, als David Martinez aus dem Besuchsraum geführt wurde, um in die Walls Unit gefahren und dort hingerichtet zu werden. Er schien gute Laune zu haben und die vorgesetzten Wärter und andere hohe Tiere verhielten sich, als wenn sie ihn zum Friseur begleiten würden! Als er aus dem Besuchsraum geführt wurde, sagte ich: „Ein weiteres Schaf, das zum Schlachter geführt wird!“ Ihr seht ich bin nicht damit einverstanden, dass man sich einfach zu seiner Hinrichtung begibt. Ich hatte bereits zuvor eine Waffe an meinem Kopf, ich weiß was es bedeutet dem Tod ins Auge zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dass ich entweder sterben kann, weil mir eine Kugel in den Hinterkopf geschossen wird oder dass ich beim Wegrennen erschossen werden kann oder dass ich durch eine Kugel in die Stirn erschossen werden kann, während ich kämpfe. Ich bin heute am Leben, weil ich kämpfte. Ich bekämpfe das System so gut ich kann! Ich behalte meinen gesunden Verstand, indem ich gegen die unterdrückenden Taktiken des Systems rebelliere. Ich bekämpfe die Gerichte. Ich bekämpfe die Wärter. Ich bekämpfe die Stereotypen. Ich kämpfe um zu leben! Ich bin am Leben!! Ich bin geistig und körperlich am Leben. Ich habe teilweise unter meinem Widerstand zu leiden, aber ich würde den wichtigsten Bestandteil meiner Existenz verlieren, wenn ich mich einfach nur ergeben würde. Ich werde sterben bevor ich mich jemals unterwerfe. Wenn die Leute sich ihrem Tod ergeben, stillt es den Schmerz, da die Menschen fühlen, dass die Person bereit ist zu sterben. Dieser Schmerz sollte nie gestillt werden! Nutzt den Schmerz, um das Feuer anzufachen!!

Wenn ich meinen Kopf unter die Guillotine lege, dann begehe ich Selbstmord. Wenn sie meinen Kopf gegen meinen Willen unter der Guillotine „platzieren“, dann ermorden sie mich!! Ich fühle nie einen größeren Frieden, als wenn ich mich mit meinen Freunden auf Stufe 3 befinde. Die Versorgungsstation kontrolliert mich nicht, das Eigentum kontrolliert mich nicht und der Hofgang kontrolliert mich nicht. Wenn ich all das als Preis dafür verliere, dass ich dafür gerade stehe an was ich glaube, dann ist das ein sehr guter Preis.
Die Leute haben die fälschliche Illusion, dass unser Verhalten einen Einfluss auf unsere bevorstehende Hinrichtung hat. Es gab mehrere Menschen, die hingerichtet wurden und die 8, 9 oder 10 Jahre lang kein einziges Disziplinarverfahren hatten. Ich kann jedoch auch Leute nennen, die aus dem Todestrakt heraus gekommen sind, die das System bekämpften, auf Stufe 3 geblieben sind und einige schwerwiegende Disziplinarverfahren hatten! Es bedeutet also nicht, dass die Hinrichtung einer Person gestoppt wird, weil man sich im Todestrakt passiv verhält. Wie können wir untätig herumsitzen, wenn die Menschen draußen für uns kämpfen? Wir müssen Hand in Hand kämpfen. Ich sage nicht, dass wir gewalttätig sein müssen und Leute verletzen sollen, natürlich nicht! Das würde nur die Anschuldigungen derer bestätigen, die bestrafen möchten. Ich bin sehr dankbar, dass die, denen ich schreibe und mit denen ich eine Bindung aufgebaut habe, meine Entscheidung hier im Todestrakt so zu leben nicht kritisieren. Zunächst war es schwierig für sie zu verstehen, aber mit der Erklärung glaube ich, dass die meisten Menschen meinen Widerstand verstehen können.
Nun, ich habe viel erzählt. Ich hoffe, dass wenigstens eine Person etwas aus diesem Unzensiert-Artikel ziehen wird. Ich versuche mehr Leute dazu zu motivieren, dem Kampf beizutreten. Sich zu vereinigen und die Ungerechtigkeit zu bekämpfen. „Die wahre Größe eines Mannes oder einer Frau zeigt sich nicht in Zeiten von Bequemlichkeit und Annehmlichkeit, sondern in Zeiten von Umwurf und Meinungsstreitigkeiten.“ Martin Luther King Junior
Wo werdet ihr euch befinden?
Steht gerade, lasst nie nach und gebt nie auf.
Clinton Young
#999447
Polunsky Unit
3872 FM 350 S.
Livingston, TX 77351
U.S.A.
Veni, Vidi, Vici.

Das Folgende stammt von Robert Shields #999166. Es kann auch unter folgender Adresse gelesen werden: here Ich danke dir Scott, dass du Robert dabei hilfst seine Beiträge auf Uncensored zu veröffentlichen.
„Montag, 08. August 2005

‚Leg dich nicht mit Texas an’ von Robert Shields
Es ist wieder soweit. Der Countdown für einen weiteren kaltblütigen, vom Staat angeordneten Mord hat begonnen.
7.50 Uhr
Sie waren gerade da, um David “Wolf” Martinez zu seinem letzten Besuch mit seiner Familie abzuholen. An jedem anderen Tag wären sie zu spät gekommen, wären vielleicht früh gekommen, um seinen Besuch früh wieder zu beenden.
8.12 Uhr
Sergeant Thompson und Sergeant Poole kommen mit einem normalen Wärter im grauen Anzug vorbei, um sein Eigentum abzuholen. Sergeant Thompson schleppt den Sack mit seinem Eigentum aus dem Flügel, während Sergeant Poole ihm nur nachfolgt.
12.00 Uhr
Heute gibt es eine kurze Verwirrung, da zwei Vans auftauchen. Einer ist da, um jemanden aufgrund eines richterlichen Haftbefehls abzuholen und an das County zu übergeben. Also müssen sie warten, bevor sie Martinez hinausbringen.
12.15 Uhr
Sie bringen ihn aus dem Besuchsraum und zurück zu Gebäude zwölf, um ihn zu durchsuchen und zu fesseln. Es sieht aus als ob heute nur 5 Vorgesetzte dort unten sind, aber nur sechs hohe Tiere. Es scheint, dass die Leute zu beschäftigt sind, um Arschkriecher zu spielen.
12.25 Uhr
Wolf kommt heraus. Er hält sich aufrecht, nickt uns zu und klettert in den Van, bereit damit loszulegen. Oh, sieh mal einer an. Sie besaßen die Unverschämtheit einen Karren zu benutzen, um sein Eigentum nach draußen zum Van zu bringen, während die ganzen anderen hohen Tiere herumstehen. Wie nett von ihnen! Die Armee der grauen Anzüge verschwindet schnell.
18.17 Uhr
Ein weiteres Lebenslicht wurde heute abend durch den Staat Texas ausgelöscht. Lauf den Weg weiter, Wolf, wir werden dich alle vermissen. Ich möchte David Martinez Mutter, Tina, Mary und allen anderen, die für ihn in all den Jahren da waren, mein Beileid aussprechen. Eure Liebe hat ihn während dieses Abschnitts seiner Reise getragen. Danke für die gute Musik am Mittwoch abend!
LEGT EUCH NICHT MIT TEXAS AN”
Robert Shields hat einen Hinrichtungstermin für den 23.08.2005.

(zum Seitenanfang)